Die Frage nach dem richtigen Umgang mit China im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen spaltet die Medienwelt. Wie sich in einer Diskussionsrunde im Zuge des European Newspaper Congress am Dienstag in Wien zeigte, sind die Herangehensweisen der einzelnen Redaktionen und Medienleute durchaus unterschiedlich. Einig ist man sich lediglich in dem Punkt, dass die Aufmerksamkeit, die derzeit auf China gerichtet ist, auch nach dem Sommer aufrecht erhalten werden soll.
Herbe Kritik übten die Diskussionsteilnehmer am Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Peter Rothenbühler, Chefredakteur von "Le Matin", bezeichnete das IOC gar als undemokratische, leicht korrupte Organisation. Auch Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen, klagte über das Fehlverhalten des Komitees.
Während Menschrechtsorganisationen vor allem den moralischen Zugang zu der Problematik China und Olympia 2008 herausstrichen, näherte sich Rothenbühler dem Thema auf pragmatischem Wege und warnte davor, politische Themen an Sportler abzugeben. Elmar Oberhauser, verantwortlich für die Übertragung der Spiele beim ORF, wiederum vertrat die Meinung, Peking hätte erst gar nicht als Austragungsort gewählt werden dürfen.
"Es ist reine Heuchelei, nun zu versuchen, symbolische Gesten zu setzen. In Wirklichkeit geht es weder um Menschrechte noch um den Sport - es geht ums Geld", erklärte Oberhauser. Er geht davon aus, dass das Interesse an China, dem Tibetkonflikt und anderen Problemen der Region nach Olympia sehr bald wieder nachlassen wird. Rothenbühler sieht hinter den Spielen die Chance, nun endlich ausgiebig über China berichten zu können, nicht nur auf sportlicher Ebene.
Dass Olympia 2008 an Peking vergeben wurde, ist seiner Meinung nach kein Fehler. "China ist derzeit die spannendste Weltmacht. Würde man streng nach menschenrechtlichen Kriterien vorgehen, dürfte man die Spiele fast nirgendwo hin mehr vergeben, auch in die USA nicht", so die Ansicht des Schweizer Chefredakteurs. (pte)

