Herr Blocher, gestern haben Sie Ihre umstrittene Rede im SonntagsBlick, der SonntagsZeitung sowie der NZZ am Sonntag abdrucken lassen. Hat sich Ihr Verhältnis zum Ringier-Verlag wieder normalisiert?
Das wird man sehen. Ich habe die Rede abdrucken lassen, damit die Leute endlich wissen, was ich am Parteitag in Lupfig gesagt habe. Eine Pressekampagne, welche die Wahrheit entstellt, hat aus dieser Rede ganz anderes gemacht. Meine Rede sagte aus: "Samuel Schmid ist ein guter Bundesrat, aber nur ein halber SVP-Bundesrat". Aber Blick und SonntagsBlick haben dieses Zitat so lange verdreht, bis jeder geglaubt hat, ich hätte Bundesrat Schmid als minderwertigen Bundesrat bezeichnet. Dieser Presse-Methode bedienten sich diktatorische Staaten. Man nimmt eine Halbwahrheit und erzählt sie so lange, bis sie zur Wahrheit wird. Ein wichtiges Merkmal der Nazi-Presse...
Dieser Vergleich geht doch ein bisschen weit...
Ich habe die Methode der damaligen Zeitungen studiert, es ist genau die gleiche Methode. Die ist übel und muss kritisiert werden.
Aber übertreiben Sie nicht ein bisschen?
Nein, nein. Letzte Woche -- am Samstagabend -- habe ich an der Jubiläumsveranstaltung der St. Galler SVP eine Rede gehalten. Mit keinem Wort habe ich über den Bundesrat gesprochen. Am nächsten Tag stand auf dem Aushang des SonntagsBlicks sinngemäss: "Blocher pöbelt erneut gegen Bundesrat Schmid". Das ist einer Demokratie unwürdig. Ähnlich verlief bereits der Fall Borer. Ich könnte noch weitere Beispiele anfügen. Ich fordere eine Presse, die sich an die Fakten hält. Seit Monaten spreche ich nicht mehr mit den Journalisten des Blicks und SonntagsBlicks und werde dies weiter so halten, bis diese Methoden verschwinden.
Was heisst das?
Es ist den Zeitungen freigestellt, gegen wen sie Kampagnen führen wollen. Aber die Entstellung der Wahrheit, um solche Kampagnen zu führen, muss verschwinden. Bereinigt ist dies, wenn diese Lügen nicht mehr geschrieben werden. Dann hebe ich den Boykott auf. Bei der Geschichte um Samuel Schmid war auch der Tages-Anzeiger und Radio DRS beteiligt. Mir geht es darum, diese Verbindungen aufzuzeigen.
Verbindungen?
Ja, sogar Filz einzelner Journalisten mit der gleichen Absicht.
Mit denen sprechen Sie auch nicht mehr?
Wenn dies -- wie beim Blick -- System bekommt, dann auch. Ich möchte den Mechanismus einer solchen Kampagne aufzeigen. Hinter der ganzen Geschichte steckt übrigens in diesem Fall auch Oswald Sigg, Pressesprecher von Samuel Schmid. Sigg, ein ehemaliges GSOA-Mitglied und nun Pressesprecher des Verteidigungsdepartements, hat bereits in einer Gewerkschaftszeitung einen sehr abschätzigen Artikel über unseren Bundesratskandidaten Toni Bortoluzzi veröffentlicht. Das geht nicht: Sigg als ein bundesrätlicher Sprecher schreibt gegen Bundesratskandidaten.
Was fordern Sie in dem Fall?
Ich glaube, Herr Sigg ist als Pressesprecher eines Bundesrates nicht tragbar. An der morgigen Fraktionssitzung wird das Thema nochmals besprochen werden. Es geht nicht an, dass Bundesrat Schmid immer wieder von seinem Pressesprecher einseitig munitioniert wird. Aber entscheiden muss er.
Was ist Ihr Schaden durch dieses -- wie Sie sagen -- Komplott?
Die breite Volksmassen glaubt die Ringier-Geschichten längst nicht mehr. Im Gegensatz zu den leitenden Leuten in Bern. Eine demokratische Presse hat auch einen Auftrag. Einmal sagte ich in einem NZZ-Interview, Direktbeiträge für Bauern seien keine Sozialleistungen. Anschliessend schrieb die Ringierpresse, ich sei gegen Direktbeiträge und verlangte von den bäuerlichen SVP-Exponenten eine Reaktion über etwas, was ich nie gesagt habe. So läuft das.
Aber Sie behaupten nicht, der jüngste Knatsch sei ausschliesslich ein Medienkampagne?
Eine Medienkampagne, gesteuert durch Oswald Sigg. Aber es ist klar: Bundesrat Schmid ist nicht durch die SVP vorgeschlagen worden. Aber er gehört der SVP an. Deshalb ist er ein halber SVP-Bundesrat. Darum gibt es Differenzen.
Wie ist Ihr momentanes Verhältnis zu Bundesrat Schmid?
Nicht herzlich, aber freundschaftlich.

