Nach Extremereignissen wie am Samstag in Münster, als ein offenbar psychisch kranker Deutscher mit seinem Wagen in eine Menschenmenge gerast ist, dauert es jeweils nicht lange, bis sich alle möglichen Gerüchte und Spekulationen im Netz verbreiten. So auch an diesem Wochenende.
Im digitalen Zeitalter hat jede und jeder mit Internetzugang die Möglichkeit, sie zu publizieren. Und da wir Menschen mit Unsicherheiten schlecht umgehen können, wie der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen gegenüber dem «Echo der Zeit» sagt, werde in Situationen der Ungewissheit oft auf Vor- oder Urteile zurückgegriffen. Pörksen zitiert dazu den Netz-Philosophen Peter Glaser, der gesagt hat: «Informationen sind im digitalen Zeitalter wahnsinnig schnell, Wahrheit braucht aber Zeit.»
Die neue Geschwindigkeit der Informationsverbreitung habe auch die alten Medien erreicht und sie in eine neue Wettbewerbssituation gebracht. Sie müssten sich deshalb umso mehr auf ihre Qualitätsstandards besinnen, so Pörksen. Denn zwischen Geschwindigkeit und Qualität herrsche ein Grundkonflikt, und: «Den Geschwindigkeitswettbewerb im digitalen Zeitalter können sie [die Qualitätsmedien] nicht gewinnen», folgert der Medienwissenschaftler.
Gleichzeitig müsse aber auch die Öffentlichkeit kritischer sein. Dazu gehöre, sich Fragen zu stellen wie: Was ist eine seriöse Quelle? Was ist glaubwürdige, verbreitungsreife Information? «Im digitalen Zeitalter muss jeder die Ideale des guten Journalismus kennenlernen und sich mit ihnen Auseinandersetzen», so der Professor der Uni Tübingen gegenüber Radio SRF. (maw)

