Frau Schwaninger, nach einigen Jahren Unterbruch nehmen Sie wieder eine neue Klatsch-Kolumne auf. Haben Sie den Draht zur Promi-Szene in der Zwischenzeit nicht verloren?
Ich habe immer gearbeitet -- bis vor drei Jahren hatte ich meine Klatschspalte in der "Glückspost". Zuletzt war ich vor allem für die "Weltwoche" und die "Bilanz" unterwegs. Dabei habe ich nie aufgehört, Vernissagen, Opernpremieren und Bälle zu besuchen. Machen Sie sich also keine Sorgen um mich: Ich komme an die Geschichten schon noch ran.
Der schwule Andi Stutz habe vor Kurzem eine reiche Russin geheiratet, schreiben Sie in Ihrer ersten Kolumne. Wie haben Sie diese Exklusiv-News aufgeschnappt?
Ich wusste es schon länger und hätte die Geschichte bereits vor einem halben Jahr schreiben können. Mir fehlte aber in den zurückliegenden Monaten die Zeit, die Sache auf Papier zu bringen. Da ich nie jemandem eine Geschichte erzähle, konnte ich sie glücklicherweise in Reserve behalten.
Erzählen Ihnen die Prominenten die Geschichten direkt -- oder gelangt der Klatsch über Umwege zu Ihnen?
Das ist eben mein Geheimnis. Und das werde ich auch Ihnen nicht verraten.
Wie hoch ist der Wahrheitsgehalt Ihrer Kolumne?
Er liegt bei 100 Prozent. So wie es sich für eine Zeitung wie den "Tages-Anzeiger" gehört: Geschichten müssen stimmen. Ich mache diese Arbeit schliesslich schon lange, und es stimmte an meinen Geschichten ja auch in der Vergangenheit stets alles.
Sie haben heute Morgen also noch kein böses Telefon von Andy Stutz erhalten?
Nein, natürlich nicht.
Sie sagten einmal "Klatsch kann man nicht recherchieren".
Das ist wahr. Dazu stehe ich immer noch. Klatsch ist eine unrecherchierte Nachricht. Das muss so sein, macht es aber auch schwierig. Man muss stets aufpassen, dass man nichts Falsches schreibt.
Wie können Sie sicher gehen, dass das Gerücht, das Sie für Ihre Kolumne verwerten, stimmt?
Man muss schon ein wenig recherchieren -- aber eben nur bis zu einem bestimmten Grad. Denn sonst geben die Betroffenen Pressecommuniqués raus und andere Zeitungen schnappen die Story auf. Man befindet sich also immer auf einer Gratwanderung. Wichtig ist, dass man die richtige Intuition besitzt.
Was hat sich in der Branche über die letzten Jahrzehnte verändert?
Sehr viel. Als ich anfing, gab es noch keine Klatschkolumnen. Ich war die Erste in diesem Fach. Inzwischen haben die Geschichten eine inflationäre Verbreitung. Es gibt unendlich viele.
Nun starten aber auch Sie wieder eine Kolumne.
Man sagte mir, dass es von mir noch eine Kolumne erträgt. Ich sehe mich da auch nicht so in Konkurrenz. Viele andere bringen ja bloss Fotos und Berichte von Anlässen. Gute Geschichten dagegen sehe ich selten.
Was machen Sie denn anders, bzw. besser?
Ich bewege mich sehr viel an Anlässen. Im Gegensatz dazu werden heute viele Geschichten direkt aus dem Internet abgeschrieben. Das darf man natürlich nicht.
Ihr Ex-Mann Jürg Rahmspeck schreibt für den "Blick", der bald rundum erneuert erscheint. Wäre das nicht eine Gelegenheit gewesen, um die Kolumne im Boulevardblatt erscheinen zu lassen?
Dagegen hätte ich nichts einzuwenden gehabt. Ich wurde aber von Eugen Baumgartner angefragt, dem Herausgeber der Jahrespublikation "WW Who is Who in Zürich", und er wollte, dass die Kolumne im "Tages-Anzeiger" erscheint.
Abschlussfrage: In London kommt nächste Woche ein Bild von Ihnen unter den Hammer, das der Pop-Art-Künstler Andy Warhol gemalt hat. Werden Sie mitbieten?
Ich werde mitbieten. Ich hätte gern auch das zweite Bild, dann könnte ich jedem meiner Söhne eins vererben. Obwohl ich annehme, dass die nicht ihre Mutter an die Wand hängen wollen. Aber auf 400'000 Franken werde ich nicht gehen. Da müsste ich ja mein Haus verkaufen.
(Interview: David Vonplon)

