27.05.2013

Zürcher Journalistenpreis

Iwan Städler, Rico Czerwinski und Susi Stühlinger räumen ab

Preise für herausragende Beiträge und Gesamtwerk vergeben.
Zürcher Journalistenpreis: Iwan Städler, Rico Czerwinski und Susi Stühlinger räumen ab

Der Zürcher Journalistenpreis ist mit je 10'000 Franken dotiert. Aus mehr als 170 Einsendungen zeichnete die Jury des Zürcher Journalistenpreises in diesem Jahr drei Beiträge aus, die sich den gesellschaftspolitischen Spannungsfeldern Arm – Reich, Wissenschaft – Politik und Arbeit – Mensch widmeten. Susi Stühlinger ("WOZ") mit der Gemeinschaftsarbeit "Eine Million, bitte. Zum Mitnehmen", Iwan Städler ("Tages-Anzeiger") mit dem Artikel "Leichen im Keller des Professors" und Rico Czerwinski (oben im Bild, "Das Magazin") mit dem Beitrag "Die Anomalie" wurden als preiswürdig bewertet, wie die Stiftung in einer Pressemitteilung vom Montag erklärt. Neben den Kriterien der sprachlichen Qualität, der Rechercheleistung und der Form spielte im Auswahlverfahren auch die Wirkung der Texte im Kontext eine Rolle.

Reichtum, Missstände und Führerstand
Im Beitrag der Schaffhauser Journalistin Stühlinger geht es um eine WOZ-Aktion, bei der die Reichsten im Lande um eine Million Franken gebeten wurden - "zur Umverteilung der Vermögen". Statt mit anwaltschaftlichen Appellen zu langweilen, unterhalte der Beitrag "mit kleinen aber feinen Beobachtungen aus der Welt der Vermögenden und dem Parodieren des wohligen Voyeurismus eines alljährlich wiederkehrenden Bilanz-Ratings", lobte Jury-Mitglied Alain Zucker in seiner Laudatio.

Der Artikel von Städler handelt von Christoph Mörgeli. Er habe den Missstand in einer altehrwürdigen Zürcher Institution ans Licht gebracht, wie die Jury in einer sda-Meldung zitiert wird. Der Tagi-Journalist habe offenbar schon länger gewusst, dass es in Mörgelis Universitätsinstitut gärt. Er hat laut Jury-Präsident Fredi Gsteiger nach Material gesucht und es gesammelt, "bis die Geschichte rund war".
 
Rico Czerwinskis Magazin-Beitrag "Die Anomalie" ist eine Nahaufnahme aus dem Führerstand der Zürcher Verkehrsbetriebe. Gemäss Juror Hansi Voigt wird darin geschildert, "wie absurd es wird, wenn man aus Bewertungsgründen Menschen in ein Schema presst, das in seiner betriebswirtschaftlichen Ausgeklügeltheit zu Willkür - und schlussendlich zu Unfällen führt". 
 
"Hohe Achtung vor dem geschriebenen Wort"
Der Gesamtwerk-Preis zeichnet mit Köbi Gantenbein einen Journalisten, Chefredaktor und Verleger aus, der mit der Architekturzeitschrift "Hochparterre" eine über die Grenzen des Faches beachtete Publikation geschaffen hat und leitet. Sein "Sprachwitz und die pointiert vorgebrachten Meinungen zeugen von hoher Achtung vor dem geschriebenen Wort", wie es in der Mitteilung weiter heisst. Gründe für die Preisvergabe an den Chefredaktor und Verleger der Architekturzeitschrift waren auch, dass er die Redaktion vorbildlich kooperativ und engagiert führe, den Mitgliedern einen (hohen) Einheitslohn zahle und sich persönlich der Nachwuchs-Ausbildung widme.

Preisverleihung im Kaufleuten
An der Feier zur Preisverleihung, die am Mittwoch, 29. Mai 2013, im Kaufleuten Zürich stattfand, hielt Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr der SBB, die Festansprache. Pilloud pflegt als Exponentin des grössten Transportunternehmens des Landes, aber auch als Publizistin und Absolventin der Ringier-Journalistenschule enge Beziehungen zur Medienwelt. Den musikalisch-unterhaltenden Schlusspunkt setzte Leo Wundergut, den die "NZZ" kürzlich als "Gesellschaftstenor" und "Hochdruckplauderer" adelte.

Der Zürcher Journalistenpreis wurde in diesem Jahr zum 33. Mal verliehen. Jeder der vergebenen Preise ist mit 10'000 Franken dotiert. Ausgezeichnet werden jeweils hervorragende und wegweisende Arbeiten und Gesamtwerke, unabhängig davon, ob sie über einen Zeitungs-, Zeitschriften- oder Online-Kanal verbreitet werden. Andrea Masüger, CEO der Südostschweiz Medien und Präsident der Stiftung Zürcher Journalistenpreis ist überzeugt, dass nachdem in diesem Jahr Print-Artikel siegten, im nächsten Jahr auch solche aus dem Online-Bereich Chancen punkten werden. (sda/pd)

Bild: Keystone


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen