Texte über Mode, Lifestyle und Unterhaltung werden bei Newsnet besonders gerne gelesen, ausserdem lassen sich diese Rubriken am Werbemarkt gut verkaufen. Deshalb lanciert Newsnet am Montag auf blog.tagesanzeiger.ch/blogmag die "erste virtuelle Schweizer Magazinbeilage", wie diese Neulancierung von den Verantwortlichen nicht unbescheiden angekündigt wird. Geht der Plan auf, wird sich neben www.tagesanzeiger.ch bald eine zweite, ebenso starke Landingpage etablieren, nämlich www.blog.tagesanzeiger.ch. Will man so längerfristig die Kommentare von der Hauptseite auf die Blogs verlagern? Persoenlich.com zeigt die Layouts exklusiv vorab und lässt sich von Michael Marti, stv. Chefredaktor beim Newsnet, die Pläne erklären.

Herr Marti, Newsnet startet "eine virtuelle Magazinbeilage". Das tönt ziemlich grossspurig.
Grossspurig? Finden Sie? Womöglich breitspurig, da wir unser Themenbereich erweitern wollen Und damit die Bedürfnisse unseres Publikums befriedigen.
Was ist mit der "virtuelle Magazinbeilage" gemeint?
Es handelt sich um ein neues publizistisches Lifestyle-Angebot in Blogform, wir nennen es Blogmag. Und ja, man darf es sich als virtuelle Magazinbeilage zu unsrem Newsangebot vorstellen: Es gibt Postings zu Themen wie Mode, Pop, Konsum, Körperkult oder Gesellschaftsphänomenen. Und vor allem: In einem eigenständigen, starken Layout, mit neuen Formaten wie Listen und In-und-out-Gegenüberstellungen.
Was erwartet die Leser konkret, z.B. diese Woche?
Wir beginnen montags mit der Liste "Tinglers Fünf": Immer fünf Punkte zu sogenannten Lifestyle-Themen, eben Mode, Körper, Stil und Habitus. Am Mittwoch folgt mit "Camera Roll" ein visuell orientiertes Posting, das von einem Schnappschuss ausgeht und daran allgemeine Gedanken knüpft, zu Stilvergehen oder Fehltritten im Alltag, aber auch zu bestimmten Orten, Produkten, Personen. Die Woche beschliesst "Richtiges Leben", ein freies Textformat am Freitag, wo wir alles Mögliche veranstalten können, vom Benimmdossier über Tests zur Selbsterkenntnis bis zur Ikone des Monats. Aber schauen Sie doch einfach selber rein: Philipp Tinger bloggt am Montag zum Thema, wie viel Nacktheit soll man sich bei der Wahl der eigenen Bademode leisten?
Am Anfang setzen Sie somit vor allem auf Philipp Tinger.
Ja, denn in ihm konnten wir einen neuen, bekannten Autor gewinnen: Er ist ein Mann, der sich durch seine stets pointierten Beiträge zum Zeitgeschehen und Zeitgeist von der üblichen Lifestyle-Publizistik abhebt. Und was uns übrigens ganz besonders freut: H&M ist mit einer Kampagne beim Start von Blogmag dabei, ein, meiner Meinung nach, sehr gutes Zeichen. H&M als Partner.
Sie werden also nie kritisch über H&M-Aktivitäten bloggen, oder doch?
Ich finde das eine sonderbare Frage. Stellen Sie sich diese auch jedes Mal, wenn Sie in Zeitungen ein Inserat erspähen? Selbstverständlich ist Blogmag redaktionell unabhängig. Genau so selbstverständlich, wie wir uns darüber freuen, wenn wir mit journalistischen Neuerungen das Interesse von Anzeigekunden wecken.
Wer bloggt sonst noch?
Später wollen wir das Blogmag auf fünf Postings die Woche hochfahren. Wir denken da schon an gewisse Autoren Wir denken auch an ganz spezifische Formate. Aber erzählen wollen wir das noch nicht.
Gehört Constantin Seibts "Deadline" ebenfalls zu den neuen Blogs (persoenlich.com berichtete)?
Nein. Sein neuer Journalismus-Blog ist ein Teil des Angebots unseres Online-Kulturressorts.
Bisher gibt es "Mamablog", "Sweet Home", den "Outdoor-Blog", den "Steilpass-Blog", den Wirtschaftsblog "Never Mind The Markets" und den "Politblog". Was passiert mit diesen?
Diese Blogs, sie sind die reichweitenstärksten in der Schweiz, bleiben im bewährten Layout und in der bewährten Navigationsstruktur. Natürlich werden wir genau beobachten die Neuerungen bei Blogmag, das eigenständige Layout, ankommen und allenfalls auch die bestehende Blogs von diesen Erkenntnissen profitieren lassen.
Wie organisieren Sie das Management der Kommentare?
Wir haben schon vor mehr als einem Jahr eine Stelle für die Produktion der Blogs geschaffen. Unser Blog-Produzent Mahmud Tschannen kontrolliert auch, ob sich die Kommentierenden an die Vorschriften halten, die übrigens gut sichtbar im Kommentierfeld formuliert sind.
Ist es mittelfristig Ihr Ziel, Kommentare von der Newsseite zu verbannen und diese nur noch auf den Blogseiten zuzulassen?
Nein, dieses Ziel verfolgen wir derzeit nicht.



Interview: Edith Hollenstein

