Vor ziemlich genau zwei Jahren protestierten 78 Tamedia-Journalistinnen gegen die «sexistische Arbeitskultur» (persoenlich.com berichtete). Nun gibt es einen neuen Protestbrief an die Tamedia-Geschäftsleitung. Dieser kommt aus der Redaktion der Schweizer Familie. Ein Grossteil der Redaktion hätte unterschrieben, heisst es im Wochenend-Newsletter der Republik.
Kritisiert wird im neuen Protestbrief der Umgang mit Mobbing, Sexismus und Diskriminierung bei Tamedia – wie schon im Brief vor zwei Jahren. «Viel Hoffnung auf Besserung gibt es bei Tamedia-Angestellten offensichtlich nicht», schreibt die Republik und liefert eine Auswertung: Von den 78 Unterzeichnerinnen arbeite heute ein Drittel nicht mehr bei Tamedia.
Hakenkreuze seit acht Jahren bekannt
Schon die SRF-Sendung «Medientalk» und die NZZ am Sonntag machten vor einer Woche publik, dass die Personalabteilung von Tamedia mindestens seit 2014 über das Fehlverhalten auf der Magazin-Redaktion informiert war (persoenlich.com berichtete). Spätestens im Januar 2015 habe die Personalabteilung zudem auch von konkreten Vorfällen Kenntnis gehabt, wie zum Beispiel von den Hakenkreuz-Zeichnungen des damaligen Magazin-Chefredaktors Finn Canonica, so die Republik in einer Recherche vom Samstag.
In einer E-Mail, die der Republik vorliegt, führte ein Magazin-Mitarbeiter «eine lange Liste mutmasslicher Verfehlungen Canonicas» auf. Der Mitarbeiter schrieb: «Dass es noch andere schlimme Geschichten gibt, wissen Sie aus meinen früheren Erzählungen (Stichwort: Hakenkreuz).» Die E-Mail an die Personalabteilung endete mit den Worten: «Ich wollte es doch gesagt haben, damit Tamedia später nicht sagen kann: Herrgott, wenn wir das gewusst hätten!»
Die Republik habe mit über einem Dutzend aktuellen und ehemaligen Tamedia-Mitarbeitenden gesprochen, schreiben die Autoren Dennis Bühler und Boas Ruh. Frage man betroffene Frauen, warum es bei Tamedia keine Fortschritte gebe, falle im Gespräch häufig ein Name: Arthur Rutishauser. Der 57-jährige Tamedia-Chefredaktor widerspricht gegenüber der Republik: «Arbeitskonflikte bin ich immer angegangen und habe möglichst unaufgeregt nach guten Lösungen gesucht.» (cbe)

