22.11.2012

"Financial Times Deutschland"

In den letzten Zügen

320 Mitarbeiter von Gruner + Jahr sollen ihre Stelle verlieren.

Die Tage der Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" scheinen gezählt. Die "FTD" solle nur noch bis zum 7. Dezember erscheinen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag.

Ein Sprecher des Verlags Gruner + Jahr (G+J) erklärte auf Anfrage, der Verwaltungsrat habe die Geschäftsleitung ermächtigt, "einen Verkauf, Teilschliessung oder Schliessung der G+J-Wirtschaftsmedien vorzunehmen." "Es laufen aktuell letzte Gespräche zu einem potenziellen Verkauf der 'FTD', ein endgültiger Beschluss ist damit noch nicht gefasst", erklärte der Konzernsprecher weiter. Weitere Angaben wollte der Verlag zunächst nicht machen. In Unternehmenskreisen hiess es, es sei eine Pressemitteilung geplant. Laut dem "FAZ"-Bericht sollen 320 Mitarbeiter von Gruner + Jahr, die in der Wirtschaftsmedien AG auch für die Zeitschriften "Impulse" und "Börse Online" arbeiten, ihren Arbeitsplatz verlieren. Ihnen solle bis Ende Januar betriebsbedingt gekündigt werden, berichtete das Blatt. Dafür seien intern Sozialplankosten von rund 40 Millionen Euro veranschlagt.

Die "FTD"-Redaktion hatte am Mittwoch auf der Internetseite ihrer Zeitung mitgeteilt, das Blatt stehe "vor der Einstellung". Die Gewerkschaft Verdi hatte scharfe Kritik geübt. Gruner + Jahr sei ein profitabler Verlagskonzern, einen grossen Teil der Wirtschaftsmedien einzustellen, sei "keine Entscheidung aus der Not heraus". Gruner + Jahr gibt unter anderem Zeitschriften wie "Stern" und "Brigitte" heraus. Der Verlag gehört zu 74,9 Prozent dem deutschen Medien-Grosskonzern Bertelsmann, 25,1 Prozent der Anteile hält die Hamburger Verlegerfamilie Jahr.

Neben der drohenden Pleite der FTD sorgen in der deutschen Medienbranche derzeit weitere Ereignisse für Beunruhigung. Anfang Oktober meldete die Nachrichtenagentur dapd teilweise Insolvenz an. In der vergangenen Woche hatte zudem das Verlagshaus der "Frankfurter Rundschau" beim Amtsgericht Frankfurt am Main überraschend Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Die bisherigen Haupteigentümer, die Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding DDVG, nannten als Grund massive Umsatzverluste, aufgrund derer sie keine Perspektive zur Fortführung der Zeitung mehr gesehen hätten. (sda/dpa)


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