18.07.2021

SRF

Kulturradio reduziert sein Angebot

Einstündige Kultur-Radiosendungen werden künftig durch halbstündige Podcasts ersetzt, die für Plattformen von internationalen Techgiganten optimiert werden, wie die SonntagsZeitung schreibt.
SRF: Kulturradio reduziert sein Angebot
SRF baut sein Kulturradio um. (Bild: Keystone/Patrick Straub)

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) halbiert sein Angebot beim Kulturradio. Einstündige Kultur-Radiosendungen sollen künftig durch halbstündige Podcasts ersetzt werden. Dies zeigt ein internes Konzeptpapier, das der SonntagsZeitung vorliegt.

Die Hintergrundsendung «Kontext», die täglich auf Radio SRF 2 Kultur über verschiedene Themen berichtet, sowie die einstündige Sendung «52 beste Bücher» sollen ab August von 30-minütigen Podcasts abgelöst werden. Sie werden für Plattformen von Streamingdiensten wie Spotify und Apple optimiert. Laufen sollen die Podcasts auch im Kulturradio von SRF.

Die Reduktion von «Kontext» ist bereits der zweite grosse Eingriff ins Kulturprogramm des Schweizer Radios und Fernsehens, wie die SonntagsZeitung weiter schreibt. Bezüglich «52 beste Bücher» war bereits im Oktober 2020 angekündigt worden, dass die Sendung nicht weitergeführt wird. Gegen das Aus wehrten sich Schweizer Autorinnen und Autoren und erhielten eine Antwort der SRF-Direktorin Nathalie Wappler (persoenlich.com berichtete).

Geht die Unabhängigkeit verloren?

Mit der Umstellung auf Podcast-Produktion und der Orientierung auf Drittplattformen drohe die Gefahr, dass SRF seine Unabhängigkeit verliere, heisst es im Artikel. «Nicht nur Google, auch andere Plattformen wie Spotify oder Instagram werden von Algorithmen bestimmt, die jederzeit verändert werden können.»

SRF hingegen sieht die Gefahr des Unabhängigkeitsverlusts nicht. Die publizistische Verantwortung für die Inhalte bleibe bei SRF, die Techunternehmen dürften mit den Angeboten keine Werbung machen, nimmt René Schell, Stabsleiter Kultur von SRF, gegenüber der SonntagsZeitung Stellung.

Grund sind Sparmassnahmen

Hintergrund dieses radikalen Umbaus sind die Sparmassnahmen, die SRF aufgrund wegbrechender Werbeeinnahmen vornehmen musste. Der Sender hatte angekündigt, bis 2022 insgesamt 16 Millionen Franken zu sparen (persoenlich.com berichtete). Zugleich will SRF ins Digitale investieren, um mehr junges Publikum zu erreichen, das kaum mehr lineares Fernsehen oder Radio konsumiert.

Mit der Halbierung des Angebots und einem Sparauftrag von 20 Prozent bei «Kontext» muss SRF Kultur im Vergleich zu anderen Abteilungen bisher übermässig viel sparen – und sich komplett neu ausrichten. Einstündige Sendungen würden nicht mehr in den Tagesablauf passen, sagt SRF – auch nicht bei Kulturinteressierten. (sda/lom)



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Kommentare

  • Bruno De Bona, 19.07.2021 09:06 Uhr
    Einige der überflüssigen Direktor(Sternchen)innen-Posten abschaffen und schon stünde Geld für Kultursendungen zur Verfügung. Für was bezahlt man eigentlich frühmorgens auf SRF 1 zwei (!) Moderator(Sternchen)innen, die sich über den Sender gegenseitig bespassen?
  • Victor Brunner, 18.07.2021 12:50 Uhr
    Nathalie Wappler und ihre Crew hält es mit den römischen Imperatoren, demVolk Brot und Spiele geben, dann schalten sie das Hirn aus! Also mehr Sport, mehr Belanglosigkeiten, dafürKultur abbauen.
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