28.02.2012

"Leid tut es mir für die Kollegen beim Sonntag."

Grosse Überraschung: Sandro Brotz (42) wird neuer Moderator der "Rundschau" auf SF 1 und ersetzt Urs Leuthard, der die Leitung der Redaktion "Tagesschau" übernommen hat. Brotz war schon einmal bei der "Rundschau". Dazwischen hatte er bei zahlreichen anderen Medien gearbeitet. Warum geht er zurück zum Fernsehen? Gegenüber persoenlich.com erklärt er, wie seine Kollegen beim "Sonntag" reagiert haben und was ihn am neuen Job reizt. Zum Interview:
"Leid tut es mir für die Kollegen beim Sonntag."

Herr Brotz, herzliche Gratulation zu Ihrer neuen Tätigkeit als Moderator der Rundschau. Dieser Schritt kam doch sehr überraschend. Was hat Sie bewogen, wieder ins Fernsehen zurückzukehren?

Die Redaktionsleiterin der Rundschau, Jacqueline Schwerzmann, hat mich angefragt, ob ich an einem Casting für die Nachfolge von Urs Leuthard teilnehmen würde. Das habe ich getan und bin daraus - auch zu meiner eigenen Überraschung - als Wunschkandidat hervorgegangen. Dann haben sich für mich zwei Fragen gestellt: Traue ich mir das zu? Und: Will ich das? Beides habe ich für mich mit "Ja" beantwortet und nun freue ich mich sehr, an Bord dieses Flaggschiffes gehen zu können. Leid tut es mir für die Kolleginnen und Kollegen beim "Sonntag". Aber Patrik Müller hat gewohnt souverän reagiert und mir gratuliert.

Sie sind momentan noch stellvertretender Chefredaktor des Sonntags, vorher Redaktionsleiter von Radio 1. Warum ist Fernsehen attraktiver als die andern beiden Medien?

Die "Rundschau", bei der ich in den 90er-Jahren schon einmal war, hat mich als Journalist geprägt und ist ein Aushängeschild des Schweizer Radio und Fernsehens. Wer die Chance hat, diesen Job zu machen, muss es tun - bei allem Respekt, den ich natürlich vor dieser Aufgabe habe. Ich bringe einen guten Rucksack als Journalist mit, doch die Moderation ist eine neue Liga. Da bin ich jetzt auch auf die Unterstützung meiner neuen Kollegen bei SRF angewiesen. Ich freue mich auf die Tipps von Sonja Hasler oder Urs Leuthard.

Sie sagen es, Sie haben unter Hannes Britschgi bereits einmal bei der Rundschau gearbeitet. Welche Erinnerungen haben Sie an jene Zeit?

Hannes Britschgi war ein wichtiger Lehrmeister für mich. Genauso wie Roger Schawinski oder Bernhard Weissberg.

Sie gelten als sehr hartnäckiger Journalist. Wo sehen Sie Verbesserungspotential bei der Rundschau?

Ich war immer ein Fan der "Rundschau", weil es ein Gefäss ist, das in die Tiefe geht, Zusammenhänge erklärt und den Dingen wenn nötig hart, aber fair auf den Grund geht. Das ist auch mein journalistisches Credo. So gesehen glaube ich, dass die Sendung und ich zusammenpassen. Die "Rundschau" ist mit dem "Sonntag" vergleichbar - ein überschaubares Team leistet Woche für Woche tolles Handwerk.

Werden Sie auch redaktionell mitarbeiten?

Klares Ja. Das wollte ich unbedingt und ist hier auch gefragt. Ich muss schon jetzt beim "Sonntag" mindestens einmal in der Woche raus und Storys recherchieren oder Informanten treffen, sonst werde ich nervös...

Wann sieht man Sie erstmals am Bildschirm?

Zuerst werde ich ein internes Schulungsprogramm durchlaufen und dann wird der Zeitpunkt von den Verantwortlichen festgelegt. Ich gehe vom kommenden Sommer aus.

Sie haben wohl bei den meisten Redaktionen der Schweiz gearbeitet und wechseln in der Regel alle zwei Jahre Ihre Arbeitsstelle. Wie lange wollen Sie nun bei der Rundschau bleiben?

Ich habe soeben meine neuen Kollegen getroffen und gleich von mir aus gesagt, dass es nun mit diesem Rhythmus vorbei ist (lacht).

Interview: Matthias Ackeret


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