08.02.2011

AOL und "Huffington Post"

Neuer Internet-Hype?

"NZZ" befürchtet spekulative Aktion.

Einem rein online-basierten Medium ist gelungen, wovon die Verleger bisher nur träumen konnten: ein lukratives Geschäft mit Informationen. Insgesamt 315 Mio. $, davon 300 Mio. $ in bar, zahlt das amerikanische Internet-Unternehmen AOL für die Übernahme der "Huffington Post" ("persoenlich.com berichtete"). Die Website hat unter der Führung der Journalistin Arianna Huffington, die vom republikanischen ins demokratische Lager gewechselt war, eine steile Karriere gemacht. Erst vor sechs Jahren mit einem Startkapital von einer halben Million Dollar gestartet, erwirtschaftete die "Post" gemäss einem Bericht der "New York Times" im vergangenen Jahr bereits 31 Mio. $ an Werbeeinnahmen. Dieser Betrag soll sich im laufenden Jahr sogar verdoppeln.

Man müsse diese Daten allerdings mit Vorsicht zur Kenntnis nehmen, schreibt die "NZZ". Im Internet könne man immer noch verhältnismässig einfach mit Zahlen potemkinsche Dörfer bauen. Komme hinzu, dass Online-Geschäfte weiterhin hoch volatil seien. Die Eintrittsbarrieren würden tief bleiben. Neuen Anbietern falle es ziemlich leicht, mit attraktiven Angeboten die Nutzerströme umzulenken. Wer Erfolg einkaufe, habe darum noch nicht allzu viel gewonnen.

"Der gegenwärtige Deal erinnert unweigerlich an die spektakuläre Aktion vor elf Jahren, als AOL den Medienriesen Time Warner, der damals einen fünfmal so grossen Umsatz wie AOL auswies, schluckte. Man feierte das als Sieg des Internets über die alten Medien. Das Vorhaben endete kläglich und schmerzvoll. Die beiden Unternehmen trennten sich wieder", schreibt Autor Rainer Stadler. Und er führt aus: "Vor einem Jahr entschuldigte sich gar der ehemalige Time-Warner-Chef dafür. Das sei der schlechteste Deal des Jahrhunderts gewesen, sagte er. So jäh können die Winde drehen."


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