Auf seinem Fernsehkanal SRF info zeigte das Schweizer Fernsehen im Sommer 2024 die Fussballspiele Bodø Glimt gegen Roter Stern Belgrad und Schottland gegen Finnland. Diese hätten aber nicht auf diesem Kanal übertragen werden dürfen. Das ergab ein Aufsichtsverfahren des Bundesamts für Kommunikation gegen die SRG. Beide Sportereignisse erfüllten das Kriterium der «nationalen Bedeutung» nicht, das für Liveübertragungen auf SRF info vorausgesetzt wird. Das berichten die Zeitungen von CH Media.
SRF info wurde 2001 gegründet, um Informationssendungen zu wiederholen, die zuvor auf SRF 1 und SRF 2 liefen. Liveübertragungen sind nur ausnahmsweise für Ereignisse von nationaler Bedeutung erlaubt, wie parlamentarische Debatten, WEF-Vorträge oder relevante Sportveranstaltungen.
Faktisch ein dritter regulärer TV-Kanal
Private Medienunternehmen kritisieren, dass SRF info zu viel Sport zeigt und damit faktisch als dritter regulärer Fernsehkanal fungiert, was den Marktanteil der SRG erhöht. Das Bakom bestätigte nun diese Kritik teilweise: Eine Auflistung ergab 100 Livesendungen in nur drei Monaten (Juni bis August 2024) – mehr als eine pro Tag.
Von zehn näher untersuchten Sportübertragungen beurteilte das Bakom acht als konform, darunter Handballspiele zwischen Schweizer Teams sowie Motorrad- und Formel-1-Qualifikationen. Die SRG beruft sich auf unklare Definitionen und ihre «Programmautonomie» bei der Beurteilung nationaler Bedeutung.
Trotz Verstoss keine Konzessionsverletzung
Trotz der festgestellten Regelverstösse sieht das Bakom keine Konzessionsverletzung im Gesamtbild und verzichtet auf Konsequenzen. Der Verband der Schweizer Regionalfernsehen Telesuisse kritisiert diese Nachsicht scharf: Während Regionalsender streng kontrolliert würden, werde die SRG «mit Samthandschuhen angefasst», wird André Moesch, Präsident Telesuisse, zitiert.
Das Bakom verweist auf besondere Umstände im Sommer 2024 mit Fussball-EM, Olympischen Spielen und Paralympics, die zu einer «Häufung der Liveberichterstattung» geführt hätten. SRF info diente dabei als «Überlaufgefäss» für diverse Sportübertragungen. (nil)

