Susanne Wille, nach zehn Jahren geben Sie den Moderations-Traumjob in der Schweiz ab. Warum?
Ich sage mir immer, ich habe nur ein Leben. Ich will nicht im Glück verharren. Ich habe in den letzten Jahren so viel Spannendes gemacht, vom Interview mit einer Shirin Ebadi beispielsweise über Auslandsreportagen im Iran bis hin ganze aktuell zu den Sondersendungen zu Ägypten und Libyen. Aber es ist für mich wichtig, immer wieder vorwärtszugehen, auch wenn natürlich noch nicht klar ist, wie sich das genau anfühlen wird.
Warum gerade jetzt?
Zehn ist irgendwie eine magische Zahl. Zudem habe ich nach meinem Geschichtsstudium vor ein paar Monaten noch ein Nachdiplomstudium in nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit angepackt. Da hat der Aufbruch schon begonnen.
Wie fühlen Sie sich nach dieser Entscheidung?
Gut. Veränderung ist das Salz des Vergnügens, sagt schon Friedrich von Schiller. Und der muss es ja wissen.
Was sagt Ihr Mann Franz Fischlin dazu?
Er kennt mich gut, er weiss, dass der Schritt zu mir passt. Und wir gehen durch dick und dünn, egal, was kommt.
Wird Ihnen das Rampenlicht hinter der Kamera nicht fehlen? Oder sind Sie gerade froh, nicht mehr immer im Mittelpunkt zu stehen?
Mir war kein Tag langweilig. Weil ich es liebe, mit einem engagierten Team am Puls der Zeit arbeiten zu können. Als Moderatorin war mir das Rampenlicht weniger wichtig als die Lust an der Sendung, an den Inhalten.
Sie gehen zurück zu Ihren Wurzeln. Angefangen haben Sie ja als Videojournalistin bei TeleM1. Was reizt Sie am Reporterjob?
Alles. Ich habe ja schon während meiner Zeit als Moderatorin immer wieder als Reporterin gearbeitet. Jetzt verlege ich mein Herzblut einfach nach Bern und setze somit im Bundeshaus einfach zusätzlich einen politischen Schwerpunkt. Als Reporterin ist man viel unterwegs und erhält Einblick in verschiedenste Welten. Das gefällt mir.
Glauben Sie, dass Ihre Bekanntheit Ihnen bei Ihrer neuen Aufgabe als Reporterin helfen wird, da Sie jedermann bereits kennt?
Darüber mache ich mir keine Gedanken. Wenn ich als Reporterin unterwegs bin, konzentriere ich mich auf mein Gegenüber und auf die guten Bilder.
Ihr Profi-Tipp an Ihre Nachfolgerin?
Jeder Tag im Nachrichtengeschäft ist ein Abenteuer. Das muss man lieben. Dann kommt der Rest von selbst. Und ein Sugarboost mit einem Stück Schokolade zehn Minuten vor der Sendung schadet nie.
Interview: Corinne Bauer.

