08.05.2018

Keystone-SDA

Neue Firma setzt auf künstliche Intelligenz

Die fusionierte Keystone-SDA will den Technologiebereich stark ausbauen und plant ab 2019 automatisierte Berichte für Sportresultate. Die Befristung bei Neueinstellungen habe nach heutigem Stand nichts mit einem weiteren Abbau zu tun.
Keystone-SDA: Neue Firma setzt auf künstliche Intelligenz
Vize-Verwaltungsratspräsident Clemens Pig (links) spricht neben Verwaltungsratspräsident Ueli Eckstein, Vize-Verwaltungsratspräsident Matthias Hagemann, CEO Markus Schwab und COO Jann Jenatsch (v.l.) an einer Medienkonferenz anlässlich der Fusion zwischen der Bildagentur Keystone und der Schweizerischen Depeschenagentur SDA. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Beim ersten Auftritt der gemeinsamen Keystone-SDA-Führung stand die künftige Bedeutung und das Expansionspotenzial neuer Technologien im Fokus. Die österreichische Nachrichtenagentur APA als grösste Aktionärin und Technologiepartnerin will Keystone-SDA unter anderem beim Ausbau der Bereiche IT-Solutions für Kunden und Corporate Production unterstützen.

Beispiel von neuen IT-Produkten sind laut dem neuen Vizepräsidenten von Keystone-SDA und Vorsitzenden der APA-Geschäftsleitung, Clemens Pig, App-Lösungen für Schweizer Medien. Auch künstliche Intelligenz solle künftig redaktionelle Workflows vereinfachen, sagte er am Dienstag vor den Medien in Zürich (siehe auch Video oben).

Weniger abtippen

Als konkrete neue Lösung erwähnte der operative Chef des fusionierten Unternehmens, Jann Jenatsch, eine automatisierte Berichterstattung für Sportresultate. Ab dem 1. Januar 2019 müssten die Sportredaktoren weniger selber abtippen. Ein neuer Stellenabbau sei in diesem Zusammenhang nicht geplant, so Jenatsch. Grund für die Befristung der neuen Arbeitsverträge bis Ende 2019 sei das laufende Schlichtungsverfahren (persoenlich.com berichtete).

Der neue Verwaltungsratspräsident Ueli Eckstein, der Hans Heinrich Coninx von Tamedia ersetzt hat, möchte das Schlichtungsverfahren mit den Arbeitnehmervertretern vor der Einigungsstelle des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) so schnell wie möglich abschliessen. 

«Ich glaube, jeder solcher Prozess hat immer ein Haar in der Suppe», sagte Eckstein zum Abgang von rund 20 Mitarbeitern, welche die Redaktion in den vergangenen Wochen auf eigene Initiative verlassen haben, nachdem bereits 36 von 150 Vollzeitstellen bei der SDA abgebaut worden waren.

Im Einigungsverfahren vertreten wird der Verwaltungsrat unter anderem vom zweiten neuen Keystone-SDA-Vizepräsidenten, Matthias Hagemann, Präsident von Radio Basilisk. Nächste Woche findet für beide Parteien eine erste getrennte Anhörung vor der Einigungsstelle statt.

Hagemann bedauerte, dass noch keine Einigung erzielt wurde, «obwohl, der grosszügige Sozialplan noch erhöht wurde». Er betonte, dass der Verwaltungsrat nicht zusammen mit Gewerkschaften an der Strategie arbeiten und das Ausmass des Abbaus diskutieren könne. «Gegenstand der Verhandlungen, über die wir verhandeln, ist der Sozialplan und die Lösung für entlassene ältere Mitarbeiter», sagte Hagemann.

Service-Public-Szenarien in Entwicklung

APA-Vertreter Pig wollte sich nicht zum Einigungsverfahren äussern. Er machte aber klar, dass die Keystone-SDA im internationalen Vergleich personell sehr gut bestückt sei für die Grösse des Outputs. Er zeigte sich zudem offen für eine öffentliche Unterstützung der neuen Agentur in Bereichen wie der Mehrsprachigkeit, wo es strukturelle Defizite gebe. Szenarien für eine abgetrennte Service-Public-Gesellschaft und weitere Ansätze würden derzeit entwickelt.

Konzernchef Markus Schwab bestätigte, dass er für nächstes Jahr mit zwei Millionen Gebührengeldern rechne. Es sei aber nicht so, dass das neue Unternehmen davon abhängig sei. Der bisherige Chef der SDA gab sich generell sehr zurückhaltend.

Der operative Chef Jenatsch räumte immerhin ein, dass Fehler gemacht worden seien. Er wolle das Unternehmen nun in einem partizipativen Prozess voranbringen und wieder Vertrauen schaffen. «Ich glaube aber, es braucht ein Jahr, bis wir wieder den Boden unter den Füssen haben, um aus einer Position der Stärke zu operieren», fügte er hinzu.

Neue Aktionärsverhältnisse

Die Fusion der Bild- und der Nachrichtenagentur trat rückwirkend auf 1. Januar 2018 in Kraft. Der Zusammenschluss erfolgte durch einen Beteiligungstausch. Die österreichische Nachrichtenagentur Austria Presse Agentur (APA) bringt ihre bisherige Beteiligung von 50 Prozent an Keystone in das neue Unternehmen ein. Die APA erhält dafür im Gegenzug einen Anteil von 30 Prozent der Aktien an Keystone-SDA.

Die bisherigen Aktionäre, die Schweizer Verleger, erhalten eine Dividendenausschüttung von 12,4 Millionen Franken. Gemäss Eckstein halten die Aktionäre neu folgende Anteile: Tamedia 20,56 Prozent, NZZ 7,98 Prozent, SRG 7 Prozent, Media Suisse Lausanne 6,84 Prozent und weitere Medien und Organisationen 27,62 Prozent

Das neue Unternehmen Keystone-SDA bleibt – wie schon die beiden Vorgänger-Firmen – der Dreisprachigkeit verpflichtet. Es anerkennt den Service-Public-Charakter des Basisdienstes. Die Keystone-SDA wird weiterhin in allen Landesregionen präsent sein. (sda/cbe)


Lesen Sie auch das Interview mit COO Jann Jenatsch.

 

 



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