Der Journalistenverband Impressum fordert die Schweizer Verleger dazu auf, Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die Deutschschweiz und das Tessin aufzunehmen. Seit 2004 herrscht hier ein vertragsloser Zustand. In jüngster Zeit sei es in einzelnen Medienhäusern zu Auswüchsen gekommen, sagte Urs Thalmann, Geschäftsführer von Impressum, am Donnerstag anlässlich des Jahreskongresses des Verbandes Schweizer Medien in Flims GR. So habe eine Zeitung einen 50-jährigen bewährten Journalisten zu einem Vollzeit-Lohn von unter 6000 Franken angestellt.
Auch gebe es Verlage, die freien Journalisten Ansätze von 160 bis 200 Franken für eine ganze Seite mit Foto diktierten, notabene mit Abtretung der Urheberrechte. Der Journalismus drohe mit solchem Lohndumping ins Fadenkreuz der Behörden zu geraten. Der Bundesrat sei bereits hellhörig geworden und könnte sich ins Mediengeschäft einmischen.
Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument konterte, dass die Verlage nicht gegen einen GAV seien. Sie pochten jedoch darauf, dass die Löhne und Honorare weiter auf betrieblicher Ebene auszuhandeln seien. Leider böten die Medien- Gewerkschaften nicht Hand zur Diskussion über die zahlreichen anderen wichtigen Themen der Sozialpartnerschaft. Den Antrag von Impressum, unverzüglich Verhandlungen über einen neuen GAV aufzunehmen, lehnten die Verleger mit grosser Mehrheit bei zwei Enthaltungen ab. Lebrument forderte die Verbände und Gewerkschaften auf, einen Antrag für ein neues Mandat zu stellen. Eine ausserordentliche Mitgliederversammlung werde sich diesem Antrag dann annehmen. (sda)

