24.07.2025

Lokalinfo

Küsnachter ist zum letzten Mal erschienen

Der Verlag verliert den Gemeindeauftrag an die Konkurrenz. Die Zeitung ist nach 40 Jahren am Ende.

Nach 40 Jahren ist Schluss: Die letzte Ausgabe der Gratiszeitung Küsnachter erschien am Donnerstag. Ab August übernimmt der Küsnachter Bote der Zolliker Bote AG als neues amtliches Publikationsorgan, berichtet der Tages-Anzeiger.

In der letzten Ausgabe bedankt sich die Redaktion bei «unseren Leserinnen und Lesern und unseren Inserentinnen und Inserenten» sowie bei Vertretern aus «Kirchen, Parteien oder Vereinen». Der Verlag habe «schweren Herzens entschieden, den Küsnachter aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen».


Die Gemeinde würdigt in derselben Ausgabe die «langjährige, engagierte und verlässliche Berichterstattung» und betont: «Auch kritische Stimmen kamen im Küsnachter zu Wort, ein Zeichen für eine lebendige und funktionierende Demokratie.»

Konkurrenz unterbietet deutlich

Im Submissionsverfahren im Frühling soll die Lokalinfo AG das Doppelte des bisherigen Betrags von 100'000 Franken verlangt haben. Die Zolliker Bote AG unterbot mit 109'000 Franken und erhielt den Zuschlag.

«Der Küsnachter konnte nicht kostendeckend verlegt werden», erklärt Beat Rechsteiner von der Lokalinfo AG gegenüber dem Tages-Anzeiger. Er verweist auf sinkende Werbeerlöse und steigende Kosten.

Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch die überraschende Freistellung der Redaktionsleiterin Anfang Jahr. Wenige Wochen zuvor hatte sich Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) bei einem Treffen über die Berichterstattung beschwert.

Ein der Tages-Anzeiger vorliegendes internes Mail dokumentiert das angespannte Verhältnis: Rechsteiner schreibt von einem «zerrütteten» Verhältnis zur Redaktion. Die Gemeinde habe den Eindruck, die Redaktion schreibe «systematisch gegen die Gemeinde». Sowohl Gemeinde als auch Verlag bestreiten eine Einflussnahme auf Personalentscheide.

Die fünf anderen Lokalblätter der Lokalinfo AG seien nicht gefährdet, versichert Rechsteiner. (cbe)


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KOMMENTARE

Andi Volkart
28.07.2025 01:00 Uhr
Warum berichtet das Schweizer Fernsehen nicht darüber oder die anderen Branchenkollegen? Wissen die, dass es eine unabhängige, Werbefinanzierte Presse- und Medienlandschaft gar nicht gibt?
Sam Loew
25.07.2025 09:53 Uhr
Es ist ein Vorgang, der in jeder funktionierenden Demokratie einen Sturm auslösen müsste: Ein Gemeindepräsident beschwert sich beim Verleger über eine ihm zu kritische Lokalzeitung – und der Verlagschef reagiert mit dem sofortigen Rausschmiss der verdienten Chefredaktorin. Der Beweis? Er liegt schriftlich vor. Verlagsmann Beat Rechsteiner hat die Aussagen von GP Markus Ernst eins zu eins übernommen. Dass dieser Vorgang in den nationalen Medien kaum Widerhall findet, ist nicht nur bezeichnend. Es ist beschämend. Wenn Verleger beginnen, sich der Exekutive anzudienen, wenn kritische Stimmen durch loyale Ersatzleute getauscht werden, dann ist das nicht nur ein Verrat an der Pressefreiheit, sondern ein Angriff auf den öffentlichen Raum selbst. Der Vorgang erinnert fatal an Praktiken, wie man sie in autoritär regierten Staaten kennt: Politische Einflussnahme, wirtschaftlicher Druck, personelle Säuberung. Bloss spielt sich das Ganze nicht in Russland ab – sondern am Zürichsee. Ein Journalismus, der solche Zustände schweigend hinnimmt, verliert seine Glaubwürdigkeit. Und hat es am Ende wohl tatsächlich nicht besser verdient.
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