Das Smartphone ist in den Händen der jugendlichen Schweizer angekommen und prägt ihre Mediennutzung massgeblich. Die Digital-Adoleszenten machen zwar gerne Sport und treffen sich mit Freunden, noch lieber nutzen sie aber Handy, Internet und ihre MP3-Player. Sie schätzen es, verschiedene Geräte und Funktionen gleichzeitig zu nutzen: Beim Gamen und Bücherlesen kommen sie mit dem medialen Multitasking aber noch nicht klar. Dies und mehr ist aus der James-Studie 2012 von ZHAW und Swisscom zu lesen.
Swisscom und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften präsentierten nach 2010 die Zwischenergebnisse der zweiten James-Studie. Die Studie untersucht den Umgang mit Medien von Schweizer Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren. Für die Studie wurden 1000 Jugendliche in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz befragt, ihre Aussagen statistisch erfasst und ausgewertet. Persoenlich.com war am 24. Oktober in Basel an der Präsentation der Studie durch den verantwortlichen Studienleiter Professor Daniel Süss vor Ort. Die Ergebnisse:
Etablierung des Smartphones prägt Mediennutzung
79 Prozent der Jugendlichen verfügen über ein Smartphone, vor zwei Jahren waren es erst 32 Prozent. Im Vergleich zur James-Studie von 2010 zeichnen sich durch das Umsatteln der Jugendlichen von Featerphones auf Smartphones die grössten Veränderungen in der Medien-Nutzung ab. Die Nutzung internetbasierter Handy-Funktionen und solcher zur Unterhaltung haben signifikant zugenommen. Der grösste Unterschied zu 2010 zeigt sich im Internetsurfen: Damals gaben 16 Prozent an, per Handy im Internet zu surfen, zwei Jahre später sind es 66 Prozent. Die Email-Nutzung per Handy vervierfacht sich nahezu auf 38 Prozent und auch Handyspielen wird mit 46 Prozent gegenüber 19 Prozent in der Vorgängerstudie deutlich populärer.
Die Funktionen Telefonie (91 Prozent) und SMS-Nutzung (79 Prozent) bleiben auf hohem Level stabil und nach wie vor klar die Hauptfunktionen der Handys. Bei den Kategorien zu den Lieblingshandy-Apps der Jugendlichen fungieren "Kommunikation", "Soziale Netzwerke" und "Spiele" als bevorzugte Tummelplätze der Jugendlichen.
Jugendliche frönen dem medialen Multitasking
Neben der gestiegenen Bedeutung der Smartphones, ist die gleichzeitige Nutzung verschiedener Medien auffällig. Beinahe die Hälfte der Jugendlichen gibt an, dass sie regelmässig im Internet surft und gleichzeitig den Fernseher benützt. 59 Prozent geben an, sie würden während dem Fernsehkonsum auch telefonieren und SMS schreiben. Laut Süss ist das mediale Multitasking bei den Jugendlichen besonders ausgeprägt, wenn die Hauptbeschäftiung "Musik hören" oder "Internet-Surfen" ist. Aber auch während dem Fernsehen, Versenden von SMS oder dem Telefonieren bewirtschaften Jugendliche verbreitet weitere Kanäle. Anders verhält es sich mit Gamen und Lesen, da ist das Multitasking unwahrscheinlich und führt offenbar zu Überforderung.
Laut Süss seien diese Beschäftigungen nicht dazu geeignet, parallel weitere Tätigkeiten basierend auf anderen Medien auszuführen. Die Studie nimmt keine Wertung des medialen Multitaskings vor. Manfred Spitzers Zuspitzung des medialen Multitaskings im Begriff der "digitalen Demenz" von Jugendlichen findet Süss "etwas problematisch". Er meint lediglich: "Medien-Multitasking sollte reflektiert werden."
Nonmediale Aktivitäten finden selten in der Kirche statt
Gemäss der Studie beschäftigen sich die Schweizer Jugendlichen nach wie vor auch nonmedial. Die drei Hauptbeschäftigungsfelder während der medialen Abstinenz sind Freunde treffen (79 Prozent), Sport treiben (63 Prozent) sowie "Ausruhen und nichts tun" (59 Prozent). Am Ende der aufgeführten Rubriken fungieren institutionalisierte religiöse Aktivitäten (4 Prozent) und der Besuch von Sportanlässen (2 Prozent). Im Freizeitverhalten der Jugendlichen haben sich im Vergleich zur Vorgänger-Studie keine erheblichen Veränderungen ergeben.
Lieblingsbeschäftigung ist Handynutzung
Geht es allerdings um die Lieblingsbeschäftigungen von Jugendlichen in ihrer Freizeit unter Mitberücksichtigung von Medien, so sieht die Hierarchie wieder ganz anders aus: Auf Platz 1 steht "Handy nutzen", gefolgt von "Internet nutzen", "MP3 hören" und gleichauf auf Platz 4 Fernsehen und Freunde treffen. Kommen die Medien ins Spiel müssen die Freunde also offenbar hintanstehen. Was "Blick am Abend" und "20 Minuten" freuen dürfte: "Gratiszeitung lesen" figuriert auf Platz 9 der Lieblingsbeschäftigungen. "Bezahlzeitungen lesen" hingegen figuriert nicht auf der Liste der Lieblingsaktivitäten von Schweizer Jugendlichen in deren Freizeit.
Die Studie gibt auch Auskunft über die Ausstattung der Jugendlichen mit Zeitungen und Zeitschriften. 17 Prozent der weiblichen Teilnehmerinnen sind Abonnentinnen einer Zeitschrift, 6 Prozent haben persönlich eine Tageszeitung abonniert. Von den männlichen Teilnehmern sind gerade mal die Hälfte, sprich 3 Prozent, Abonnenten einer Tageszeitung und mit 15 Prozent sind sie ebenfalls seltener Abonnenten einer Zeitschrift. 70 Prozent der Jugendlichen haben zuhause Zugriff auf eine Tageszeitung. Gedruckte Zeitungen werden von den Jugendlichen nach wie vor intensiver genutzt als Onlineformate. Die Hierarchie ist wie folgt: Die Jugendlichen nutzen am meisten gedruckte Gratiszeitungen, gedruckte Abo-Zeitungen kommen allerdings nach wie vor vor Online-Zeitungen.
Mediale Aufrüstung mit technischen Gerätschaften
Was die mediale Ausstattung der Jugendlichen anbelangt, kann wenig überraschend festgestellt werden, dass diese bestimmt nicht unterversorgt sind, sondern im Gegenteil ein medial aufgerüstetes Leben führen. Zumindest was die technischen Geräte anbelangt: 95 Prozent verfügen über ein Handy, 81 Prozent über einen MP3-Player/iPod, 76.5 Prozent über einen eigenen Labtop oder Computer. 56.5 Prozent der Jugendlichen haben einen eigenen, privaten Internetzugang, allerdings wachsen 97 Prozent der Jugendlichen in einem Haushalt auf, in dem sie Zugang zu Internet haben. Die männlichen Teilnehmer der Studie verfügen durchschnittlich über deutlich mehr technische Gerätschaften.
Signifikant sind die Geschlechter-Unterschiede in der persönlichen Ausstattung mit Fernsehgerät und Digital TV: 39 Prozent der weiblichen Teilnehmer verfügen über ein Fernsehgerät, gegenüber 17 Prozent der männlichen Teilnehmer. Ähnlich stehen die Verhältnisse in der Kategorie "Digital TV": 14 Prozent der Mädchen verfügen über Digital TV, gegenüber 8 Prozent der Knaben.
Wie Süss erklärt, bleibt die durchschnittliche Surfzeit der Adoleszenten an einem Wochentag im Vergleich zur Vorgängerstudie praktisch unverändert auf 2.08 Stunden pro Tag. Die Streuung bei den Studienteilnehmern sei allerdings breit. Am Wochenende nimmt die durchschnittliche Zeit, die im Internet verbracht wird, circa um eine Stunde zu, auch hier hat sich im Vergleich zur letzten Studie nichts verändert.
Im Mitmach-Netz herrscht Passivität
Das "Mitmach-Netz" wird gemäss Süss kaum aktiv genutzt; unter den Jugendlichen sind Blog-Schreiber oder Exponenten, die sich etwa aktiv auf Foren einbringen, eine marginale Minderheit. Das aktive Beitragsleisten konzentriert sich einzig in den Social Networks. 82 Prozent der Jugendlichen sind Mitglied mindestens eines Social Networks, 75 Prozent dieser Jugendlichen bewegen sich auf Facebook, alle weiteren Social-Media-Plattformen werden hingegen deutlich weniger genutzt. Auf Platz 2 folgt Twitter, lediglich mit 12 Prozent. Auf Facebook würden die männlichen Studienteilnehmer mehr "Facts and Figures" über sich preisgeben, während die weiblichen Teilnehmer mit der Veröffentlichung von Bildmaterial offensiver seien, so Süss. Beinahe 50 Prozent der Jugendlichen verfügen auf Facebook über mehr als 300 Freunde. Als wichtigste Funktionen auf der Social-Media-Plattform erweisen sich der Chat, die Observierung anderer Profile und das Versenden von Nachrichten.
Privatsphäre-Optionen gewinnen an Bedeutung
84 Prozent der Jugendlichen haben die Privatsphäre-Optionen aktiviert, das sind 30 Prozent mehr als in der Vorgängerstudie. Süss wertet dies als positive Entwicklung. Wie Süss generell feststellt, nimmt in der Gruppe der 12- bis 19-Jährigen die Bedeutung zeitversetzter Kommunikation mit steigendem Alter zu. Aktivitäten auf Chats nimmt mit steigendem Alter ab, Email-Verkehr hingegen zu. Dies scheint vor allem dem Umstand geschuldet zu sein, dass die Verfügbarkeit der Jugendlichen durch ihre Inanspruchname infolge Werkstätigkeit mit steigendem Alter abnimmt.
Gemäss der Studie sind die Phänomene Gewalt, Pornografie verhältnismässig marginal. Etwa auch im Bereich Cyber-Mobbing ist keine signifikante Zunahme zu verzeichnen. Beide Phänomene betreffen aber hauptsächlich die männlichen Jugendlichen, einzig beim sogenannten Sexting, dem Versenden eigenen sexuell konnotierten Bildmaterials, partizipieren beide Geschlechter mit je sechs Prozent zu gleichen Teilen.
Text: Benedict Neff

