Wie das deutsche "Handelsblatt" berichtet, ist der firmeninterne Putsch gegen Jörg Kachelmann fehlgeschlagen. Der Metereologe hält das Zepter seiner Wetterfirma Meteomedia wieder fest in der Hand. Verwaltungsrat und Mitgesellschafter Frank B. Werner hat sein Amt niedergelegt. Das bestätigte der Medienunternehmer am Montag gegenüber dem "Handelsblatt". Der Münchener Verleger ("Euro am Sonntag") hält 34 Prozent an der Kachelmanns Appenzeller Unternehmen.
Werner gilt firmenintern als der schärfste Kritiker Kachelmanns. Durch die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den ehemals so populären TV-Wetterfrosch sah der Mitgesellschafter vor allem die Geschäfte mit Kunden aus der Medienbranche gefährdet. Er plädierte daher für eine klare Trennung zwischen der Person Kachelmann und Meteomedia. "Ich halte es für eine Frage der Hygiene, dass sich jemand nach solchen Vorwürfen zurückzieht", sagte Werner. Nach dem verlorenen Machtkampf hat er nun sein Amt als Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung niedergelegt.
Kachelmann hält 49 Prozent von Meteomedia. Die Firma zählt rund 100 Beschäftigte bei einem Jahresumsatz von 20 Millionen Franken. Die Umsatzrendite soll nach Angaben aus Gesellschafterkreisen im zweistelligen Bereich liegen. Meteomedia wurde 1990 von Kachelmann gegründet.
Ursprünglich strebte Werner eine Neuordnung von Meteomedia an. Firmeninsider erwarteten eigentlich, dass sich Kachelmann beruflich in seine Zweitheimat Kanada zurückzieht. Doch Kachelmann denkt gar nicht an einen Rücktritt, auch wenn er derzeit laut Meteomedia keinen direkten Kontakt zu den Kunden hat. Stattdessen kämpft der Meteorologe mit allen Kräften um seinen Ruf. Dafür gibt der frühere ARD-Moderator viel Geld aus.
Kachelmann wird von dem Kölner Rechtsanwalt Reinhard Birkenstock und dem Medienrechtler Ralf Höcker vertreten. Hinzu kommen noch zwei Anwälte in Zürich. Die Rede ist von Anwaltskosten in Höhe von mehreren 100'000 Euro. Kachelmanns Rechtsvertreter überziehen derzeit die deutschsprachigen Medien mit einstweiligen Verfügungen. So erwirkte er entsprechende Rechtstitel gegen das Magazin "Focus" sowie gegen "Blick" und "Tagesanzeiger". Wie die Zeitung "Sonntag" berichtete, dürften Kachelmanns SMS-Nachrichten mit einer angeblichen Geliebten und Schilderungen von sexuellen Erlebnissen nicht mehr verbreitet werden.
Auch den Medienkonzern Axel Springer hat Kachelmann ins Visier genommen. Der Wetterfrosch sieht seine Persönlichkeitsrechte durch "Bild" verletzt und fordert nach Konzernangaben insgesamt über zwei Millionen Euro Entschädigung. Axel Springer weist alle Forderungen zurück.
Derzeit zahlt Kachelmann seine hohen Anwaltskosten selbst. Die Firma habe er noch nicht um ein Darlehen gebeten, hiess es in Gesellschafterkreisen. Die grundsätzliche Bereitschaft dafür besteht aber. "Wenn er einen Kredit von der Firma will, brauchen wir entsprechende Sicherheiten wie zum Beispiel Liegenschaften", hiess es laut "Handelsblatt" aus Meteomedia-Kreisen.
Der Moderator ist nach wie vor populär. Sollte Kachelmann freigesprochen werden, will ihn die grosse Mehrheit der Zuschauer wieder auf dem Bildschirm sehen, schreibt das "Handelsblatt" weiter. Laut einer Umfrage der "Bild am Sonntag" plädieren 73 Prozent der Befragten für eine Rückkehr des Schweizers zur ARD.

