Herr Müller, was ging Ihnen als erstes durch den Kopf, als Sie erfuhren, dass "Der Bestatter" fortgesetzt wird?
Ich habe mich natürlich gefreut, mit diesem Team weiterzuarbeiten. Und mich gleich gefragt: Was machen wir besser?
Die Dreharbeiten beginnen im Juni. Wann starten Sie Ihre persönliche Vorbereitung?
Die persönliche Vorbereitung hat eigentlich schon längst begonnen, nämlich mit den Feedbackrunden zur ersten Staffel. Die ersten Drehbücher werde ich wohl in den nächsten Wochen lesen, und das Auswendig-Lernen kommt dann am Schluss. Das macht eigentlich erst Sinn, wenn der Drehplan steht, und dann bin ich mit dem Text jeweils drei, vier Tage im Voraus parat.
Hatten Sie zur Vorbereitung auf die Rolle einen Bestatter als Ansprechperson, einer, der Sie in das Geschäft mit dem Tod eingeführt hat? Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ich bereite mich gerne mit Lesen von entsprechenden Artikeln vor oder schaue mir Dok-Filme an. Ich tanze in einem solchen Fall nicht gerne mit einem Fragenkatalog an, sondern versuche Stimmungen zu entdecken, die interessant sein könnten.
Erhalten Sie bzw. das SRF Reaktionen von "richtigen" Bestattern? Finden diese, dass die Serie ihren Beruf würdig darstellt?
Es gab in der Presse mehrere Artikel zu dieser Frage. Wir kamen dabei nicht schlecht weg. Aber wir machen Fiktion, dass heisst wir halten uns nicht immer an die Realität.
In einem Interview sagten Sie, dass Sie nicht gerne an den Tod denken. Werden Sie durch Ihre Rolle in "Der Bestatter" künftig weniger Berührungsangst mit dem Thema "Tod" haben?
Gegenfrage: Wer denkt denn schon gerne an den Tod? Ich würde da nicht von Berührungsangst reden, bloss möchte ich, wie wohl jeder, den Tod nicht in meiner Nähe. Es ist dann früh genug, wenn man sich im Trauerfall damit abfinden muss.
"Der Bestatter“ erinnert an die US-Serie "Six Feed Under". Lehnt sich die Schweizer Serie an diese an? Oder ist das Zufall?
Das müssten Sie den Drehbuchautor fragen.
Worin ähneln sich Luc Conrad und Mike Müller? Und wo tickt Luc anders, als Mike Müller?
Selbst wenn ich von mir ein Psychogramm hätte, ich würde für Luc Conrad auch keines erstellen. Man spielt eine Rolle mit den Mitteln, die man zur Verfügung hat, und somit hat die Rolle naturgemäss mit einem selber zu tun. Kurzum: Luc Conrad ist Bestatter, ich bin Schauspieler.
Wenn Sie nicht Luc spielten, welche Figur in der Serie würde Sie sonst am meisten reizen?
Das wäre dann ja eine Episodenrolle. Und da gab es in jeder Folge Rollen, die mir gefielen.
Begrüssen Sie es, dass im "Bestatter" Schweizerdeutsch gesprochen wird?
Na ja, ich finde es einigermassen normal, in einem Schweizer Krimi Schweizerdeutsch zu reden. Isländisch würde nicht viel Sinn machen.
Was muss an der Serie noch optimiert werden?
Wir sind jetzt in der komfortablen Situation, dass wir nach vier Folgen in Ruhe überlegen können, wo und was verbessert werden soll. Da gibt es mehrere Punkte, aber das ist ein interner Prozess, über den ich keine Auskunft gebe.
Einige Mitglieder des Publikumsrates gaben als Kritik an, dass die Dialoge teilweise etwas holprig sind und zu viele Kraftausdrücke gebraucht werden. Sehen Sie das auch so?
An Dialogen kann immer gefeilt werden, bei den Kraftausdrücken sehe ich es anders. Da reagiert man in der Schweiz sehr heikel. Ich würde behaupten, dass wir uns im Vergleich mit der Realität an der unteren Limite bewegt haben. Je nach Figur und Situation sollte man eher noch zulegen.
Durch die verschiedenen Engagements müssen Sie stets zwischen den Rollen hin- und herwechseln. Was ist Ihr Rezept, um im richtigen Moment ganz in Ihrer Rolle zu sein? Haben Sie ein Ritual?
Rituale habe ich nicht, und ich weiss auch nicht, ob es für das Parallel-Arbeiten ein Rezept gibt. Wenn man sich gut vorbereitet, geht es jedenfalls.
Jetzt, wo die Serie fortgesetzt wird, haben Sie ganz schön viel um die Ohren: die neuen Folgen von "Giacobbo/Müller", Ihr Engagement am Theater und "Der Bestatter". Wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?
Das ist nicht immer ganz einfach. Aber gute Arbeit ist auch ein Privileg.
Bleibt Ihnen eigentlich noch freie Zeit? Womit verbringen Sie diese?
Es gibt Phasen ohne Freizeit, das gibt es in anderen Berufen auch. Ansonsten verbringe ich meine Zeit gerne mit Lesen und in meinem Freundeskreis. Klingt unspektakulär, ist es für mich aber nicht.
Interview: Claudia Thöny
Bild: SRF

