Nachrichtensprecherinnen im ägyptischen Staatsfernsehen dürfen erstmals seit 50 Jahren wieder ein Kopftuch tragen. Am Sonntag präsentierte Fatma Nabil die Mittagsnachrichten in einem Kopftuch und setzte damit einem von den säkular ausgerichteten Regimes des Landes aufrechterhaltenen Verbot ein Ende.
Nabils Auftritt würde viele andere Frauen ermutigen, die ihr Kopftuch tragen wollten, aber Angst hätten, deshalb ihren Job zu verlieren, sagte ein Sprecher des Senders, Mohammed Fathi. Das Staatsfernsehen hatte das Verbot der Verhüllung während der Präsidentschaft von Husni Mubarak und seiner Vorgänger aufrechterhalten. Einige der Nachrichtensprecherinnen hatten dagegen geklagt und gewonnen, waren aber dennoch nicht mit Kopftuch vor die Kamera gelassen worden. Nach Angaben des Senders war Nabils Auftritt am Sonntag der erste einer Frau mit Kopftuch seit Einführung des Verbots vor einem halben Jahrhundert. Nun sollen drei weitere Kopftuchträgerinnen in Nachrichtensendungen als Sprecherinnen auftreten. In Ägypten löste die Neuerung gemischte Reaktionen aus. Viele Beobachter erblicken darin lediglich die Anpassung an eine seit längerem zu beobachtende gesellschaftliche Entwicklung. In deren Verlauf sind in den letzten Jahren immer mehr Frauen dazu übergegangen, das Kopftuch zu tragen.
Andere Stimmen befürchten wiederum, dass die kopftuchtragenden Sprecherinnen nur die Vorbotinnen einer durchgreifenden Islamisierung der Medienlandschaft sein könnten. Sie verweisen darauf, dass die religiös-konservative Muslimbruderschaft langfristig ein Programm des Umbaus der Gesellschaft auf der Grundlage des islamischen Rechts (Scharia) verfolgt. (sda/dpa)

