08.08.2011

"Aargauer Zeitung"

Mit bürgernahem Chefredaktor

Chauffiert Politiker durch den Kanton.
"Aargauer Zeitung": Mit bürgernahem Chefredaktor

Christian Dorer, als Chefredaktor der "Aargauer Zeitung" chauffieren Sie ab sofort Politiker durch die Gegend. Warum machen Sie sich zu Ihrem Handlanger?

Der Kontakt mit Politikerinnen und Politikern gehört zu den Aufgaben eines Chefredaktors und Busfahren ist eine Leidenschaft von mir. Nun kann ich beides verbinden - was gibt es Schöneres?

Wohin führen Sie den az-Wahlkampfbus und wozu?

Wir besuchen seit gestern bis am 17. Oktober jeden Montagabend einen "hot spot" im Kanton Aargau und diskutieren dort über ein passendes Thema: am AKW-Standort Leibstadt über die Energiezukunft, am Grenzort Stein über die Personenfreizügigkeit, etc. Insgesamt machen wir elf Mal Halt, je einmal pro Bezirk. Es gibt eine Podiumsdiskussion mit jeweils sechs Nationalratskandidaten, zudem eine interaktive Ausstellung im Bus und einen Apéro, an dem sich unsere Leser mit den Politkern und den az-Journalisten austauschen können.

Wie kamen Sie auf diese Idee?

In den USA ist es gang und gäbe, dass Politiker einen Wahlkampfbus haben. Das hat uns inspiriert. Wir möchten die Politiker zu den Wählerinnen und Wählern fahren und den Dialog fördern.

Ist diese enge Verknüpfung zwischen Journalisten und Politikern nicht heikel?

So eng ist die Verknüpfung nun auch wieder nicht. Wir organisieren politische Podien - und bieten den Politikern eine etwas spezielle Mitfahrgelegenheit. Zudem ist es eine Veranstaltung für alle Leserinnen und Leser, nicht nur für die Politiker

Ist das denn die Aufgabe einer Zeitung?

Es ist die Aufgabe einer Zeitung, umfassend über die Wahlen und über die Kandidierenden zu informieren und die politische Debatte zu fördern. Das tun wir - mit dem az-Wahlkampfbus einfach in einem etwas attraktiveren Umfeld als üblich.

Wie bewahren Sie sich Ihre Unabhängigkeit?

Die ganze politische Spektrum ist vertreten: Die fünf Aargauer Regierungsparteien SVP, FDP, CVP, SP und Grüne sind immer mit einem Kandidaten auf dem Podium. Der sechste Kandidat wird abwechslungsweise von BDP, GLP und EVP gestellt. Total haben somit bis zu den Wahlen 66 Kandidierende einen Auftritt im az-Wahlkampfbus.

Nach welchen Kriterien sind die politischen Buspassagiere ausgewählt?

Wir haben Kandidaten eingeladen, die möglichst aus der Gegend kommen, wo wir Halt machen, und die zum Podiumsthema etwas zu sagen haben.

Welchen Nutzen zieht die "Aargauer Zeitung" daraus?

Erstens leisten wir mit den Podien einen Beitrag zur politischen Meinungsfindung. Zweitens beziehen wir unsere Leserinnen und Leser aktiv mit ein, in dem wir sie einladen. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren verschiedene Aktionen wie das "az-Leserwandern" oder "Gemeinde im Mittelpunkt" lanciert. Die Erfahrung zeigt, dass unsere Leser das schätzen und rege daran teilnehmen.

Am Montagabend sind Sie mit dem az-Wahlkampfbus nach Neuenhof bei Baden gefahren. Ist die Premiere geglückt?

Ich bin mit dem Start rundum zufrieden. Es hat sehr gut begonnen. Wir fuhren die Podiumsgäste durch den Badener Stadtverkehr zum Ausflugsrestaurant "Rüsler", hoch über dem Limmattal. Die Diskussion war noch angeregter als erhofft. Schon beim ersten Mal hatten wir rund 50 interessierte, engagierte Gäste.

Zum Schluss noch eine kleine Nebenfrage: Warum haben Sie eigentlich die Busfahrprüfung?

Als Kantonsschüler habe ich eine Fahrgastzeitung für den Regionalbus Lenzburg gemacht. Schon damals hat es mich gereizt, eines Tages selber Bus zu fahren. Als ich das Mindestalter erreicht hatte, gab mir der damalige Betriebsleiter Fahrstunden. Seit 1997 habe ich den Ausweis und fahre seither einen Tag pro Monat im Linienverkehr in der Region Lenzburg. Bei jedem Jobwechsel im Journalismus war es meine Anstellungsbedingung, dass ich das weiterhin machen kann…

Bild (v.l.): Thierry Burkart, Nationalratskandidat FDP, Esther Egger, Nationalrätin CVP, Luzi Stamm, Nationalrat SVP, Christian Dorer, Chefredaktor "Aargauer Zeitung", Lilian Studer, Nationalratskandidatin EVP, Jonas Fricker, Nationalratskandidat Grüne, Cédric Wermuth, Nationalratskandidat SP.


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