11.04.2013

dapd

Insolvente Nachrichtenagentur stellt Betrieb ein

"Katastrophe für Redakteure und freie Journalisten".
dapd: Insolvente Nachrichtenagentur stellt Betrieb ein

Die insolvente deutsche Nachrichtenagentur dapd gibt auf. Die Belieferung der Kunden mit Meldungen werde eingestellt, teilte Insolvenzverwalterin Petra Hilgers am Donnerstag mit.

Der Deutsche Journalisten-Verband nannte die Entscheidung der Insolvenzverwalterin eine "Katastrophe für die Redakteure und freien Journalistinnen und Journalisten". "Die Belieferung der Kunden mit Nachrichten wird heute um 17.00 Uhr eingestellt. Die derzeit noch beschäftigten 175 festen Mitarbeiter erhalten für April 2013 Insolvenzgeld," sagt Hilgers weiter. Die Beschäftigten wurden zuvor bei einer Mitarbeiterversammlung am Nachmittag in Berlin darüber informiert. Die Suche nach neuen Investoren war erfolglos geblieben. 
 
"Nachdem zuvor bereits mehrere Verhandlungspartner abgesprungen waren, hat auch die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti als letzter aussichtsreicher Gesprächspartner am 9. April 2013 die Gespräche abgebrochen", hiess es in der Mitteilung weiter.Die Zustimmung der Gesellschafter habe nicht vorgelegen, und es sei kein Risikokapital zur Verfügung gestellt worden, "um die derzeit entstehenden Verluste in der Agentur bei Weiterführung des Betriebs aufzufangen". Sollte kurzfristig doch noch eine Zusage kommen, werde Hilgers die Chance zur Sanierung nutzen. Jeder abgelaufene Tag minimiere jedoch die Sanierungsaussichten.
 
Die dapd Nachrichtenagentur Beteiligungs GmbH hatte am 1. März nach nur einem Monat Tätigkeit beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg erneut Insolvenzantrag gestellt. Zuvor hatte dapd bereits im Oktober 2012 für mehrere Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Die Eigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke hatten der Agentur nach einem Expansionskurs überraschend die Finanzierung entzogen.
 
Bedauern in der Medienbranche

In der Medienbranche wurde das Aus für die zweitgrösste deutsche Nachrichtenagentur mit Bedauern aufgenommen. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken, nannte die Entscheidung der Insolvenzverwalterin eine "Katastrophe für die Redakteure und freien Journalistinnen und Journalisten von dapd". Die Agenturszene in Deutschland werde mit dem Ende von dapd ärmer: "Das ist ein Schaden für die Medienvielfalt in unserem Land."
 
Die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) in der Gewerkschaft verdi, Cornelia Hass, sprach von einer "Folge verantwortungslosen betriebswirtschaftlichen Handelns". Übereinstimmend forderten DJV und dju andere Agenturen auf, bisherige dapd-Redaktoren aufzunehmen. Zudem warfen sie den früheren dapd-Eigentümern Peter Löw und Martin Vorderwülbecke einen "Kamikaze-Kurs" vor, "der schliesslich zum Totalschaden geführt hat". Sie hätten versucht, "den Agenturmarkt mit Dumpingangeboten aufzumischen, dann vor der persönlichen Bruchlandung das Weite gesucht und die Beschäftigten ihrem 
Schicksal überlassen". (sda)


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