13.01.2013

SRF

Kritik von linken Politikern

Direktor Rudolf Matter wehrt sich.

Kritik am öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehen äusserten jahrzehntelang fast ausschliesslich rechtsbürgerliche Vereinigungen wie der berüchtigte "Hofer-Club" oder die "Aktion Medienfreiheit" von Ex-TV-Chefredaktor und FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger. Jetzt sieht sich SRF erstmals auch mit massiver Kritik von links konfrontiert, wie die Zeitung "Der Sonntag" schreibt.

"Die Reduit-Schweiz ist bei SRF überrepräsentiert, die urbane Schweiz findet praktisch nur im Kulturplatz statt. Mit dieser Einseitigkeit verletzt SRF den Bildungs- und Kulturauftrag", sagt SP-Ständerätin Anita Fetz. "Die SRF-Verantwortlichen vergessen, dass 75 Prozent der Gebührengelder aus den urbanen Zentren kommen. Die Akzeptanz für die geplante Ausdehnung der Gebührenpflicht auf Haushalte ohne TV-Gerät ist in den Städten nicht gegeben, wenn das Programm derart einseitig ausgerichtet ist."

Von einem "total langweiligen, profillosen Programm" spricht SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer: "Zu viel Glanz und Gloria, zu wenig kantige politische Diskurse, zu viele oberflächliche und zu wenig hintergründige Recherchen". Kritik, die auch von Fetz geteilt wird: "Das oberflächliche Abfilmen des politischen Betriebs ist keine Leistung. Das gut gebildete, politisch interessierte Publikum wird von SRF zu wenig berücksichtigt". Fetz weiter: "Dank Gebühren muss SRF für den Werbemarkt nicht Quoten bolzen. Der Spielraum ist grösser als bei privaten Medien. Diese Chance nutzt SRF zu wenig. Hier hätte ich von der neuen Leitung mehr Akzente erwartet".

SRF-Direktor Rudolf Matter kontert die Kritik: "SRF hat 2012 im Rahmen von 'SRF bi de Lüt' mit Live-Sendungen und Dokutaiment-Formaten aus dem urbanen Umfeld Akzente gesetzt". Zum Vorwurf fehlender Recherchen sagt er: "Mit 10vor10, Kassensturz, Eco und der Rundschau verfügen wir über Sendungen, die stark auf Recherchen setzen. Mitte 2011 haben wir zudem beschlossen, in Tagesschau und 10vor10 Vertiefung und Analysen zu stärken."

Dafür wolle man 2013 mehr Ressourcen freimachen: "Im Unterschied zu vielen Print- und Online-Medien ist es uns möglich, Ressourcen für Recherchen zur Verfügung zu stellen. Diesen Vorteil wollen wir stärker ausspielen." TV-Chefredaktor Diego Yanez, dem auch aufgefallen ist, "dass aus dem linken Lager die Kritik zugenommen hat", weist die Kritik ebenfalls zurück: "Wir werden heute aus allen Lagern kritisiert. Ich bewerte das so, dass wir ausgewogen arbeiten". Anders schätzt die Lage FDP-Nationalrat Leutenegger ein, wie er dem "Sonntag" sagt: "Politische Sendungen haben nicht nur Zuschauer, sondern auch Substanz und Relevanz verloren. Offenbar irritiert das jetzt auch linke Politiker. Dass SRF im linken Spektrum mit Kritik zu kämpfen hat, muss für die SRF-Führung in Kombination mit schwindenden Marktanteilen ein Alarmzeichen sein. Ohne linke Unterstützung wird es für die SRG ungemütlich." (Der Sonntag)


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