Die Basler Regierung verlangt "rasch Transparenz" über die Eigentumsverhältnisse bei der "Basler Zeitung". Medien seien für die Meinungsbildung in der Demokratie wichtig, begründete sie am Montag ihre Forderung. Auch die Druckerei sei weiterzuführen. Die Kantonsverfassung verpflichte die Regierung, die Unabhängigkeit und Vielfalt der Information zu unterstützen. Medien bildeten die Meinungsvielfalt ab und ermöglichten der Bevölkerung, sich eine eigene, unabhängige Meinung zu bilden. Dies sei bei der "BaZ" "nur möglich mit einer raschen Offenlegung der Eigentumsverhältnisse".
Die Medienberichte der letzten Wochen (persoenlich.com berichtete) haben nun die Regierung veranlasst, Offenlegung einzufordern, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Zwar bestehe kein Rechtsanspruch, doch es gehe um eine medienpolitische Frage: Das Wissen um die Eigentümer erlaube der Leserschaft Informationen im Blatt einzuordnen. Der Presserat hatte bereits im September Transparenz zum "BaZ"-Eigentum gefordert.
Seit Tagen waren weder Moritz Suter als "BaZ"-Verleger noch Christoph Blocher als kolportierter Geldgeber und Einflussnehmer bereit, auf Anfrage Stellung zu nehmen. Auch beim Unternehmen Basler Zeitung Medien (BZM) wusste die Sprecherin am Montagmorgen nichts Neues. Blocher selber ist auf seiner Homepage Blocher-TV.ch im O-Ton zu vernehmen, wo er sagt, finanziell sei er nicht beteiligt, aber: "Ich habe Einfluss bei der 'Basler Zeitung', das ist ja klar." (persoenlich.com berichtete) Dass er mit "BaZ"-Chefredaktor Markus Somm persönlich befreundet ist, ist derweil bestens bekannt.
Der "Tages-Anzeiger" hatte am Donnerstag von Geheimverträgen berichtet, mit denen Blocher die "BaZ" finanziere: Als Strohmann für ein 70-Millionen-Darlehnen fungiere Ex-UBS-Chef Marcel Ospel, und Blocher könne alle Aktien von Suter zurückkaufen. Am Samstag schrieb der "Tages-Anzeiger" dann, Vertragspartner sei nicht Blocher selbst, sondern seine Tochter Rahel.
Mehrfacher Handwechsel
Die BZM steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Im Mai hatte sie einen Konzernverlust von 2,2 Millionen Franken für das vergangene Geschäftsjahr ausgewiesen; 20,9 Millionen waren es im Vorjahr gewesen. Stellen waren abgebaut worden. Die teuer erneuerte Druckerei war nicht voll ausgelastet; Abschreiber belasteten die Rechnung. Nach Jahrzehnten im Besitz der Basler Verlegerfamilie Hagemann war die BZM im Februar 2010 vom Tessiner Financier Tito Tettamanti und vom Anwalt Martin Wagner übernommen worden (persoenlich.com berichtete). Nach einem Wirbel um ein Beratungsmandat von Blochers Robinvest ging das Unternehmen im November 2010 an den Crossair-Gründer Moritz Suter über. Damals wurde Suter als Alleinaktionär bekannt gegeben (persoenlich.com berichtete).
Die Diskussionen um die BZM-Besitzverhältnisse halten indes an. Für Moritz Suter ist die Situation aber klar, wie er in seinem ersten Geschäftsbericht festhielt: Die Mittel für die BZM-Holding stammten aus seinem privaten Vermögen. Er habe ein Unternehmen mit Schulden von weit über 100 Millionen Franken gekauft, sagt Suter weiter. (sda)

