02.12.2002

"Ich werde mit 100-prozentiger Sicherheit nicht Schellenbergs Nachfolger"

Urs Rohner (43) unter Druck. Als Vorstandsvorsitzender von ProSieben-Sat.1, dem grössten Fernsehunternehmen Deutschlands, kämpft er an verschiedenen Fronten. So soll der Hamburger Bauer-Verlag die insolvente Kirch Media als Hauptaktionär ersetzen. Dennoch gibt sich Rohner im neusten "persönlich rot" optimistisch, was seine berufliche Zukunft in Deutschland angeht. "persoenlich.com" bringt einen Ausschnitt:
"Ich werde mit 100-prozentiger Sicherheit nicht Schellenbergs Nachfolger"

Herr Rohner, wie geht es Ihnen? Niemand weiss, wohin es das grösste deutsche Fernsehunternehmen nach der Kirch-Pleite verschlägt.

Mir geht es gut. So gross ist die Unsicherheit zum Glück nicht mehr. Die Kirch Media verhandelt jetzt exklusiv mit einem Konsortium aus dem Heinrich-Bauer-Verlag und der HypoVereinsbank über den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der ProSieben-Sat.1-Gruppe. Die Verhandlungen sollen Mitte Dezember abgeschlossen sein. Eine solche Lösung würden wir begrüssen. Dies käme unserem Interesse an einem stabilen Aktionariat entgegen. Insofern hoffe ich, dass man sich schnell einig wird.

Sie sprechen den möglichen Einstieg des Hamburger Bauer-Verlages an. Nach Zeitungsberichten soll der neue Hauptaktionär Ihres Unternehmens aber den RTL-Chefredaktor Hans Mahr als Vorstandsvorsitzenden bevorzugen.

Man darf nicht alles glauben, was in den Zeitungen steht. Auch ich habe in den letzten Wochen vieles gelesen. In der Medienbranche wird über alles und jeden spekuliert. Ich hingegen versuche, mich an die Realitäten zu halten -- und die Realität ist, dass ich Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG bin. Ich gehe davon aus, dass sich daran auf absehbare Zeit auch nichts ändern wird.

Sie gelten als Fusionsspezialist. Ihre grosse Leistung war das Zusammenführen der beiden Sender ProSieben in München und Sat.1 in Berlin. Ist diese Vereinigung nun zufriedenstellend beendet?

Ja, wir können mit dem Verlauf und den Ergebnissen der Fusion durchaus zufrieden sein. Technisch war die Integration sehr schnell vollendet. Selbst der komplexe Zusammenschluss der beiden Vermarktungsorganisationen ist uns relativ rasch gelungen. Was länger dauert als gedacht, ist das Zusammenwachsen der beiden Unternehmenskulturen. Aber auch hier sind wir schon ein gutes Stück vorangekommen -- und das trotz eines inzwischen äusserst schwierigen Marktumfelds, das seit unserer Fusion durch sinkende Werbeinvestitionen der Wirtschaft geprägt ist. Der rezessive Werbemarkt schlägt sich natürlich auf unsere Erlössituation nieder. Auf der Kostenseite konnten wir die Synergien aus dem Zusammenschluss jedoch wie geplant realisieren. Und nicht zuletzt haben wir seit der Fusion mit einem Marktanteil von über 45 Prozent die führende Position im weltweit attraktivsten Fernsehwerbemarkt nach den USA inne. Insofern haben wir unsere wichtigsten Ziele erreicht.

In der Schweiz wird die Werbung der beiden Sender Sat.1 und ProSieben von zwei verschiedenen Firmen verkauft. Widerspricht dies nicht der Idee einer einheitlichen Senderfamilie?

Das ist eine philosophische Frage. Dieses Konstrukt haben wir ja nicht geschaffen, sondern so vorgefunden. ProSieben und Kabel 1 werden von der IP Multimedia vermarktet, an der wir beteiligt sind, Sat.1 wird von der RMB-Vermarktungs-AG betreut. Natürlich gab es Überlegungen, die Vermarktung zusammenzulegen. Rechtlich wäre es sogar möglich gewesen. Aber die Analyse hat gezeigt, dass unsere Sender auf diese Weise in der Schweiz gut vertreten sind. Deshalb haben wir uns entschieden, es dabei zu belassen.

Mit den Schwierigkeiten der goldbach media hat dies keinen Zusammenhang?

Die Schwierigkeiten von goldbach media kann ich nicht kommentieren. Ich weiss auch nicht mehr als das, was in den Zeitungen steht. Der IP Multimedia hingegen geht es gut.

In der Schweiz wird zurzeit über die Möglichkeit der Einführung des Gebührensplittings diskutiert. Ich frage Sie nun als Schweizer Jurist: Ist das ein taugliches Mittel zur Finanzierung von Privatfernsehstationen?

Nein, nicht wirklich. Persönlich glaube ich, dass in der Schweiz das Privatfernsehen politisch nicht erwünscht war. Ansonsten hätte es ganz andere Möglichkeiten -- wie Werbebegrenzungen für die SRG -- gegeben, um die kommerziellen Sender zu fördern. Das Gebührensplitting, über das zurzeit diskutiert wird, wäre lediglich -- aber immerhin -- ein Tropfen auf den heissen Stein.


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