22.05.2020

Von MySports zu Blick

«Meine Lernkurve wird maximal steil sein»

Steffi Buchli wird Sportchefin bei der Blick-Gruppe des Ringier-Verlags. Ihr Wechsel vom UPC-Sender MySports erfolgt auf den 1. Januar 2021. Die 41-jährige Programmleiterin und Moderatorin über grosse Herausforderungen, kurze Haare und schreibende Journalisten.
von Christian Beck

Frau Buchli, verlassen Sie ein sinkendes Schiff?
Hoppla, zuerst Mal «Grüeziwohl»! Gleich mit der Türe ins Haus fallen, ok, können wir machen. Sinkendes Schiff? Im Gegenteil. MySports wird bald dreijährig. Wir haben die wildeste Start-up-Phase überstanden, der Sender ist etabliert in der TV- und Sportszene. Aus meiner persönlichen Optik betrachtet eigentlich kein guter Moment für einen Abgang, haben wir doch eben erst die anstrengendste Aufbauphase abgeschlossen. Das zeigt aber gleichzeitig, wie stark die Anziehung des neuen Jobs auf mich wirkte. Die Marke Blick ist extrem stark positioniert, im Sport werden unter anderem aufgrund von Blick die Meinungen gemacht. Das ist reizvoll und die Chance ist einmalig.

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Tadaaa! Ich freue mich auf meine neue Aufgabe als Chefredaktorin Sport bei der @blick-Gruppe. Los geht’s 2021. Bis dahin genieße ich die verbleibende Zeit mit den @mysports_ch-Gspönlis!

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Ich könnte mir aber vorstellen, dass die letzten Monate sicher nicht gerade einfach waren …
Die letzten Monate waren pures Krisenmanagement. Die wirtschaftliche Grosswetterlage ist extrem, das bringt nicht nur Sportclubs und Beizer ans Limit. Jeder trägt im Moment seine Corona-Bürde. Das war auch bei MySports nicht anders, klar.

Hat die Coronakrise Ihren Entscheid mitbeeinflusst, MySports zu verlassen?
Nein, überhaupt nicht. UPC ist gesund und gut aufgestellt, das gibt uns auch bei MySports die nötige Sicherheit und Perspektive.

«Das war die bisher grösste Herausforderung meines Lebens»

«Ich bin überzeugt, dass ich diesen Schritt nicht bedauern werde», sagten Sie 2017 vor Ihrem Wechsel zu MySports in einem persoenlich.com-Interview. Und, haben Sie diesen Schritt wirklich nie bedauert?
Nie, keine Sekunde. Das Projekt MySports ist einmalig. Ich hatte das Glück und durfte von Null auf einen TV-Sender aufbauen. Das war die bisher grösste Herausforderung meines Lebens. UPC hat mit meiner Ernennung extremen Mut bewiesen und dafür bin ich ewig dankbar. Ich konnte an meiner neuen Rolle als Programmchefin wachsen.

Sie wechseln erst am 1. Januar 2021 (persoenlich.com berichtete). Steuern Sie das Schiff in dieser Zeit nun mit halber oder voller Kraft voraus?
Wer mich kennt, der weiss: Es gibt nur Vollgas. Ich bin bis zum letzten Tag MySports, ganz klar.

Wird MySports auch ohne ein Aushängeschild wie Sie funktionieren – oder braucht es als Nachfolge wieder einen Charakterkopf?
TV verkauft sich immer über Köpfe. Wir machen Entertainment – und das ist ein People-Business. Allerdings liegt die Regelung meiner Nachfolge natürlich nicht in meiner Hand. Und nicht zu vergessen: Wir haben bereits heute auf der MySports-Redaktion einige ganz profilierte TV-Journalisten.

Was nehmen Sie mit aus Ihrer Zeit bei MySports?
Drei wilde Jahre Erfahrung, einen Haufen gute Erinnerungen. Es schmerzt mich jetzt schon, diese Leute nicht mehr um mich zu haben. Das Team ist grossartig.

«Die Marke Blick ist unglaublich stark»

Nun zu Ihrem künftigen Arbeitgeber: Was reizt Sie an der Position bei der Blick-Gruppe?
Sport und Blick – diese Kombination spricht für sich. Die Marke Blick ist unglaublich stark, sie steht für klare Positionen und starkes Storytelling. Das sind wichtige Ingredienzen, um als Medium wahrgenommen zu werden. Der Sport ist seit jeher meine Herzensangelenheit – das passt also prima.

Schlägt Ihr Herz also nicht nur für Eishockey?
Natürlich nicht. Ich habe vor meiner Zeit bei MySports 15 Jahre lang Sportjournalismus ohne Vertiefung Eishockey gemacht.

Werden Sie Ihr Know-how auch bei Blick TV einbringen?
Ich glaube nicht, dass Jonas Projer «Beratung» oder mein Know-how braucht, er ist ein Profi. Natürlich ist TV und Bewegtbild mein Steckenpferd, entsprechend werde ich in diesem Bereich sicher Impulse geben.

Haben Sie schon konkrete Pläne?
Dafür ist es noch zu früh.

Sie starteten Ihre journalistische Karriere bei Radio Zürisee, wechselten dann zu Radio 24 und schliesslich zu SRF und MySports. Die Printerfahrung fehlt. Haben Sie Respekt vor dem geschriebenen Wort?
Respekt habe ich vor der verantwortungsvollen Aufgabe, die Schweizer Sportredaktion zu führen, die mit ihren Positionen und Meinungen den grössten Impact hat in der Schweiz. Dies werde ich nicht auf die leichte Schulter nehmen. Natürlich werde ich mir aber die Produktionsprozesse, die ich noch nicht kenne, en Detail zeigen lassen – und natürlich werde ich keinem Printjournalisten seine Welt erklären. Dass ich neben reden auch schreiben kann, habe ich längst bewiesen, denn was man oft vergisst: Auch im Radio- und TV-Journalismus bildet das Schreiben einer Story die Basis erfolgreicher Formate.

«Die Vektoren sind längst verschmolzen und nicht mehr separat zu betrachten»

Trotzdem, werden Sie nun wieder die Schulbank drücken?
Eine Print-Journalistinnen-Lehre meinen Sie? Die Vektoren – also Print, Online, Video, Audio – sind längst verschmolzen und nicht mehr separat zu betrachten. Das ist wichtig, damit wir uns weiterentwickeln können. Aber ja, meine Lernkurve wird ab Januar 2021 sicher wieder maximal steil sein. Das mag ich.

Zum Schluss: Wenn Ihre Haare wieder nachgewachsen sind, welche Farbe werden diese erhalten? Blick-Rot?
Gute Idee, dann könnte ich mich hinter der Zeitung tarnen. Nein, ähm, ich hatte in den letzten Monaten relativ wenig Zeit, mich um meine Frisur zu kümmern – «Man siehts», sagen böse Zungen. Ich werde mir aber bis zu meinen Start etwas einfallen lassen. Versprochen.

 



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