13.08.2013

Australien

Murdoch-Presse steigt in Wahlkampf ein

Ministerpräsident Kevin Rudd als Nazi-Offizier und Dieb beschimpft.

Eine Woche nach Beginn des australischen Wahlkampfes zwischen der Labor-Partei von Ministerpräsident Kevin Rudd und der konservativen Opposition haben die Medien von Rupert Murdoch einen noch raueren Ton angeschlagen als in der Vergangenheit.

Als Nazi-Offizier und als Dieb, der das Land ausplündert, so muss sich Rudd derzeit in den Zeitungen von Medienmogul Murdoch beschimpfen lassen. "Schmeisst das Gesindel raus", heisst es etwa in der Boulevardzeitung "Daily Telegraph" unter einem Foto von Rudd im Parlament.

Murdoch kontrolliert rund 70 Prozent der grossen Tageszeitungen. Und dieser Einfluss sei spürbar, räumt die Labor-Abgeordnete Julie Owens ein. Die Menschen "können uns nur noch wie bei einer Reality-TV-Show im Fernsehen bewerten – wer ist böse, wer schlecht, wer fühlt sich ungerecht behandelt", sagt sie. Eine Einschätzung der eigentlichen Regierungsarbeit sei für die meisten Bürger gar nicht mehr möglich.

Dominante Stellung gefährdert
Über die Motive Murdochs wird ausgiebig diskutiert. Viele gehen davon aus, dass der 82-Jährige vor allem die dominante Stellung seiner News Corp im Kabelfernsehgeschäft schützen will.

Diese wird durch ein 34 Milliarden Dollar schweres staatliches Programm für den Ausbau des Super-Breitbandnetzes National Broadband Network (NBN) bedroht. Das Unternehmen sehe sein Geschäftsmodell durch NBN gefährdet, schrieb in der konkurrierenden Fairfax-Gruppe der Kolumnist Paul Sheehan.

Das Regierungsvorhaben, mit dem Faserkabel in fast jedes australische Heim gelegt werden sollen, bedroht vor allem das Monopol des Murdoch-Kabelsenders Foxtel. "Breitband untergräbt grundsätzlich das Geschäftsmodell von Foxtel und anderer, bei denen man ein Programmpaket kauft, das man nicht will und das zu 90 Prozent aus Müll besteht", sagt Telekommunikationsanalyst Paul Budde. Die Opposition will das staatliche Projekt deutlich verkleinern.

Offensive in sozialen Netzwerken
Rudd und seine Unterstützer gehen gegen die Medien-Übermacht mit einer Offensive in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook an. Der Regierungschef heuerte drei Experten für digitale Medien aus dem Wahlkampfteam von US-Präsident Barack Obama an. Unter ihnen ist der Brite Matthew McGregor. Er produziert Clips wie "Was wir jetzt tun". Darin erfahren zumindest die digital kundigen Wähler, dass die Chancen 50 zu 50 stehen und damit begonnen werde, den konservativen Herausforderer Tony Abbot zu stoppen.

Diese neuen Plattformen sollen nach den Worten des für Breitband zuständigen Ministers Ed Husic dabei helfen, den Einfluss Murdochs zu begrenzen. Nach einer Woche Wahlkampf hat Labor leicht an Zustimmung verloren, während die Opposition zulegen konnte.

Doch nicht nur Murdoch macht Rudd zu schaffen. Allgemein herrscht der Eindruck, dass weder die Parteien noch Murdoch die Menschen erreichen. Einige Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Proteststimmen am 7. September ein Rekordhoch erreichen dürfte. In Australien herrscht allerdings Wahlpflicht. (sda/rtd)


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