Die insolvente deutsche Nachrichtenagentur dapd hat einen neuen Investor gefunden. Der frühere N24-Chef Ulrich Ende will mit weiteren Partnern den Betrieb der Gesellschaften der Nachrichtengruppe übernehmen. Nächste Woche wolle die Gruppe einen siebenstelligen Betrag als neues Eigenkapital zur Verfügung stellen, teilte Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma am Freitag in Berlin mit. Die Vereinbarung bietet laut Köhler-Ma gute Chancen für den Erhalt der bestehenden Arbeitsplätze bei der dapd.
Streit mit der AP beigelegt
Zuvor war bekannt geworden, dass die dapd ihren Streit mit dem amerikanischen Partner AP aussergerichtlich beilegt. Die AP hatte den Lizenzvertrag mit der dapd zur Lieferung von Texten und Bildern einseitig gekündigt. Dagegen hatte die dapd vor Gericht geklagt. Die dpad verzichte nun auf die Klage, bestätigte Melanie Ahlemeier, Mitglied der dapd-Chefredaktion, am Freitag entsprechende Informationen des deutschen Medien-Blogs meedia. Die für den 18. Dezember geplante Verhandlung vor einem New Yorker Gericht sei abgesagt.
dapd-Redaktion überrascht
Die dapd dürfte im Rahmen der aussergerichtlichen Einigung eine finanzielle Entschädigung erhalten haben, heisst es im Meedia-Blog. Ahlemeier wollte diese Information nicht kommentieren. Die dapd-Redaktion zeigte sich von der jüngsten Entwicklung überrascht. Die dapd wird aufgrund der aussergerichtlichen Einigung die AP-Lizenz per Ende Januar 2013 verlieren. War diese Lizenz vor einiger Zeit noch als Lebensversicherung für die dapd bezeichnet worden, so heisst es nun, die dapd könne es auch ohne die AP-Lizenz schaffen. Die dapd hatte am 2. Oktober 2012 Insolvenz angemeldet. Wenig später kündigte die AP die Lizenz für die Belieferung der deutschen Nachrichtenagentur mit Texten und Bildern. Zugleich schloss AP mit dem Marktführer dpa eine Lizenzvereinbarung ab.
sda sucht nach Lösungen für die Schweiz
Die dapd hatte die Rechte für die Verbreitung von AP-Texten in der Schweiz an die Schweizerische Depeschenagentur (sda) abgetreten. Die sda sucht nun mit dem neuen Rechteinhaber dpa nach Lösungen, um den sda-Kunden weiterhin rund um die Uhr AP-Meldungen anbieten zu können. Derweil geht der Ausverkauf in der dapd-Gruppe weiter. Nach ddp direct (Verbreitung von Originaltext-Meldungen) und der französischen SIPA-Gruppe stösst die Holding HQTA, die ehemalige dapd media holding AG, nun auch die Bildagentur ddp Images ab.
Die beiden Geschäftsführer der ddp Images, Katharina Doerk und Ulf Schmidt- Funke, übernehmen die Bildagentur. Bei der HQTA verbleibt die Airmotion, die Nachrichten über Auto-Bordsysteme verbreitet. Die HQTA arbeitet hier mit dem Autokonzern Daimler AG zusammen. (sda)

