26.02.2020

Fördergelder DAB+

Kleinst-Radiobetreiber kritisiert das Bakom

Country Radio Switzerland verabschiedet sich per Ende Jahr von der Verbreitung via DAB+. Grund sind die Fördergelder, die ab 2020 sukzessive gesenkt werden. «Das ist der Tod von DAB+», sagt Geschäftsführer David Bolli. Zu kämpfen haben aber auch grosse Sender.
Fördergelder DAB+: Kleinst-Radiobetreiber kritisiert das Bakom
«Bevor das Bakom die Subventionen aussprach, waren nur wenige Sender auf DAB+ zu empfangen», so David Bolli, Geschäftsführer von Country Radio Switzerland. (Bild: zVg.)
von Christian Beck

«Es war ein Schock, wir waren nicht informiert worden, weder vom Bakom, noch von unserem DAB+Anbieter», so David Bolli, Geschäftsführer von Country Radio Switzerland, gegenüber persoenlich.com. «Jetzt ist es Realität, die Subventionen fallen schrittweise weg.» Tatsächlich: Lag der Anteil der Subventionen bislang noch bei 80 Prozent, sind es 2020 nur noch 50 Prozent – und die Förderanteile sinken weiter, wie diese Grafik zeigt.

Techförderung Beiträge 2020 - 2022 D F I JPEG


«Mit den Subventionen haben sie uns geködert. Ohne Vorwarnung wurden diese nun per 2020 von bisher 80 Prozent auf 50 Prozent reduziert», ärgert sich Bolli. Ganz so ohne Vorwarnung geschah dies jedoch nicht. «Bereits 2017 wurden die Radioverbände informiert, dass dieser Anteil ab 2020 reduziert wird», so Francis Meier, Sprecher beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Damals ging das Bakom davon aus, dass der Abbau für UKW-konzessionierte Veranstalter in jährlichen 20-Prozent-Schritten erfolgen soll und für Meldepflichtige (reine DAB- sowie Web- und Kabelprogramme) in 33-Prozent-Schritten. «Anfangs 2019 stellten die Radioverbände das Gesuch, den Abbau für alle Veranstalter in gleichen Prozentschritten zu vollziehen», so Meier.

Da es sich bei den Technologiefördergeldern um eine vom Bundesrat fix festgelegte Summe handle, hätten jedoch die Gelder über die Jahre neu verteilt werden müssen. «Zudem mussten seit der Erstberechnung 2018 wegen der Konzessionierung neuer DAB+-Plattformen zusätzliche Kosten berücksichtigt werden.» Die neuen Förderanteile seien den Radioverbänden am 14. Juni 2019 im Rahmen einer Informationsveranstaltung zur DAB+-Kampagne im Bakom mitgeteilt worden. Offiziell veröffentlicht wurden sie anlässlich des Swiss Radio Day im August 2019 in Zürich. «Wie genau das zeitlich ablief, kann ich nicht beurteilen, wir sind in keinem Radioverband», so Bolli von Country Radio Switzerland.

«Kam nicht überraschend»

Nicht alle kleinen Radiobetreiber sind auf dem falschen Fuss erwischt worden. «Die Reduktion der Technologie-Fördergelder des Bundes kam für uns nicht überraschend», sagt André Sidler, Mitgründer von James FM, auf Anfrage von persoenlich.com. «Wir wurden vom Bakom im Sommer 2019 transparent über die schrittweise Anpassung der Förderbeiträge über die nächsten drei Jahre informiert.» Im Businessplan von James FM seien die Investitionen und DAB-Verbreitung so geplant worden, dass ein Sendebetrieb auch nach einem Wegfall der Fördergelder im Jahr 2023 kostendeckend möglich sei. «Wir haben uns bewusst nur für DAB-Verbreitungsgebiete entschieden, die wir uns langfristig aus eigener Kraft leisten können.»

Auch bei Gross-Radiobetreiberin CH Media (Radio 24, Argovia, Pilatus, FM1 und weitere) ist der schnellere Rückgang der Technologieförderung bereits in die Planung eingeflossen. «Logischerweise sind wir darüber nicht erfreut. Gerade in dieser Übergangsphase von UKW zu DAB+ ist der höhere Rückgang der Förderung belastend für die Sender, da der Rückbau vom UKW-Netz weitere Kosten verursacht», sagt Florian Wanner, Leiter Radio bei CH Media. «Daher wäre eine Anschlusslösung für die Technologieförderung ab 2023 durch das Bakom für die Radiobetreiber begrüssenswert.»

Abschied von DAB+

Country Radio Switzerland wird bis dann längstens nicht mehr auf DAB+ zu hören sein. «Wir verabschieden uns per Ende 2020 von der DAB+-Verbreitung. Das können wir uns nicht leisten», so Bolli. Der Sender müsse für die DAB+-Verbreitung statt heute 8000 Franken neu rund 20'000 Franken bezahlen. «Wir müssen jeden Franken selber ‹verdienen› – durch Werbung, Sponsoring und über Spenden. Wir sind seit Dezember 2008 auf Sendung, und Gelder zu finden wird immer schwieriger. Die Zuhörerzahlen sind toll, doch gibt es nur wenige, die auch bereit sind dafür was zu bezahlen», sagt der Radiomann.

Dennoch will Bolli nicht aufgeben. «Wenn wir diese ‹Chrotte› von mehr als 12'000 Franken Mehrkosten für 2020 überwinden, wird es Country Radio Switzerland wieder über die bisherigen und bewährten Kanäle geben, unterwegs über die ‹CRS Mobile›-App und zu Hause über Kabel. Es wird uns nicht vernichten. Zusammen mit unseren ehrenamtlichen Moderatoreninnen und Moderatoren kämpfen wir weiter», sagt der leidenschaftliche Radiomacher.

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Viele Schweizer haben sich in den letzten Jahren ein DAB+-Radio gekauft. Eine vielfältige Radiolandschaft lockte zum Wechsel. Nun ist der Country-Fan Bolli überzeugt: «Das ist für die Schweiz, nebst anderen EU-Länder, der Untergang vom hochgepriesenen DAB+. Es wird für die meisten, nicht subventionierten Radios unbezahlbar.» Oder wie er es im Mail-Betreff kurz zusammenfasste: «DAB+ ist tot.»



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Kommentare

  • Pierre Rothschild, 27.02.2020 09:55 Uhr
    Augen zu und durch. DAB+ ist eine politisch-veraltete Sendeform. Die Fans hören im Internet - und bald so auch in den Autos. Siehe Tesla.
Kommentarfunktion wurde geschlossen

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