Der Jean Frey-Coup vom vergangenen Freitag hat Recherchen und Spekulationen nach sich gezogen. Im Zentrum der Debatten stand unter anderem die Frage, inwiefern Ringier und/oder die Jean Frey AG den Vorvertrag allenfalls nicht erfüllt hätten. Martin Werfeli, der als COO und Projektleiter der geplanten Jean Frey-Integration die Verhandlungen für Ringier führte, hat am Montag auf dem Intranet von Ringier zu den Vorwürfen Stellung genommen. "persoenlich.com" bringt Auszüge:

Der Jean Frey-Coup vom vergangenen Freitag hat Recherchen und Spekulationen nach sich gezogen. Im Zentrum der Debatten stand unter anderem die Frage, inwiefern Ringier und/oder die Jean Frey AG den Vorvertrag allenfalls nicht erfüllt hätten. Martin Werfeli, der als COO und Projektleiter der geplanten Jean Frey-Integration die Verhandlungen für Ringier führte, hat am Montag auf dem Intranet von Ringier zu den Vorwürfen Stellung genommen. "persoenlich.com" bringt Auszüge:
Hat Basel wirklich den Vertrag gebrochen? Herr Hagemann, VR-Präsident der Basler Mediengruppe, hat das abgestritten.
Es liegt eindeutig Vertragsbruch vor. Die Basler Mediengruppe (BM) hatte uns schriftlich im Vorvertrag die Exklusivität für die Kaufverhandlungen bis zum 8. Februar garantiert und sich insbesondere verpflichtet, bis zu diesem Zeitpunkt mit keinem andern Kaufsinteressenten über den Erwerb der Jean Frey AG zu verhandeln. Dieses vertraglich fixierte Versprechen hat sie schon anfangs Januar gebrochen.
Hagemann hat behauptet, Ringier hätte das Gesuch an die Wettbewerbskommission (Weko) früher einreichen müssen; die Verzögerung habe unnötig viel Zeit gekostet.
Unsinn. Im Vorvertrag steht, dass die beiden Unternehmen gleichzeitig mit der Due Diligence und den Verhandlungen über den Hauptvertrag das Wettbewerbsverfahren vorbereiten werden. Dies haben wir getan. Wir hatten das Dossier fertig gestellt - übrigens unter der Federführung eines Anwalts, der auf diesem Gebiet Experte ist. Vor der Einreichung des Gesuches hätten aber noch die Verhandlungen über den definitiven Hauptvertrag abgeschlossen werden müssen. Die Aussage von Herrn Hagemann erfolgte wider besseres Wissen: Die Weko behandelt nämlich erst nach Abschluss des Hauptvertrages die Gesuche; dieser Abschluss war für Mitte Februar geplant. Die Aussage von Hagemann ist also schlicht und einfach falsch.
Ein anderer Vorwurf war, dass Ringier die Verhandlungen verschleppt habe. Richtig?
Auch das ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Die BM konnte uns verschiedene Unterlagen für die Due Diligence nicht rechtzeitig oder zu den vereinbarten Terminen liefern. Dadurch verzögerte sich der Abschluss der Durchleuchtung des Unternehmens Jean Frey AG. Dennoch lagen wir innerhalb des vereinbarten Zeitplans. Übrigens gab es nach Abschluss des Vorvertrages im Dezember gar keine Verhandlungen.
Wie ist das zu verstehen?
Es war vereinbart, nach der Due Diligence die Ergebnisse dieser Prüfung mit der BM zu diskutieren und damit die eigentlichen abschliessenden Vertragsverhandlungen einzuleiten. Der dafür vorgesehen Termin war Montag, der 11. Februar.
Im Tages-Anzeiger bemängeln "Insider", Ringier habe "wegen ein paar lumpigen Millionen" eine einmalige Gelegenheit fahren lassen, den Jean Frey Verlag zu kaufen. Die SonntagsZeitung behauptet, Ringier habe den Preis unter 50 Millionen drücken wollen. Haben wir zu wenig geboten?
Nein. Der ausgehandelte Kaufpreis war fair - auch nach Ansicht der BM, sonst hätte sie ja keinen Vorvertrag unterzeichnet. Nach der Due Diligence hätte man über verschiedene Probleme noch diskutieren müssen, die einen Einfluss auf den definitiven Preis hätten haben können. Dies ist in solchen Fällen das allgemein übliche Vorgehen. Diese Diskussion hatte aber gar noch nicht stattgefunden. Der Vorwurf, wir hätten wegen ein paar Millionen eine grosse Chance verpasst, ist schon deshalb unberechtigt. Zudem haben wir der BM klar signalisiert, dass die aufgetauchten Probleme für uns keine unüberwindbare Hürde darstellen würden. Wegen einer Differenz von ein paar Millionen hätten wir sicher nicht auf den Deal verzichtet.
Ringier hat von "ein paar grösseren Problemen" gesprochen, die bei der Durchleuchtung der Jean Frey aufgetaucht seien, diese aber nicht benannt. Warum nicht?
Weil wir eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet haben, die Resultate der Due Diligence nicht weiter zu geben. Wir halten uns an solche Abmachungen.
In verschiedenen Zeitungen wurde erwähnt, dass eines dieser Probleme die Pensionskasse der Jean Frey AG sei, in deren Kasse würden 19 Millionen fehlen. Können Sie das bestätigen?
Es ist kein Geheimnis, dass diese PK nach einem Betrugsfall ein Loch in zweistelliger Millionenhöhe hat.

