Die Affäre um das Sexvideo einer jungen Frau, das diese Woche im Internet auftauchte, zieht Kreise. Ein Journalist der Gratiszeitung "20 Minuten" hat am Donnerstag mit sofortiger Wirkung seinen Arbeitsplatz räumen müssen, dies berichtet die "NZZ am Sonntag". Er habe im Rahmen der Recherchen zu dem Fall zu Mitteln gegriffen, welche die Redaktionsleitung nicht tolerieren könne, sagt Christoph Zimmer, der Sprecher des Tamedia-Konzerns der "NZZ am Sonntag".
Die Gratiszeitung "20 Minuten" gehört zum Tamedia-Konzern. Laut mehreren Quellen hat der fragliche Mitarbeiter auf Facebook unter dem mutmasslichen Namen des Opfers ein Profil angelegt. Auf diese Weise hoffte er, Kontakt zu Beteiligten aufzunehmen und so an weitere Informationen zu gelangen. Paradoxerweise sind ihm dabei andere Journalisten von "20 Minuten" auf die Schliche gekommen, die ebenfalls an der Geschichte recherchierten. Als die Redaktionsleitung davon erfuhr, hat sie laut Zimmer sofort gehandelt und das Arbeitsverhältnis mit dem Mitarbeiter aufgelöst. Zimmer versichert, aus dem fehlbaren Verhalten des Journalisten seien keine Erkenntnisse gewonnen und verbreitet worden. An der Berichterstattung von "20 Minuten" zu dem Fall halte die Redaktion vollumfänglich fest.
Die Veröffentlichung des Videos hatte letzte Woche für grosses Aufsehen und über die Landesgrenzen für Empörung gesorgt. Die junge Frau wurde dabei gefilmt, wie sie eine Eistee-Flasche in ihre Vagina einführte. Das Video wurde mutmasslich von ihrem Ex-Freund auf Facebook aufgeschaltet. Noch am selben Tag schauten es über 15'000 Besucher an und klickten daneben auf "Gefällt mir". Und bevor Facebook den Film löschen konnte, war er bereits x-fach kopiert und weiterverbreitet worden. In der Zwischenzeit ist eine Strafanzeige eingegangen, die Jugendanwaltschaft Aargau hat die Ermittlungen übernommen. Als Tatverdächtige hat sie zwei junge Männer unter 18 Jahren im Visier. (NZZ am Sonntag)

