12.05.2004

Publicom

Neues Raumkonzept für Mediaplanung und Anzeigenverkauf

Sog der Zentren -- Protest in der Romandie.

Die Schweizer Kommunikationswirtschaft erhält eine neue Raumordnung als Basis für Mediaplanung und Anzeigenverkauf. Der Sog der städtischen Zentren hat sechs Kommunikationsräume verschwinden lassen. Westschweizer Zeitungen protestieren.

Als "neue Bedrohung für die Regionalpresse" stufen die beiden Zeitungen Le Nouvelliste und La Liberté das neue Raumkonzept der Kommunikation ein. Freiburg etwa werde "amputiert, um Lausanne zu gefallen". In einem Editorial der Chefredaktoren in den Ausgaben vom Mittwoch kündigen die Blätter ihren heftigen Widerstand an. Tatsächlich ist die Neuordnung medienpolitisch und praktisch von grosser Bedeutung. Sie bildet die Grundlage von konzessions- und wettbewerbsrechtlichen Entscheiden der Behörden, namentlich des Bundesamtes für Kommunikation (BAKOM), von Mediaplänen und strategischen Massnahmen der Medienunternehmen.

Rasante Veränderungen

Die Gebiete der Kommunikationswirtschaft wurden in den 1960er Jahren von der WEMF AG für Werbemedienforschung definiert. Sie waren nie den aktuellen Entwicklungen angepasst worden, obwohl sich die Schweiz seither rasant verändert hat. Nun liefert eine vom BAKOM und der WEMF AG gemeinsam finanzierte Studie der Medienforschungsfirma Publicom die Grundlage für eine Neudefinierung. Branchenintern startete hierzu diese Woche eine Vernehmlassung, die bis Ende Juni dauert.

Publicom hat das Raumkonzept aktualisiert. Die neue Raumordnung, bestehend aus 65 Kommunikationsräumen und 20 Wirtschaftsgebieten, eignet sich für die Darstellung aller raumbezogenen Mediendaten sowie planerische Aufgaben im Bereich Kommunikation und Medien.

Sog der Zentren

Berücksichtigt wurden insbesondere Daten der Volkszählung 2000, Mediendaten und Ergebnisse einer Befragung von 2441 Gemeinde- und Stadtpräsidenten zu Fragen der regionalen Identität sowie der Zentrumsorientierung. Eine Hauptursache für die veränderte Raumstruktur ist die starke Zunahme der Mobilität. Die Arbeits- und Ausbildungsplätze konzentrieren sich auf immer weniger Zentren, die einen starken Sog auf die umliegenden Gebiete ausüben. Einen besonders starken Einfluss üben die urbanen Zentren um Zürich, Bern und Lausanne aus.

Eigenständigkeit eingebüsst

Von den 65 Kommunikationsräumen liegen 43 im deutschsprachigen Landesteil, 15 im französischsprachigen, 5 im italienischsprachigen und 2 im rätoromanischen Landesteil. Von den 20 Wirtschaftsgebieten liegen 12 in der Deutschschweiz, 6 in der französischen und 2 in der italienischen Schweiz. Innerhalb von 10 Jahren haben 6 Kommunikationsräume aufgrund der wirtschaftlichen, demografischen und medienspezifischen Entwicklung ihre Eigenständigkeit verloren -- ein Grund für den lauten Protest aus der Westschweiz. Diesen kann Publicom-Geschäftsführer René Grossenbacher nicht ganz verstehen.

'Bestmögliche Lösung'


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