In der Affäre um die gestohlenen Bankdaten des Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand taucht eine weitere Verbindung zu einem Politiker der SVP auf. Wie die "NZZ am Sonntag" berichtet, stand der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid dem mutmasslichen Dieb der Bankdaten Hildebrands bei der Bank Sarasin mit Rat und Tat zur Seite. Schmid bestätigte gegenüber dem Blatt, dass er unter anderem ein Treffen mit Journalisten des "Blick" einfädelte. Weiter sagte er, er kenne den entlassenen IT-Mitarbeiter seit den 90er-Jahren, als er mit ihm bei der ZKB zusammengearbeitet habe. Der Datendieb sei in Panik verfallen, als sich abzuzeichnen begann, dass die Datenklau-Affäre öffentlich werden würde. So habe er am 24. Dezember die gestohlenen Kontodaten Hildebrands, die bei SVP-Anwalt Hermann Lei gelagert gewesen seien, vernichten wollen. Lei selber sagte der "NZZ am Sonntag", er könne sich an ein Treffen mit dem Datendieb an besagtem Tag nicht erinnern. Tatsächlich sei dieser bei seinem Entschluss, die Aktion gegen Hildebrand durchzuziehen, hin- und hergerissen gewesen. Letztlich habe sich der Datendieb aber immer aus freien Stücken für das Weitermachen entschieden. So habe der im Thurgau wohnhafte Datendieb auch den Entwurf für eine Interpellation geschrieben, die via Christoph Blocher an den Zürcher SVP-Nationalrat Hans Kaufmann weitergeleitet und von diesem eingereicht worden sei. Laut Schmid fühlte sich der Datendieb nach dem Auffliegen der Affäre und seiner Rolle durch die SVP verraten, da er darauf vertraut habe, die Sache werde diskret abgewickelt. Wie die "NZZ am Sonntag" berichtet, haben die Thurgauer Behörden den ehemaligen Sarasin-Mitarbeiter zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen, nachdem dieser Suizidabsichten geäussert habe.
Nicht nur der Diebstahl der Kontodaten von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand, sondern auch deren Weitergabe müssten bestraft werden: Das fordert der Finanzspezialist und ehemalige Mafiajäger Paolo Bernasconi. SVP-Nationalrat Christoph Blocher und SVP-Anwalt Hermann Lei setzten sich diesem Risiko aus, sagt Bernasconi im Interview mit der "NZZ am Sonntag". "Für mich ist klar, dass diejenigen, die den Verrat für sich oder andere ausgenützt haben, sich strafbar gemacht haben", sagt Bernasconi. Dafür reiche es aus, wenn die Täter sich einen politischen Vorteil davon versprächen. Blochers parlamentarische Immunität dürfe ihn nicht vor der Strafverfolgung schützen: "Nur Parlamentarier, die aus ehrenhaften Gründen handeln, sollen diesen besonderen Schutz geniessen", sagt Bernasconi.
Am Donnerstag hat Philipp Hildebrand öffentlich Stellung bezogen. Doch der aufwändig und professionell orchestrierte Auftritt kam nicht bei allen Journalisten gut an. "Die Pressekonferenz trug sowjetische Züge", sagt etwa Roger Köppel und Patrik Müller fragt sich, ob der SNB-Präsident die Fragen der "Weltwoche"-Journalisten absichtlich nicht beantwortete. Zu den Statements:
Patrik Müller, Chefredaktor Sonntag

"Hildebrand wirkte je länger, wie selbstsicherer. Er hat klar gepunktet. Der zentrale Fehler aber war, dass die anwesenden Weltwoche-Journalisten, die Fragen stellen wollten, nicht aufgerufen wurde - ich weiss nicht, ob absichtlich oder weil Hildebrand sie nicht sah. Besser wäre gewesen, alle Fragen zu beantworten, bis keine mehr gestellt werden."
Roger Köppel, Chefredaktor und Verleger Weltwoche
"Die Pressekonferenz trug sowjetische Züge. Die kritischsten Journalisten durften keine Fragen stellen, mit der Ausnahme von Frau Fassbind und einem Kollegen vom Handelsblatt. Das grösste Problem kam nicht zur Sprache: Ein Notenbankchef hat seine eminente Vertrauensstellung und seine privilegierten Informationen benutzt, um auf eigene Rechnung auf seinem Privatkonto Devisen- und Aktiengeschäfte zu tätigen parallel zu einschneidenden SNB-Entscheiden, die er selber verantwortet. Das ist nicht vereinbar mit der moralischen Verantwortung des Amtes. Hildebrand versucht, mit formalistischen Spitzfindigkeiten und verspätetet nachgereichten Ablasszahlungen diesen Missstand zuzudecken. Besonders fragwürdig war seine Aussage, die Leute, die ihn kritisieren, hätten eine politische Agenda und würden der Schweiz schaden. Meines Erachtens ist der einzige, der der Schweiz schadet, ein Notenbankpräsident, der parallel zu seinen SNB-Entscheiden private Devisen- und Aktiengeschäfte tätigt und dies auch noch unbedenklich respektive reglementskonform findet. Man braucht kein Reglement, um festzustellen, dass private Deals mit der Vertrauensstellung eines Notenbankpräsidenten nicht vereinbar sind."

"Die Pressekonferenz trug sowjetische Züge. Die kritischsten Journalisten durften keine Fragen stellen, mit der Ausnahme von Frau Fassbind und einem Kollegen vom Handelsblatt. Das grösste Problem kam nicht zur Sprache: Ein Notenbankchef hat seine eminente Vertrauensstellung und seine privilegierten Informationen benutzt, um auf eigene Rechnung auf seinem Privatkonto Devisen- und Aktiengeschäfte zu tätigen parallel zu einschneidenden SNB-Entscheiden, die er selber verantwortet. Das ist nicht vereinbar mit der moralischen Verantwortung des Amtes. Hildebrand versucht, mit formalistischen Spitzfindigkeiten und verspätetet nachgereichten Ablasszahlungen diesen Missstand zuzudecken. Besonders fragwürdig war seine Aussage, die Leute, die ihn kritisieren, hätten eine politische Agenda und würden der Schweiz schaden. Meines Erachtens ist der einzige, der der Schweiz schadet, ein Notenbankpräsident, der parallel zu seinen SNB-Entscheiden private Devisen- und Aktiengeschäfte tätigt und dies auch noch unbedenklich respektive reglementskonform findet. Man braucht kein Reglement, um festzustellen, dass private Deals mit der Vertrauensstellung eines Notenbankpräsidenten nicht vereinbar sind."
Hannes Britschgi, Publizist Ringier
"Der Notenbankchef Philipp Hildebrand ist konzentriert und kämpferisch aufgetreten. Er machte sofort klar, dass er am Steuer der Nationalbank bleiben will, da er weiterhin das Vertrauen des Bankrates und des Bundesrates geniesst. Er ist sich keiner Reglements- oder Gesetzesverletzung bewusst, hat aber einen persönlichen Fehler eingestanden. Er hätte Mitte August den Dollarkauf durch seine Frau sofort rückgängig machen sollen. Widersprüche bleiben aber unaufgelöst. Warum verweist er hartnäckig auf den Persilschein der Untersuchungen, spendiert aber gleichzeitig 75'000 Franken an die Berghilfe, wenn es doch angeblich gar keinen Gewinn gegeben hat? Warum interveniert er sofort nach dem Dollarkauf durch seine Frau, wenn alles rechtens war? Warum versteht der brillante Banker ausgerechnet jene Fragensteller nicht, die den Finger auf den wunden Punkt seiner Argumentation legt (Fifo-Regel)? Am meisten wundere ich mich aber darüber, weshalb er nach all dem Aufruhr immer noch nicht ganz kapiert hat, dass ein Notenbanker, der mit seinen Entscheidungen die Wechselkurse beeinflusst, nicht auch noch privat Devisengeschäfte tätigen kann. Je länger er Fragen beantwortete, umso dünner wurde das Eis. Wenn er zum Beispiel meint, eine wochenlange Fortsetzung dieser Affäre würde ihn in seiner Funktionsfähigkeit als Chef der Notenbank stark einschränken, dann ist das eine Steilvorlage für seine Gegner und ein Fingerzeig an seine 'Vorgesetzten', an den Bankrat und den Bundesrat. Affaire à suivre!"

"Der Notenbankchef Philipp Hildebrand ist konzentriert und kämpferisch aufgetreten. Er machte sofort klar, dass er am Steuer der Nationalbank bleiben will, da er weiterhin das Vertrauen des Bankrates und des Bundesrates geniesst. Er ist sich keiner Reglements- oder Gesetzesverletzung bewusst, hat aber einen persönlichen Fehler eingestanden. Er hätte Mitte August den Dollarkauf durch seine Frau sofort rückgängig machen sollen. Widersprüche bleiben aber unaufgelöst. Warum verweist er hartnäckig auf den Persilschein der Untersuchungen, spendiert aber gleichzeitig 75'000 Franken an die Berghilfe, wenn es doch angeblich gar keinen Gewinn gegeben hat? Warum interveniert er sofort nach dem Dollarkauf durch seine Frau, wenn alles rechtens war? Warum versteht der brillante Banker ausgerechnet jene Fragensteller nicht, die den Finger auf den wunden Punkt seiner Argumentation legt (Fifo-Regel)? Am meisten wundere ich mich aber darüber, weshalb er nach all dem Aufruhr immer noch nicht ganz kapiert hat, dass ein Notenbanker, der mit seinen Entscheidungen die Wechselkurse beeinflusst, nicht auch noch privat Devisengeschäfte tätigen kann. Je länger er Fragen beantwortete, umso dünner wurde das Eis. Wenn er zum Beispiel meint, eine wochenlange Fortsetzung dieser Affäre würde ihn in seiner Funktionsfähigkeit als Chef der Notenbank stark einschränken, dann ist das eine Steilvorlage für seine Gegner und ein Fingerzeig an seine 'Vorgesetzten', an den Bankrat und den Bundesrat. Affaire à suivre!"
Bernhard Weissberg, Ex-Blick Chefredaktor, heute Kommunikations-Berater

"Der Auftritt von Philipp Hildebrand war angesichts des Drucks von aussen erstaunlich souverän. Er versteckte sich nicht nur hinter Floskeln, er bemühte sich, ehrlich zu erscheinen und wurde gegen Ende des Auftritts zudem immer authentischer. Das Grundproblem, das weiss auch er, ist aber nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Und damit auch nicht der schale Beigeschmack, den die Devisentransaktionen nun einmal haben."
Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand lässt sich seit neustem vom Zürcher PR-Profi Jörg Denzler beraten. Das zeigen die Recherchen der Zeitung "Der Sonntag". Der 51-Jährige ist Inhaber und Chef der Zürcher PR-Agentur Balanx. Über Hildebrands privaten Anwalt Peter Nobel hat er vor kurzem das Mandat erhalten, sowohl Hildebrand als auch Nobel zu beraten. Denzler will keine Auskunft geben, ob er der "NZZ am Sonntag" und der "Sonntagszeitung" vor einer Woche den Tipp gab, dass alt Bundesrat Christoph Blocher hinter den Attacken gegen Hildebrand steckte. Offen bleibt auch, seit wann er Hildebrand berät und wer sein Honorar bezahlt die Nationalbank oder Hildebrand selber. In der Bankenszene ist Denzler bestens vernetzt. Im November 2008 hatte er den ehemaligen UBS-Präsidenten Marcel Ospel, den Ex-Vizepräsidenten Stephan Haeringer und den ehemaligen Finanzchef Marco Suter beraten. Während Denzlers Beratungstätigkeit verzichtete das Trio unter öffentlichem Druck auf insgesamt 33 Millionen seiner umstrittenen Millionensaläre.
Am Montag holt SNB-Chef Hildebrand gemäss "Sonntag"-Informationen zum nächsten Befreiungsschlag aus: Er legt Parlamentariern das E-Mail offen, welches zweifelsfrei belegen soll, dass nicht er, sondern seine Ehefrau die heikle Dollar-Transaktion vom 15. August in Auftrag gab (Kauf von 504 000 Dollar). Damit wäre die "Weltwoche"-Enthüllung in ihrem zentralen Punkt widerlegt. Wie ein Mitglied der nationalrätlichen Wirtschaftskommission (WAK) sagt, ist die Offenlegung für die Kommissionssitzung von Montag angekündigt. Daran nehmen nebst Hildebrand auch Bankratspräsident Hansueli Raggenbass und Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf teil. Mit eigenen Augen bereits gesehen hat das ominöse E-Mail von Kashya Hildebrand der Direktor der eidgenössischen Finanzkontrolle, Kurt Grüter. Er hat im Auftrag der letztjährigen Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey die Kontounterlagen der Familie Hildebrand geprüft. "Aus den Kontounterlagen ist nicht ersichtlich, wer den Auftrag erteilte", sagt Grüter gegenüber der Zeitung "Der Sonntag", angesprochen auf die Transaktion vom 15. August. Diesen Beweis würden jedoch E-Mails liefern: "Diese E-Mails belegen, dass der Auftrag für diese Transaktion von Frau Hildebrand kam und nicht von ihm", so Grüter.
Umfrage: Edith Hollenstein (pd)

