11.10.2023

Krieg in Nahost

«Nichts ist unsteter als die Momentaufnahme»

Die Zahl der Toten in Israel durch die Grossangriffe der islamistischen Hamas ist auf mindestens 1200 gestiegen. Wie erlebt Tachles-Chefredaktor Yves Kugelmann die brutalen Auseinandersetzungen in Israel? persoenlich.com hat sich mit ihm unterhalten.
Krieg in Nahost: «Nichts ist unsteter als die Momentaufnahme»
«Die Ohnmacht der ersten Tage, der Schock über die grausamen Geschichten und Bilder haben die politische Debatte noch zurückgedrängt», so Yves Kugelmann, Chefredaktor bei JM Jüdische Medien. (Bild: zVg)
von Matthias Ackeret

Herr Kugelmann, wie erleben Sie persönlich die ganzen Auseinandersetzungen in Israel?
Die Wucht der Grausamkeit unterscheidet sich von bisherigen bekannten Konflikten mit mehr oder weniger vorbestimmten Gesetzmässigkeiten. Diese sind hier auf allen Ebenen ausgehebelt worden und konfrontiert die Menschen in und ausserhalb Israels rational und emotional frontal.

Was bedeutet solch ein schreckliches Ereignis für Sie als Chefredaktor von Tachles? Worauf fokussieren Sie Ihre Berichterstattung in Ihren Medien?
Journalismus lebt von recherchierter Quelle. Seit Samstag müssen die vielfältigen Informationen in erster Linie verifiziert und nachrecherchiert werden. Wie immer in solchen Krisen überschlagen sich Nachrichten und die journalistische Klärung und Vertiefung fordert neben allen dramatischen Herausforderungen heraus. Da ist oft weglassen und zuwarten besser als raushauen.

Welche Reaktionen bekommen Sie von Ihren Leserinnen und Lesern?
Ohnmachts- bis Solidaritätsbekundungen, Nachfragen über Wahrheitsgehalt von Informationen aus dem Netz, Einordnungen und Hilfeanfragen von Menschen vor Ort.

Wie erleben Sie die Reaktionen der Schweizerinnen und Schweizer auf die Anschläge generell?
Die Ohnmacht der ersten Tage, der Schock über die grausamen Geschichten und Bilder haben die politische Debatte noch zurückgedrängt. Sie wird aber sicherlich kommen – nichts ist unsteter als die Momentaufnahme.

Nun wird ein Aufflammen des Antisemitismus befürchtet. Besteht diese Gefahr wirklich?
Diese Gefahr besteht generell.  

Glauben Sie, dass die israelische Regierung mit ihrer Vergeltungspolitik richtig agiert?
Ethik und Philosophie sind in der Situation der Geiselnahmen schwierig. Ethisch richtig kann man da nicht handeln, ich hoffe aber nicht ganz falsch. Das zeigt sich ja schon in der innenpolitischen Debatte in Israel, wie auf die Dilemmata reagiert werden soll.



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