Obschon der Medienkonzern Tamedia sein kostenpflichtiges Online- Angebot derzeit stark ausbaut, glaubt Geschäftsleiter Martin Kall an die Zukunft der gedruckten Zeitung. "Die Tageszeitung ist kein Pflegefall", sagte er am Dienstag im Interview mit dem "Tages-Anzeiger". Die gedruckte Zeitung bietet gemäss Kall einige Vorteile: die Leserschaft könne sich sehr rasch einen Überblick verschaffen. Und sie könne einen Artikel oder ein Bild jemandem zeigen. "Da ist natürlich viel Gewohnheit dabei", räumte Kall ein. Laut Kall schaffen die Neuen Medien ihre eigenen Gewohnheiten. Aus diesem Grund glaubt der Tamedia-Chef auch daran, dass unterschiedliche Formate noch lange nebeneinander bestehen werden. Die Zeitung werde für viele Heimat bleiben. So wisse man, dass rund 70 Prozent aller Leser nicht digital lesen wollten.
In die neue Online-Ausgabe des "Tages-Anzeiger" habe man viel investiert. Dennoch gingen die Leserzahlen im Printbereich nicht zurück. "Wir erwarten beim "Tages-Anzeiger" schon dieses Jahr wieder einen erfreulichen Gewinn", kündigte Kall an. Noch im letzten Herbst musste das Tamedia-Flaggschiff einen Umsatzrückgang hinnehmen. Das reine Newsportal im Internet werde gratis bleiben. Noch wisse man allerdings nicht, wie das Zusammenspiel zwischen bezahltem und kostenlosem Angebot funkioniere. "Da müssen wir experimentieren", sagte der 50-jährige Vorsitzende der Tamedia-Unternehmsleitung, der auch dem Präsidium des internationalen Verlegerverbandes WAN-Ifra angehört. (sda)

