21.03.2012

"Blick"

Macht die Zeitung nicht für den Presserat

Ralph Grosse-Bley rechtfertigt Fotos verstorbener Kinder.

Die Tatsache, dass "Blick" Fotos der beim Busunglück im Wallis verstorbenen Kinder abgedruckt hat, löste in den vergangenen Tagen wiederum Diskussionen aus, ob Medien solche Bilder überhaupt veröffentlichen dürfen. Der Presseratspräsident bezeichnete diese Praxis als "fragwürdig" und auch die flämische Medienministerin Ingrid Lieten kritisierte die Veröffentlichung von Fotos der Opfer. "Das geht viel zu weit", sagte sie am Freitag (persoenlich.com berichtete).

Eltern haben eingewilligt

Nun äussert sich erstmals der "Blick"-Chefredaktor Ralph Grosse-Bley. Auf medienwoche.ch ist ein kurzes Interview zu lesen, in dem Grosse-Bley erklärt, dass "Blick" – anders als von einigen Kommentatoren erwartet – die Eltern von Emma und Andrea angefragt hat und diese zur Publikation der Bilder eingewilligt hätten. "Wir haben den Vater von Emma getroffen, mit dem Opa von Andrea gesprochen. Beide haben der Veröffentlichung ausdrücklich zugestimmt, uns selbst Fotomaterial zur Verfügung gestellt. Unser Team in Belgien und auch im Newsroom hat ganz hervorragende Arbeit geleistet und sich absolut nichts vorzuwerfen", so Grosse-Bley.

Fotos machen Drama fassbar

Mit den Fotos sei man nicht zu weit gegangen. "Blick" habe der Tragödie ein Gesicht gegeben, sie fassbar gemacht. "Man kann man nicht einfach nur bloss einen Tunnel, einen zerstörten Bus und eine Pannen-Nische zeigen. 22 tote Kinder – das ist keine Zahl, das ist eine Katastrophe. Die Bilder von Menschen, von Betroffenen, machen das Ausmass des Dramas wenigstens ansatzweise fassbar." "Blick" hält also an seinem Vorgehen fest. Grosse-Bley würde die Fotos wieder so prominent bringen: "Wir machen den Blick für unsere Leser, die enorm Anteil nehmen am Schicksal der Opfer. Wir machen die Zeitung nicht für den Presserat und die Medien-Journalisten der Konkurrenz."

Interview vom Mediensprecher geführt

Das auf medienwoche.ch veröffentlichte Interview wurde nicht von einem externen Journalisten geführt, sondern von Ringier Mediensprecher Edi Estermann, der dieses für das Intranet erstellt hatte und später der Medienwoche zur Veröffentlichung anbot. Dabei stellt sich die Frage: Warum konnte Medienwoche-Journalist Nick Lüthi das Interview nicht selber führen? Eine entsprechende Anfrage von persoenlich.com wollten weder Chefredaktor Grosse-Bley noch Mediensprecher Estermann beantworten. (eh)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen