03.04.2008

Kommentar

Moritz unter Heimatschutz

Von Matthias Ackeret.

So mächtig war Moritz Leuenberger noch nie. Obwohl es in den Niederungen seines UVEK-Reiches wegen des SBB-Cargo-Debakels rumort, erboste Bahnarbeiter streiken, ein Bischof um göttlichen Beistand nachsucht und einige hitzige Südländer bereits mit der Sperrung des Gotthardtunnels drohen, bleibt es -- medial gesehen -- um den obersten Verkehrschef erstaunlich ruhig. Stellvertretend wird der ehemalige SBB-Boss und heutige Euro-Koordinator Benedikt Weibel, bis anhin auch ein Medienliebling, an den publizistischen Pranger gestellt.

Leuenberger muss nicht einmal ansatzweise den Gang durch den medialen Sumpf wie "Verräterin Widmer-Schlumpf" ("Weltwoche") oder "Lügner" Pascal Couchepin ("News") antreten. Woran mag das liegen? Zugegeben, es klingt nach Verschwörungstheorie. Doch im Hype um die Neuverteilung der Radio- und Fernsehkonzessionen hat Verkehrs- und Medienminister Leuenberger schlussendlich das ganz gewichtige Wort zu sprechen. Grosskonzerne wie Tamedia, Ringier, aber auch die NZZ, die Mittelland Zeitung oder die Südostschweiz sind von Leuenbergers Goodwill abhängig, wollen sie eine der begehrten Konzessionen behalten.

Die vierte Gewalt ist -- und dies widerspricht ihrer in unzähligen Medienforen und Medientagungen zelebrierten Ansicht -- schliesslich auch von den gouvernementalen Entscheidungen abhängig, und diese fussen, wie im normalen Leben, auch auf Sympathie und Antipathie, wie die Stellungnahmen der kantonalen und städtischen Regierungen in der Vernehmlassung zur Neuverteilung der Radio- und Fernsehkonzessionen zeigten.

Die Vorstellung, wonach ein Verleger seinen Journalisten Vorschriften macht, wen sie zu kritisieren haben, greift sicherlich zu kurz. Trotzdem -- und dies ist auch menschlich -- registriert der Leser beim Thema Leuenberger in unseren Gazetten eine ungewöhnlich devote Haltung. Lediglich der Chefredaktor der Handelszeitung forderte Tabula rasa: "Wäre Leuenberger Wirtschaftsführer", kommentierte Martin Spieler, "müsste er gehen". Sein Verlag, Axel Springer Schweiz, Eigentümer der Handelszeitung, bewirbt sich um keine Radio- oder TV-Konzession.


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