10.08.2011

"Ich war niemals und bin auch heute nicht domestizierbar!"

Er sagt, was er denkt und polarisiert wie kein Zweiter. Unvergessen bleiben die impulsiven Talks von Roger Schawinski auf seinen damaligen Privatsendern TeleZüri/Tele24: Da läuft ein angehender Bundesrat erzürnt aus dem Studio oder Schawinski wirft einer Psycholgin ihr Buch um die Ohren. In wenigen Tagen gibt der Medienpionier sein Talk-Comeback auf SF1 mit "Schawinski" und macht schon im Vorfeld klar: angepasste Milde ist auch in Zukunft nicht sein Ding. Über seine Gefühle kurz vor dem Start - das Interview auf persoenlich.com:
"Ich war niemals und bin auch heute nicht domestizierbar!"

Roger Schawinski, am 22. August starten Sie mit Ihrer neuen Talkshow "Schawinski" auf SF1. Wie nervös sind Sie?

Erstaunlich wenig. Es ist ja nicht die allererste solche Sendung, die ich machen werde.

Sie werden jeweils am Montagabend Exponenten aus Politik und Wirtschaft zu aktuellen Themen befragen. Wie unterscheidet sich "Schawinski" von "TalkTäglich" auf TeleZüri, das Sie selbst ins Leben gerufen haben?

Der wöchentliche Rhythmus verlangt einen anderen Ansatz. Man ist nicht mehr ganz so nahe an der Aktualität, kann sich aber im Gegenzug gewisse Füllergäste aus dem Boulevardbereich sparen, die man bei einer täglichen Sendung einfach aufbieten muss. Bei mir wird es weder Wahrsagerinnen, Astrologinnen noch Cervelatprominente geben.

Für Ihre ehemaligen Wegbegleiter Markus Gilli und Hugo Bigi werden Sie nun zur grossen Konkurrenz. Wie haben die beiden auf Ihr Engagement beim Schweizer Fernsehen reagiert?

Hugo ist wie immer positiv und freundlich. Von Markus habe ich - nicht überraschend - gar nichts gehört.

Haben Sie keinen Skrupel, Ihren alten Sender zu konkurrenzieren? Befinden Sie sich nicht in einem Loyalitätskonflikt?

Da sehe ich nicht das geringste Problem. Konkurrenz belebt das Geschäft. Das war schon immer mein Ansatz.

Ein grosser Konkurrent dürften Sie auch für den "Club" sein. Denken Sie, dass die beiden Abgänge der Moderatoren Christine Maier und Röbi Koller damit zusammen hängen?

Mit Sicherheit nicht.

Warum soll man den "Club" noch schauen, wenn Sie am Abend zuvor das brisante Wochenthema bereits abgehandelt haben?

Der "Club" hat einen völlig anderen Ansatz. Ich mache eine Talkshow mit einem einzigen Gast. Da gibt es wenig Berührungspunkte zum "Club".

Ist es nicht erstaunlich, dass SF diese wichtige Sendung einem "alten Hase" aus der Branche gibt und nicht einem jungen Nachwuchstalent? Das ist zwar eine grosse Ehre für Sie, aber auch ein Armutszeugnis für SF, oder?

Ich glaube, für eine solche Sendung mit den wichtigsten Personen des Landes, braucht es eine grosse Erfahrung, sowohl im Leben als auch im Medium Fernsehen. So holt jetzt die ARD mit Günter Jauch aus gutem Grund einen gestandenen Moderator für die Paradesendung am Sonntagabend. Ein Jungspund wäre dort völlig fehl am Platz.

Sie galten als schärfster Kritiker des SF-Monopols. In jüngster Vergangenheit schreiben Sie jedoch oft über die positive Seite Ihres neuen Arbeitgebers. Ist das ein "Freundschaftsdienst" für Ihren Freund und zukünftigen Chef Ruedi Matter?

Ich war niemals und bin auch heute nicht domestizierbar, das wissen alle, und finden das auch gut so. Gerade weil ich nicht bei der SRG angestellt bin und sowohl meine wirtschaftliche wie journalistische Unabhängigkeit nicht abgebe, kann ich im nationalen Monopolmedium eine besondere Rolle spielen. So habe ich vor, auch den SRG-Generaldirektor Roger de Weck einzuladen, um ihm auf den Zahn zu fühlen. Nach dieser Sendung wird sich das Thema Ihrer Frage wohl erledigt haben.

Welche Schlagzeile über die Premiere von "Schawinski" wird Sie freuen? Vor welcher graut es Ihnen?

Die Kritiken werden mit Sicherheit vernichtend sein. Das sind sich gewisse Journalisten einfach schuldig. Im Übrigen werden die ersten Sendungen auch nicht die besten sein. Zuerst muss ich den Rhythmus der Sendung finden, und das wird wohl einige Monate dauern. Und ich werde auch das Genre Talkshow nicht neu erfinden. Das kann niemand.

Sie setzten sich ein für ein Arbeitsleben bis 85. Welchen beruflichen Wunsch wollen Sie sich in den nächsten 20 Jahren noch erfüllen?

Dass ich weiterhin das tun kann, was mich euphorisiert. Die neue Sendung ist genau so etwas.

Interview: Christine Schnyder


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