25.01.2018

No Billag

Initianten präsentieren eigenen Plan B

Nach dem Gewerbeverband haben nun auch die Initianten eine Lösung, wie die SRG ohne Gebührengelder überleben kann. Bezahlen sollen die Konsumenten über die Kabelnetzbetreiber. Ein SRG-Paket wäre laut Konzept schon ab 168 Franken pro Jahr zu haben.
No Billag: Initianten präsentieren eigenen Plan B
Stellte mögliche Varianten einer marktwirtschaftlich arbeitenden SRG vor: No-Billag-Mitinitiant Andreas Kleeb. (Bilder: Keystone/Walter Bieri)

Die SRG kann aus Sicht der No-Billag-Initianten auch ohne Gebührengelder überleben. Am Donnerstag haben sie ihren Plan B präsentiert. Die Konsumentinnen und Konsumenten sollen die SRF-Sender über die Kabelnetzbetreiber bezahlen – wenn sie diese abonnieren wollen.

Einen Plan B für die SRG hatte schon der Gewerbeverband präsentiert, der die Initiative befürwortet. Er setzt neben Werbung auf die staatliche Förderung einzelner Sendungen. Die Konsumentinnen und Konsumenten sollen zudem Abonnemente lösen können, zum Beispiel für Sport, Spielfilme oder für die «Tagesschau» (persoenlich.com berichtete).

Die Initianten schlagen nun einen anderen Weg vor: Die Sender der SRG sollen Teil der Grundangebote von Swisscom, Sunrise, UPC und anderen Kabelnetzbetreibern werden. Die Kunden hätten dabei die Möglichkeit, die Sender der SRG abzuwählen.

Das Konzept beinhaltet vier verschiedene Varianten:

Variante 1: Gemäss dieser würde das SRG-Paket 168 Franken im Jahr kosten. Enthalten wären SRF1, RTS1 und RSI1.

Variante 2: Analog der ersten Variante, jedoch würde gleichzeitig die Werbung um rund die Hälfte reduziert. Damit würde das SRG-Paket 216 Franken pro Jahr kosten.

Variante 3: Diese sieht vor, dass pro Sprachregion jeweils ein Sender weiterhin frei zugänglich wäre. Um den Sender zu finanzieren, würde mehr Werbung gezeigt. Diese Variante scheine angesichts der Entwicklungen im TV-Werbemarkt eher unrealistisch, sollte aber trotzdem geprüft werden, schreiben die Initianten.

Variante 4: Die letzte Variante schliesslich stellt eine Mischform aus der ersten und der dritten dar. In der Deutschschweiz würde das ganze SRG-Angebot 168 Franken pro Jahr kosten, in den anderen zwei Sprachregionen ohne SRF zwei 96 Franken.

Beim Radio setzen die Initianten auf Werbung, Online soll durch Werbung und Paywalls für gewisse Angebote finanziert werden. Der Onlinebereich sei ein Wachstumsmarkt, heisst es im Konzept.

Gelder von Bund und Kantonen

Hinzu kämen öffentliche Gelder für die SRG – obwohl im Initiativtext steht: «Der Bund subventioniert keine Radio- und Fernsehstationen.» Die Initianten schlagen vor, dass Bund und Kanton zwischen 50 und 300 Millionen Franken beisteuern.

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Damit sollten Einnahmen von insgesamt 550 Millionen Franken und mehr möglich sein, schreiben die Initianten. Das sei zwar 45 bis 65 Prozent weniger als die SRG heute einnehme, aber immer noch sehr viel. Die SRG wäre nicht mehr der grösste Medienplayer der Schweiz, aber noch der mit Abstand grösste Anbieter für audiovisuelle Medien.

Genug Zeit zur Umsetzung

Klar sei, dass die SRG gegenüber heute massiv sparen und das Programmangebot umbauen müsste, heisst es im Dokument. Das sei keineswegs eine einfache Aufgabe für das Management.

Die SRG habe jedoch genug Zeit zur Umsetzung, denn die gesetzliche Gebührenpflicht bliebe trotz Verfassungsänderung bis zum Inkrafttreten einer Ausführungsgesetzgebung gültig. In diesem Punkt berufen sich die Initianten auf die Ausführungen eines ehemaligen Bundesgerichtskorrespondenten.

«Hervorragende Journalisten»

Ein langfristiges Überleben der SRG garantierten diese Vorschläge zwar nicht, räumen die Initianten ein. Aber die SRG könne überleben. Sie habe gute Voraussetzungen dafür. Sie sei das grösste Medienunternehmen der Schweiz und verfüge über ein grosses Reservoir an «bekannten und hervorragenden Journalisten», welches seinesgleichen suche.

Eine Annahme der No-Billag-Initiative bedrohe die SRG zwar «essentiell», räumen die Initianten ein. Die Aussage der SRG-Spitze, bei einer Annahme bleibe nur eine geordnete Liquidation, sei aber «arg übertrieben».

Drei Viertel über Empfangsgebühren

Über die Initiative zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren wird am 4. März abgestimmt. Lanciert wurde das Volksbegehren von Jungfreisinnigen und Mitgliedern der Jungen SVP.

Heute sind die Angebote der SRG zu drei Vierteln über die Empfangsgebühren finanziert. Im vergangenen Jahr brachten die Gebühren insgesamt rund 1,37 Milliarden Franken ein. 1,24 Milliarden Franken gingen an die SRG.

Die Empfangsgebühr beträgt heute 451 Franken. Mit dem Wechsel zur geräteunabhängigen Abgabe sinkt sie ab 2019 für Haushalte auf 365 Franken pro Jahr. Unternehmen zahlen eine nach Umsatz abgestufte Abgabe, die ab einem Umsatz von 500’000 Franken fällig wird. (sda/cbe)


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KOMMENTARE

Nico Herger
26.01.2018 10:22 Uhr
Der Plan B ist doch nicht die Aufgabe der Initianten, sondern der SRG. Gibt es keinen solchen, tant pis. Dann ist halt Lichterlöschen, wie bei jedem andern Unternehmen auch. Das Modell des Staatsfunks ist ohnehin passé.
Ueli Custer
26.01.2018 08:03 Uhr
Ich wundere mich, wie Ruegg Thomas zur Ansicht gelangt, dass genau das, was ihm persönlich im Programm von TV SRF nicht passt, abgeschafft werden kann. Obwohl einzelne Sendungen hohe und sehr hohe Einschaltquoten generieren und andere (wie Schawinski) derart geringe Kosten verursachen, dass die Einsparung schlicht nicht spürbar wären. Ich freue mich auf die Diskussionen, wenn dann alle in der Schweiz die Programme der SRG nach ihren ganz persönlichen Vorlieben und Abneigungen reformieren wollen. Gegen dieses Hauen und Stechen werden die aktuellen Diskussionen dann nur noch ein laues Lüftchen sein.
Ruegg Thomas
26.01.2018 00:39 Uhr
Was die Initianten da aufzählen, ist schlussendlich ein «Chnorz». Nein, ich will nicht, dass die Schweiz das einzige Land der Welt ist, das keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat. Ja! Bei der SRG muss man über die Bücher gehen und sparen, Sendungen wie «Glanz&Gloria» oder «Schwawinski» oder die Kilchsperger- und Epiney-Shows kann man streichen. Diesen Sendungen wird niemand nachtrauern. Beim Radio darf man ruhig etwas mehr «diversity» verbreiten, das ist Service-Public. Die Radio von SRF, RTS und RTSI stehen auch nicht so in der Kritik, die machen einen top Job. Hoffentlich bleiben die Spartenradios! Aber «Schwawinski» kann man liquidieren. Alles in allem: Nein zu No-Billag, das wäre eine sehr grosse Dummheit. Aber ja zu Reformen, weniger Show und Quatsch, mehr Hochwertiges und noch mehr Qualität! "10 vor 10" und Rundschau sind top! Ich stimme NEIN zu No-Billag. Bin ja nicht blöd!
Ueli Custerm
25.01.2018 18:21 Uhr
Ein weiterer Plan B wie Bullshit, der nicht aufgeht. Warum, hat Matthias Zehnder hier analysiert: https://www.matthiaszehnder.ch/medium/endlich-ehrlichkeit-der-initianten-nobillagnosrg/#comment-3190
Lex Ambühl
25.01.2018 16:58 Uhr
Die dauernd neuen Vorschläge der Initianten und des Gewebeverbandes zeigen schön und deutlich auf, dass die No-Billag-Initianten keine Lösung anbieten können!
Luki Frieden
25.01.2018 16:48 Uhr
Es will und will und will einfach nicht so richtig aufgehen, liebe Initianten und lieber Gewerbeverband. 219.- pro Jahr für 1 Deutschschweizer Sender SRF (RTS1 und RSI1 schaue ich fast ). nie). Im Netz soll ich nochmals Geld ausgeben, weil eine Paywall die SRF Inhalte abschirmt. Und auf dem Radiosender (oder werden es mehrere sein?) läuft dann auch neu Radiowerbung. Die SRG nimmt also den Privaten hier Werbung weg. Das wolltet ihr doch verhindern, nicht? Wenn ich jetzt noch Sport möchte, fehlt SRF2. Das muss ich mir bei Teleclub oder MySports einkaufen. Kostet dann nochmals mindestens 480.- / Jahr. Leider aber ohne Curling, Handball, Schwingen, Kunstturnen, Skicross, Halfpipe, etc.). Jetzt rechnen wir mal: 219.- für SRF1 (Infos), SRF Web (sagen wir mal 50.-/Jahr), Teleclub Sport 480.-) = 749.- / Da habe ich glaub lieber das viel grössere Angebot von heute für nicht mal die Hälfte, nämlich 365.- (ab 2019).
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