20.11.2007

Ringier

Kein Verständnis für "Cash"-Persiflage

Medienhaus droht NGO mit rechtlichen Schritten.

Das Verlagshaus Ringier droht der entwicklungspolitischen Organisation "Erklärung von Bern" (EvB) mit rechtlichen Schritten. In den falschen Hals geriet den Medienmanagern an der Dufourstrasse eine Broschüre mit dem Titel "Crash", welche der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung WoZ beigelegt ist. Sie erinnert sie in der Aufmachung offenbar so sehr an die fast gleichnamige, im Sommer eingestellte Wirtschaftszeitung, dass Ringiers Hausjuristen der EvB eine Markenrechtsverletzung vorwerfen. Bis am Montag müssen die Aktivisten den Anwälten bestätigen, dass sie auf die weitere Verwendung von "Crash" verzichten. Tun sie dies nicht, droht Ringier, den Rechtsweg einzuschlagen.

"Wir verstehen 'Crash' als einmalige Hommage an die frühere Wirtschaftszeitung 'Cash'", sagt Oliver Classen, Mediensprecher der EvB, auf Anfrage von "persoenlich.com". Schliesslich habe sich "Cash" selbst als kritische Sympathisantin des Kapitalismus bezeichnet und vor allem im makroökonomischen Bereich zu den spannenderen Wirtschaftszeitungen der Schweiz gehört. Dass Ringier sich nun als ironiefreie Zone offenbare, überrascht die EvB laut Classen.

Ringier-Sprecher Marco Castellaneta bestätigt auf Anfrage von "persoenlich.com", dass Ringier der EvB brieflich mitgeteilt hat, die Bezeichnung "Crash" nicht mehr zu gebrauchen, da sie mit "Cash" verwechselbar sei. Die Verwendung, wie es die "Erklärung von Bern" tue, hält der Ringier-Sprecher markenrechtlich wegen der grossen Ähnlichkeit der Gestaltung und der Verwendung für eine gleichartige Ware für widerrechtlich.

Die EvB weiss, dass sie sich mit der Publikation der "Crash"-Beilage markenrechtlich auf die Äste herausgelassen hat. Dass Ringier der EvB diese Toleranzgrenze nicht einräumt, enttäuscht die NGO trotzdem. "Es stärkt die Marke 'Cash' doch, dass wir uns spielerisch mit ihr auseinandersetzen", argumentiert Classen. Gegen das linksliberale Medienhaus Ringier zu Felde zu ziehen, widerstrebt ihm und seinen Mitstreitern. Anderen, weiter rechts positionierte Verlagen, würden die Aktivisten mit mehr Streitlust begegnen. Wie die EVB auf die Drohung Ringiers reagiert, ist derzeit laut Classen noch in Diskussion. (dvp)

Sorgt für rote Köpfe: Die Beilage "Crash".


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