57,7 Prozent der Bevölkerung halten öffentliche Medien wie die SRG für gesellschaftlich wichtig, 16,6 Prozent für unwichtig. Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich befragte dazu vom 18. bis 24. Juni online 1493 Personen zwischen 18 und 79 Jahren in der Deutschschweiz, der Romandie und der italienischen Schweiz.
Die Studie liefert Grundlagen für die neue SRG-Konzession, die 2029 in Kraft treten soll. Der Bundesrat will den Onlineauftritt stärker auf Audio und Video ausrichten. SRG und Verlegerverband haben sich in einer Grundsatzvereinbarung darauf verständigt, dass sich die SRG online stärker auf audiovisuelle Inhalte beschränkt und ihr Angebot auf Social Media reduziert (persoenlich.com berichtete). Reine Textbeiträge ohne Sendungsbezug sind bei News, Sport und Regionalem schon heute grundsätzlich auf 1000 Zeichen beschränkt.
Zu den fünf Programmsparten Information, Kultur, Bildung, Sport und Unterhaltung erwartet die Bevölkerung auch künftig ein breites Angebot. Am wichtigsten ist den Befragten die Information (76,5 Prozent), gefolgt von Sport (52,3 Prozent) und Bildung (51,8 Prozent). Etwas weniger, aber ebenfalls mehrheitlich befürwortet werden Kultur (46,8 Prozent) und Unterhaltung (44,5 Prozent). Beim aktuellen Angebotsumfang zeigt sich zudem, dass die Bevölkerung in allen fünf Sparten mehrheitlich zufrieden ist: Rund die Hälfte der Befragten hält das jeweilige Angebot für «genau richtig». Am deutlichsten weichen die Einschätzungen bei Bildung und Sport ab: Bei der Bildung wünschen sich 34,4 Prozent mehr Engagement der SRG, beim Sport sagen umgekehrt 33,8 Prozent, das Angebot sei zu umfangreich. Auch bei der Unterhaltung gehen die Meinungen auseinander – 23,2 Prozent finden sie zu umfangreich, 25,9 Prozent zu gering. Die Studienautoren halten dazu fest: «Öffentliche Medien stehen damit vor der grossen Herausforderung, im Gesamtprogramm Angebote für alle vorzusehen – sowohl für die breite Bevölkerung als auch für einzelne Bevölkerungsgruppen.»
Bei den Verbreitungskanälen setzt die Bevölkerung klar auf die eigenen Kanäle der SRG. 69,6 Prozent finden es wichtig, dass die SRG künftig im Fernsehen präsent ist, 47,0 Prozent nennen die eigenen Websites und Apps. Für eine Präsenz auf externen Plattformen wie Social Media sprechen sich 35,0 Prozent aus, für Audiostreamingplattformen wie Spotify 24,3 Prozent.
Nicht ob, sondern wie
Hinter den Durchschnittswerten verbirgt sich ein Generationengraben. Von den 18- bis 24-Jährigen wollen 69,9 Prozent die SRG auf Social Media sehen, bei den Befragten ab 55 Jahren sind es 23,8 Prozent. «Die Frage ist deshalb nicht, ob die SRG SSR auf externen Plattformen präsent sein soll, sondern wie diese Präsenz ausgestaltet wird, damit sie u. a. auch die bedeutsame Gruppe junger Menschen erreichen kann», schreiben die Autoren der Studie.
Ähnlich sieht es bei den Texten aus. Insgesamt halten 35,0 Prozent kurze und 33,0 Prozent längere Textbeiträge auf SRG-Websites und -Apps für wichtig, etwas mehr als Audiobeiträge und Podcasts (30,0 Prozent). Bei den Jüngsten liegt die Zustimmung für beide Textformen bei je 53,0 Prozent, für kurze Videos auf Social Media bei 61,4 Prozent. «Onlinetexte sind für jüngere Befragte also kein Randformat, sondern ein relevanter Zugang zum Service public», so die Studie. Die Forschenden folgern daraus, dass ein Rückzug von Drittplattformen vor allem die Jungen treffen würde. «Insgesamt sprechen die Befunde gegen pauschale Vorgaben zu einzelnen Onlineformaten und vielmehr für technologieneutrale Regelungen.»
Überwiegend positiv beurteilen die Befragten die Ausgewogenheit. Medienminister Albert Rösti hatte diese am Abstimmungssonntag zur Halbierungsinitiative als Thema für die neue Konzession genannt – obschon der Begriff, wie die Studie festhält, weder in der aktuellen Konzession noch im Radio- und Fernsehgesetz so festgehalten ist. 44,6 Prozent finden, die SRG lasse unterschiedliche politische Meinungen ausgewogen zu Wort kommen, 20,0 Prozent verneinen dies. Auch unter politisch rechts Stehenden überwiegen die positiven Urteile, mit 40,1 gegenüber 26,9 Prozent. «Die Befunde sprechen also gegen die Annahme, die Bevölkerung nehme in diesem Bereich gravierende Defizite wahr», so die Studie. (nil)

