22.06.2012

Big Spick

"Männer sind halt eher Indiandertypen."

Christian Kaiser zum neuen Vätermagazin.

"Spick" feiert seinen 30. Geburtstag und lanciert mit "Big Spick" eine Neuheit auf dem Schweizer Markt: Ein Vätermagazin. Seit dem 21. Juni ist das 80-Seiten starke Magazin für 9.50 Franken am Kiosk erhältlich und kann mit vier Ausgaben jährlich unter www.bigspick.ch abonniert werden. Persoenlich.com hat sich mit Christian Kaiser, Chefredaktor Big Spick, über die Lektürebedürfnisse von Männern und Vätern unterhalten. Das Interview:

Väter arbeiten und verbringen Zeit mit der Familie. Haben Sie einmal Freizeit, so lesen sie die Zeitung, ein Buch, eine Automobil-, Musikzeitschrift oder den Playboy. Warum denken Sie, dass für Männer überhaupt der Bedarf an einem Vätermagazin besteht?

Das scheint mir ein bisschen ein angestaubtes Männerbild zu sein. Laut einer Studie von Pro Familia möchten 90 Prozent der befragten Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, wollen also engagierte Väter sein. Die sind dann sicher auch gern bereit, sich bei der Lektüre eines Vätermagazins inspirieren zu lassen, wie sie ihre Familienzeit lustvoller und erlebnisreicher gestalten können. Statt den Playboy zu lesen.

Warum machen Sie nicht einfach ein Männermagazin, das als ein Aspekt Vaterschaft behandelt? Erfolgreiche Frauenmagazine mit ähnlichem Konzept gibt es ja einige.

Die Geschichte der Männermagazine ist ja ein einziges Debakel. Alle grossen Verlage im deutschsprachigen Raum haben es irgendwann mal versucht, die meisten sind grandios gescheitert. Den Durchschnittsmann, der sich für Designerschuhe, Klamotten, Aktentaschen und Promiklatsch interessiert, den gibt es ja nicht – bei Frauen ist das offenbar etwas einfacher. Je nach Vorliebe vertieft sich der Mann lieber in ein Computer-, Motorsport- oder Politmagazin, da haben Sie schon recht.

Wieso funktionieren Männermagazine nicht?

Männer sind halt eher die Indianertypen, die sich einem bestimmten Stamm zugehörig fühlen: etwa dem der Sportlichen, dem der Technik-Freaks, dem der erfolgreichen Geschäftsleute, dem der Intellektuellen oder dem der Büezer, dem der Alternativen oder der Kultur-Interessierten. Und selbst innerhalb dieser Stämme können noch Welten liegen, im Sinne von: Sage mir, ob und welchen Sport du treibst, welchen Fussballclub du unterstützt oder welche Musik du hörst, und ich sage dir wer, du bist.

Wie bringen Sie denn diese verschiedenen Indianer-Stämme unter einen Hut?

Etwas verbindet fast alle Männer in der Schweiz: Sie sind gern Väter, wenn sie es geworden sind. Sehr sogar! Die gemeinsame Schnittmenge bei einem Vätermagazin dürfte also deutlich grösser sein als bei einem "Men's Health" oder einem "GQ".

Ein klassisches Männermagazin ist "Big Spick" aber gerade nicht.

Ja, es gehört nicht in die Kategorie der Männermagazine – wenn, dann sollte es eher mit den gängigen Elternmagazinen verglichen werden. Und die sind ja vornehmlich von Frauen für Frauen gemacht. Ich kenne jedenfalls keinen Vater, der solche Elternmagazine aufmerksam liest und dazu steht – obwohl die meisten Väter sagen würden, dass ihre Elternschaft für sie ein zentrales Lebensthema darstellt.

Gibt es konkrete Vorbilder für "Big Spick"?

Innovationen entstehen nicht, indem man sich an Vorbildern orientiert, sondern indem man etwas radikal Neues wagt und damit selbst zum Vorbild wird. Meines Wissens gibt es im gesamten deutschsprachigen Raum nichts Vergleichbares – ganz im Gegensatz zum angelsächsischen Raum, wo Vätermagazine eine lange Tradition haben. Wir haben uns aber nicht an diesen Produkten orientiert sondern wollten von Grund auf etwas Neues konzipieren, mit viel Schweizbezug.

Könnte "Big Spick" auch für Nicht-Väter interessant sein?

Ja sicher! Ich denke da an Männer, die sich die Frage der Vaterschaft überlegen, dann aber auch an Grossväter und Göttis, die für ihre Enkel und Göttikinder präsent sein wollen. Und natürlich möchten wir auch alle Mütter ansprechen, die sich wünschen, dass die Väter nicht nur (geistig oder physisch abwesende) Feierabend- und Wochenendpapas sind, sondern sich für die Beziehung zu ihren Kindern ins Zeug legen. Von diesen Müttern gibt es ja zum Glück eine ganze Menge!

Was ist Ihr Themenfokus?

"Big Spick" geht der Frage nach, was Kinder von ihren Vätern brauchen und bietet haufenweise Anregungen, wie man die Zeit mit seinen Kindern, spielerisch, lustvoll und kreativ gestalten kann. "Big Spick" soll auch Antworten darauf geben, wie man seine Rolle als Mann und Vater modern gestalten kann. Da gibt es ja einiges an Orientierungsbedarf, wie unser Interview mit dem Philosophen Dieter Thomä zeigt.

Das Layout von "Big Spick" wirkt etwas infantil. Müsste sich das Heft für Männer vom "Kinder-Spick" nicht mehr emanzipieren?

Infantil? Spielerisch, fröhlich, frisch würde ich sagen; wir haben für das Layout aus der Branche schon viele Komplimente erhalten. Vielleicht ist die Gestaltung streckenweise noch etwas zu verspielt, ich bin auch eher ein Anhänger von ruhigen, unaufdringlichen, aufgeräumten Layouts. Der Trend in der Grafik geht ja aber eher in eine andere Richtung. Die Schwierigkeit bestand darin, ein modernes Layout zu kreieren, das Männer anspricht, ohne das Erbe des "Spick" ganz über Bord zu werfen. Meiner Meinung nach hat die zuständige Agentur dabei einen hervorragenden Job gemacht. Das heisst aber nicht, dass wir nicht an der Verbesserung des Layouts arbeiten werden.

Wer schreibt für "Big Spick"?

Unter den Schreibenden befinden sich einige bekannte Namen: Bänz Friedli ist mit einem Plädoyer für den Job als Hausmann vertreten, Fernsehkoch René Schudel hat eine Kochreportage aus der Eiger-Nordwand beigesteuert, der Bieler Dichter Michael Stauffer mimt den nicht ganz ernst zu nehmenden Beratungsonkel, Franz Hohler hat eine Kurzgeschichte zum Vorlesen beigetragen und gibt Tipps rund ums Vorlesen. Die übrigen Autoren sind ausgewiesene Journalismus-Profis mit Gespür für gute Geschichten: unter anderen Reto Aschwanden, verantwortlicher Redaktor von Surprise oder die Spick-Reporterin und reformiert-Redaktorin Anouk Holthuizen.

Interview: Benedict Neff


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