Das Dschungelcamp auf RTL ist das Fernsehereignis schlechthin. Momentan schauen Millionen allabendlich, wie sich abgehalfterte Stars durch den australischen Dschungel kämpfen. Auch hier in der Schweiz. Liegt es nur an Micaelas nackter Brust? TV-Legende Kurt Felix analysiert gegenüber persoenlich.com das Phänomen der wohl erfolgreichsten Trash-Sendung überhaupt.
Herr Felix, indiskret gefragt, schauen Sie das Dschungelcamp?
Die meisten Leute führen bei dieser Frage Eiertänze auf, um nicht zugeben zu müssen, dass sie sich das Dschungelcamp anschauen. Das sind ja auch dieselben, die die "Schweizer Illustrierte" nur beim Coiffeur lesen, sich sonst nur gute Bücher zu Gemüte führen und sich niemals mit platter Fernsehunterhaltung abgeben. Was mich anbelangt: Ich schaue das Dschungelcamp - nicht jeden Tag, aber gegen das Ende der Serie hin immer öfter.

Was fasziniert Sie an der Sendung?
Nun gut, ich gehe dieses Format von einer ganz anderen Seite her an als der Normalzuschauer. Mich interessiert die televisionäre Machart. Vom Inhalt her ist diese Show bewusst widerlich, bizarr und eklig. Darüber machen sich die gallengeifernden Glotzgendarmen nur allzu gerne her. Auch ein wahres Maden-Kakerlaken-Fressen für die selbsternannten Geschmacksverordner. Was mich fasziniert ist, wie die Sendung produziert wird. Das ist eine fernsehtechnische und strategische Höchstleistung. Perfektes Live-Fernsehen aus dem australischen Regenwald, an dem ein 250-köpfiges Team beteiligt ist, vom Koch über die Autoren bis zu den Kabelträgern. Aussergewöhnlich, ja fast schon abartig die beiden Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach. Beide sind raffiniert, meisterhafte Zyniker und kabarettistische Selbstironiker. Das habe ich genau so vor vier Jahren im "Sonntagsblick" geschrieben, als das Dschungelcamp zum ersten Mal ausgestrahlt wurde.

Ja, Sie haben sich bereits bei der ersten Folge als Fan der Serie geoutet und viel Prügel bekommen...
Das war zu erwarten. Aber ich habe von Anbeginn gespürt, dass da was ganz Neues auf uns zukommt. Nicht einfach zum Abnicken, sondern zum Untersuchen. In Deutschland haben prominente linke und grüne Politiker und der volkserzieherische Zweckverband sofort ein Verbot des Dschungelcamps gefordert. Jetzt, wo die Quoten fast schon überirdisch sind, haben sich die Kakerlaken-Kritiker in Deckung gegeben. Sie wollen ja auch von den Fernsehzuschauern wieder gewählt werden.
Was interessiert Sie besonders am Dschungelcamp?
Ekelprüfungen brauche ich mir nicht anzusehen. Immer dasselbe. Sehr aufschlussreich ist aber, was in diesem unwirtlichen Regenwald zwischen den Bewohnern so alles abläuft. Wie sich die einzelnen Typen nach und nach und unerbittlich herausschälen. Dies geschieht in der Regel nach 5 Tagen, wenn es die Leute müde sind, jede Sekunde an die versteckten Kameras zu denken und denen was vorzuspielen. Auf einen Nenner gebracht: Das Dschungelcamp ist ein höchst spannendes, psychologisches Experiment. Deshalb finde ich die Nachklapp-Sendung "Extra" besonders informativ, wenn das Moderatorenpaar Zietlow/Bach über das Camp und die einzelnen Kandidaten spricht und Experten herbeigezogen werden. Da bleibe ich bis um Mitternacht dran und habe in der Tat aus dem riesigen Bereich der Psychologie einiges mitbekommen. Nicht nur theoretisch, sondern am praktischen Beispiel der Dschungelcamp-Komune. Vorgeführt durch eine Welt, die sicher nicht meine ist, aber einfach genial gemacht ist.

Gibt es innerhalb des Formats noch Steigerungsmöglichkeiten?
Hoffentlich nicht. Natürlich wäre dies möglich, aber dann würde es doch sehr pornografisch. Es reicht heute schon, wenn das quotenbringende und deshalb extra engagierte Nacktmodel 24 Stunden lang füdliblutt durch den Sumpf watet. Weitergehen könnte es nur in einem kindergeschützten Bezahlkanal. Wer weiss, was uns die elektronische Zukunft bringt.
Wäre das Camp auch in einer Schweizer Version ein Erfolg?
Ein Erfolg wäre eine Schweizer Version garantiert. Doch die Frage ist rein theoretisch. Das ist für uns viel zu teuer. Das Ganze ist für die geringe Schweizer Zuschauerzahl nicht finanzierbar.

Und wen würden Sie ins Camp schicken?
Den Gesamt-Bundesrat. Dann gäbe es zwar keine Wahl des Bundesrates durch das Volk, sondern eine Abwahl. Das wäre höchst aufchlussreich. Moderiert werden müsste das Bundesrats-Dschungelcamp vom Comedy-Duo Giacobbo/Müller. Oder vom unerschrockenen Markus Gilli von TeleZüri und Patty Boser mit ihrem perfekten Mundwerk. Was für ein TV-Fest! Das wäre der grösste Quotenhammer aller Zeiten und der "Teleboy" würde hierzulande nicht mehr den immerwährenden Spitzenplatz belegen.
Interview: Matthias Ackeret, Bilder: rtl.de

