14.04.2008

"Le Monde"

Mitarbeiter streiken aus Protest gegen Stellenabbau

Machtkampf mit dem Management.

Die Mitarbeiter der Pariser Zeitung "Le Monde" sind am Montag gegen den Abbau von Stellen in den Streik getreten. Die Dienstag-Ausgabe der Abendzeitung konnte nicht produziert werden und auch die Internet-Ausgabe fiel aus. Die Unternehmensführung will 130 Arbeitsplätze streichen, darunter sind 85 bis 90 Journalisten-Stellen, was rund einem Viertel der Redaktion entspricht. Damit sollen binnen zwei Jahren mindestens 15 Millionen Euro (knapp 23 Mio. Franken) eingespart werden.

Die Verlagsgruppe mit insgesamt 1600 Beschäftigten schreibt seit Jahren Verluste. 2007 belief sich das Minus auf 20 Millionen Euro. Belastet wird das Unternehmen durch Schulden von rund 150 Millionen Euro. Die "Le Monde"-Führung hat deshalb Anfang April ein umfangreiches Sanierungsprogramm angekündigt. Das Management will sich auch von mehreren Töchtern trennen. Dazu gehören der Kinderzeitschriften-Verlag Fleurus Presse und das Kino-Magazin "Cahiers du Cinéma". Dafür soll in ein modernes Redaktions- und Managementsystem investiert werden.

Machtkampf mit dem Management

Auf einer Betriebsversammlung forderte die Belegschaft am Montag einen Alternativplan und den Verzicht auf die Kündigungen. Jenseits der geplanten Kündigungen geht es bei der linksliberalen Traditionszeitung "Le Monde" auch um den Einfluss der Journalisten auf die Geschäfte der Verlagsgruppe.

Die Gewerkschaften werfen der Direktion vor, die Gruppe heruntergewirtschaftet zu haben. "Die Erpressung "Rekapitalisierung gegen Stellenabbau" zeigt bereits seit mehreren Jahren ihre verheerende Wirkung", hiess es. "Heute ist das Recht der Bürger auf Information bedroht." Die "kapitalistische Logik" dürfe nicht über den Journalismus triumphieren.

Schon 2005 waren bei der Tageszeitung und der zugehörigen Druckerei 200 Stellen gestrichen worden. Ende vergangenen Jahres verkaufte die "Le Monde"-Gruppe dann mehrere Regionalzeitungen. Seit der Gründung 1944 hat die Redaktion nur einmal die Arbeit niedergelegt. Dies war 1976, als sie aus Solidarität gegen den geplanten Verkauf des Konkurrenzblattes "France Soir" protestierte. (sda)


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