06.04.2004

"Klaus Kappeler, wann werden endlich die Radiobeteiligungen verkauft?"

Goldbach Media schreibt drei Jahre nach der Gründung des Unternehmens erstmals schwarz. Als Grund werden eine "Refokussierung" sowie die "Trennung von kostenintensiven Produktionsbereichen" genannt. Ist der kleine Gewinn aber mehr als gewitzte Buchführung? Wird ein IPO wieder zum Thema? Und wann trennt sich der Vermarkter von seinen Radiobeteiligungen? "persoenlich.com" hat mit Goldbach Media-CEO Klaus Kappeler (Bild) gesprochen. Das Interview:
"Klaus Kappeler, wann werden endlich die Radiobeteiligungen verkauft?"

46'000 Franken Gewinn -- damit haben Sie den Break-Even nur knapp geschafft. Zumal Sie im vergangenen Jahr Kapitalreserven von 8 Mio. Fr. abgebaut haben.

Zuerst möchte ich sagen, dass das Resultat im Vergleich zum Vorjahresverlust von 17 Mio. Franken hervorragend ist. Die Reserven haben wir nicht aufgelöst, um auf Biegen und Brechen schwarz zu schreiben, sondern um Schulden zurückzubezahlen. Zudem sind auch die Debitoren auf 4.4 Mio. Fr. gewachsen. Im Budget waren übrigens 42'000 Franken Gewinn vorgesehen -- unser Verwaltungsrat nannte das vorliegende Ergebnis denn auch "eine perfekte Ziellandung". Wären uns im vierten Quartal nicht noch Aufträge von plötzlich sparenden multinationalen Firmen in der Höhe von 10 Mio. Franken weggebrochen, hätten wir gar ein Traumresultat.

Mit einem Traumresultat rechnen Sie wohl für dieses Jahr.

Ja, wir rechnen mit einem guten Resultat.

Wieviel Gewinn ist budgetiert?

Wir erwarten einen hohen einstelligen Millionen-Ebit. Mehr sagen wir nicht, obwohl wir für ein nicht kotiertes Unternehmen sonst ja ausserordentlich breit kommunizieren.

NOCH nicht kotiert? Ist der Börsengang ein Thema?

Im Moment nicht, erst wollen wir weiter unsere Hausaufgaben machen und ein gutes Resultat erreichen. Ob wir dann wieder darüber reden, kann ich nicht sagen. Für die nächsten ein bis zwei Jahre ist das aber kein Thema.

Sie haben aufgeräumt im "Gemischtwarenladen" Goldbach Media. Als einziger Content-Produzent bleibt Energy Zürich. Wollte, wie böse Zungen vermuten, NRJ einfach keine 100 Prozent übernehmen?

Ich bin froh, gibt es böse Zungen, da bleibt man im Gespräch; so lange man Neider hat, ist alles gut. -- Spass bei Seite: Wir haben uns in der Tat auf die Vermarktung refokussiert. Der Energy-Vorläufer Radio Z ist aber der Ursprung unseres ganzen Unternehmens, den möchten wir nicht aufgeben. Daher wollten wir die Mehrheit behalten. Ausserdem ist uns wichtig, das wir im Grossraum Zürich noch ein Medium haben. Denn sonst gibt es bald nur noch einen Grossverlag, der regional etwas zu sagen hat.

Nostalgie und Medienpolitik -- Sie behalten Energy Zürich also aus emotionalen Gründen?

Wir möchten nicht, dass es in Zürich nur ein Radio gibt. Radio Z wurde damals als zweite Stimme gegründet, und daran wollen wir festhalten.

Energy Zürich könnte das Monopol auch unter einem anderen Besitzer verhindern, dazu braucht es die Goldbach nicht...

Wir wollen an unserem Ursprung festhalten.

Wie steht es diesbezüglich mit Ihren Minderheitsbeteiligungen an den Radios Ri und Central?

Die wurden aus Sympathie und in einer Notlage getätigt. Es könnte aber gut sein, dass wir die Sender einmal zurückgeben.

Wie sieht der Zeithorizont aus, bestehen schon konkrete Pläne? Laufen gar Gespräche?

Nein, es gibt weder Pläne noch Gespräche über einen Verkauf unserer Beteiligungen an den beiden Radios. Entsprechend kann ich auch nichts über einen Zeithorizont sagen. Sicherlich würden wir diese Beteiligungen eher als jene an Energy veräussern.

Wenn wir den Markt ansehen, so ist der Kuchen beim Fernsehen und im Online verteilt, und in Print will Goldbach nicht einsteigen. Wo sehen Sie Wachstumschancen?

Erstens sind wir schon jetzt gegenüber Vorjahr in all unseren Geschäftsbereichen gewachsen, insgesamt um 21 Prozent. Dieses Wachstum wird vor allem von Radio (26 Prozent Zunahme) und Online (70 Prozent) getragen, Fernsehen expandierte um 15 Prozent. 2004 wollen wir weiter in allen Segmenten wachsen, im Radiobereich sollte eine Zunahme von 30 bis 40 Prozent drinliegen. Bei den AdScreens, welche Werbebotschaften an den P.O.S. bringen, erwarte ich bis 2006 10 Millionen Umsatz.

Zudem starten wir im Laufe des Jahres mit der neuen Unit "Mobile", gegenwärtig werden dazu Strategie und Business-Plan festgelegt. Der Bereich umfasst mehr als nur SMS-Voting: Alle elektronischen Devices, die man auf sich trägt, sollen erreicht werden. So lassen sich Werbefilme beispielsweise auf digitale Agenden streamen. Ziel der Goldbach Media ist die Verknüpfung und Vernetzung aller elektronischen Medien, und da gehört Mobile auch dazu.

Ein wichtiger Punkt ist, dass Print in den letzten Jahren ein paar Hundert Millionen Franken verloren hat. Ich glaube, dass weniger als die Hälfte davon zum Print zurückkehren wird. Der Rest geht vor allem in die elektronischen Medien, wo im europäischen Vergleich bekanntlich ein grosser Nachholbedarf besteht.

Bei den AdScreens sind Sie nicht der einzige Player. Wie sind da die Marktanteile verteilt?

Das kann ich noch nicht sagen, wir haben dieses Geschäftsfeld erst im vergangenen Herbst eröffnet. Die Aufteilung des Marktes werden wir in ein bis zwei Jahren sehen, zumal Cinecom ihre Umsätze nicht publiziert. Wir versuchen aber, bis Ende Jahr eine Marktübersicht darzustellen.

In der Online-Vermarktung haben wir eine Konsolidierungswelle erlebt. Erwarten Sie das auch beim Radio?

Goldbach hat ein Ziel: Wir wollen in allen elektronischen Medien Marktleader sein. Das gilt auch für das Radio, und wir sind hier auf gutem Weg.

Was bedeutet das? Könnten Sie sich auch Übernahmen vorstellen?

Übernahmen sind keine vorgesehen. Wir sind stark genug, um unsere Ziele selber zu erreichen.


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