Wenn schon der Leser immer tiefer in die Tasche greifen muss und für die geistige Beweglichkeit fast so viel wie für sein Fitnessabo hinblättern soll, wählt er sein Zeitungsabo mit Bedacht. Das wissen die Verlage. Sie kämpfen um jeden einzelnen Abonnenten – derzeit mit Spezialangeboten: Die "Neue Zürcher Zeitung" wirbt mit drei Wochen Gratis-Digital-Nutzung, während der "Tages-Anzeiger" ein "Jahresabo für 15 Monate" anpreist.

"Es gibt Dinge, an die man sich gerne gewöhnt", dies die einleitenden Worte im Werbe-Schreiben des "Tages-Anzeigers", das – auf Donnerstag, 12. September 2013 datiert – am Mittwoch in die Briefkästen flatterte. Im Werbemailing um zusätzliche Tagi-Leser setzt der Verlag auf die mutmassliche Macht der Gewohnheit: Eine Sache, an die man sich laut dem Schreiben gewöhnen könne, sei der "Tages-Anzeiger", der "Morgen für Morgen im Briefkasten liegt und über Wichtiges aus dem In- und Ausland, Interessantes aus Stadt und Region, Inspirierendes aus der Kultur und Spannendes von den Sportplätzen der Welt informiert", so die Zürcher Tageszeitung in ihrer Eigenwerbung.
Tatsächlich liegt der "Tages-Anzeiger" mit seiner These, wonach Dinge existieren, deren Qualität und Kontinuität man mit der Zeit schätzen lernt, genau richtig. Dies beweist der Verlag gleich selber. Denn nach den ganzen Bemühungen, den potentiellen Abonnenten Gründe für den Kauf eines Jahresabos dazulegen, scheinen sich die Verfasser des Schreibens ihrerseits zu sehr an die frühere Chefredaktion gewöhnt zu haben: Als Absender ist nämlich neben Res Strehle auch Markus Eisenhut als Chefredaktor aufgeführt. Letzterer arbeitet jedoch schon lange nicht mehr beim Tagi: Nachdem Eisenhut vor rund einem Jahr zum "Leiter Redaktionsmanagement" ernannt wurde, verliess er die Redaktion Ende Dezember 2012 und ist seit September Senior Berater in einer PR- und Lobbying-Agentur (persoenlich.com berichtete).
Die Wirkung dieses Tagi-Mailings bleibt ungewiss, doch in mindestens einem Punkt liegt das Schreiben definitiv richtig: Es gibt tatsächlich Dinge, an die man sich gerne gewöhnt. (eh)
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