Die Journalisten in Tunesien haben am Dienstag mit einem landesweiten Streik gegen ihre Gängelung durch die von den Islamisten geführte Regierung protestiert. Mehr als 90 Prozent ihrer Mitglieder seien dem Streikaufruf gefolgt, teilte die einflussreiche Journalisten-Gewerkschaft SNJT mit.
Vor ihrem Sitz in Tunis demonstrierten etwa 250 Menschen aus Solidarität mit den Streikenden. Auslöser des Proteste war die Festnahme des Journalisten Zied el-Heni wegen Kritik an der Staatsanwaltschaft. Hintergrund ist ein Eierwurf auf Kulturminister Mehdi Mabrouk Mitte August. El-Heni hatte den Staatsanwalt Tarek Chkioua Ende August in einer Fernsehsendung beschuldigt, Beweise gegen den Kameramann Mourad Meherzi gefälscht zu haben, der die Szene gefilmt hatte und als mutmasslicher Komplize des eigentlichen Eierwerfers und Filmemachers Nasreddine Shili beschuldigt wird.
Der Kameramann Meherzi ist inzwischen gegen Kaution wieder auf freiem Fuss. Gegen ihn wird aber weiter ermittelt. Shili hatte ihn vor Gericht entlastet. Auch El-Heni wurde am Montag gegen Zahlung einer Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen.
Der von der islamistischen Ennahda-Partei geführten tunesischen Regierung wird immer wieder vorgeworfen, gegen das Recht auf freie Meinungsäusserung und die Freiheit der Medien zu verstossen. Zum bisher einzigen Mal hatte die tunesische Journalisten-Gewerkschaft im Oktober 2012 zu einem Generalstreik aufgerufen, um gegen die Gängelung durch die Regierung zu protestieren. (sda/afp)

