Der Machtkampf in Ägypten weitet sich aus: Nach den Richtern wenden sich nun auch die Medien gegen Präsident Mohammed Mursi. Mindestens acht einflussreiche Tageszeitungen stellten am Dienstag aus Protest gegen einen Verfassungsentwurf der Islamisten ihr Erscheinen ein. Die privaten Fernsehsender wollten sich der Aktion am Mittwoch ebenfalls anschliessen und ausschliesslich schwarze Bildschirme zeigen. Viele Journalisten befürchten Einschränkungen der Meinungsfreiheit, sollte der Entwurf in einer Volksabstimmung am 15. Dezember angenommen werden.
Gegner Mursis planten für den (heutigen) Dienstag eine Grossdemonstration vor dem Präsidentenpalast in Kairo. Auch sie richtet sich gegen den Verfassungsentwurf und gegen Dekrete, mit denen der Präsident sich am 22. November fast unbegrenzte Macht verschaffte, unter anderem über die Gerichte. Die Richter des Landes befinden sich deswegen bereits im Streik. Am 27. und am 30. November hatten sich an Demonstrationen auf dem Kairoer Tahrir-Platz jeweils mindestens 200'000 Menschen beteiligt, die Mursi zum Widerruf der Dekrete aufforderten. Die Demonstranten zelten seit fast zwei Wochen auf dem Platz. Die Islamisten hatten am Samstag mit Kundgebungen von hunderttausenden Mursi- Anhängern in der Stadt Gizeh und anderen Landesteilen reagiert. Tausende weitere belagerten in Kairo das Oberste Gericht des Landes. Daraufhin traten die Richter in den Streik.

