Ringier trennt sich von "Schweizer Illustrierte"-Chefredaktor Nik Niethammer. Der Stellvertretende Chefredaktor Stefan Regez übernimmt interimistisch ab 1. September die "SI"-Führung, dies wurde am Mittwochmorgen bekannt.
Persoenlich.com sprach vor wenigen Tagen mit Nik Niethammer über die "Schweizer Illustrierte". Im (noch nicht veröffentlichten) Interview sprach er über die zunehmende Konkurrenz im Internet und wie die Kioskverkaufszahlen wieder gesteigert werden sollen. In Absprache mit ihm zeigt persoenlich.com hier einen Auszug des Interviews:

Nik Niethammer, der Kioskverkauf der "SI" ist rückläufig. Wie wollen Sie das ändern?
Die "SI" ist eine unglaublich starke Marke. Damit das so bleibt, pflegt und entwickelt die Redaktion sie stetig weiter. In den vergangenen drei Jahren wurde das "Inventar" der Stars neu definiert, das Layout entrümpelt, die Bildsprache modernisiert. Es wird hart an der Verbesserung der Textqualität gearbeitet, längere Reportagen rücken ins Blatt, im "Interview der Woche" wird Politikern und Wirtschaftspersönlichkeiten auf den Zahn gefühlt. Die "SI" nimmt sich im "Gesellschaftsreport" aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen an. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.
Was zeichnet Ihrer Meinung nach heute guten People-Journalismus aus?
Originalität, Qualität und Exklusivität. SI-Journalisten recherchieren für eine gute People-Geschichte genauso seriös wie Wirtschaftszeitungen bei Börsentipps. Die "SI" ist nie belehrend, nie zynisch, nie hämisch.
Wie spürt die "SI" die grosse Konkurrenz im Internet?
Die Konkurrenz lauert ja nicht nur im Internet: Inzwischen sind wir schon so weit, dass der "Spiegel", das führende Nachrichtenmagazin Deutschlands, eine Prinzen-Hochzeit in England zur Titelgeschichte macht.
Zurück zu meiner Frage: Wie viele Leser verlieren Sie ans Internet?
Interessanterweise ist die Überschneidung von "SI"-Lesern und SI-online-Usern sehr gering. Sie liegt unter einem Prozent! Aber natürlich wandern Leserinnen und Leser ins Internet ab. Hauptgrund dafür ist die Gratiskultur des Internets. Deshalb muss die "SI" Geschichten anbieten, für die die Leute bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen. Geschichten, die besser recherchiert, besser geschrieben sind als die People-Häppchen im Internet. Im übrigen glaube ich sehr an die Zukunft von Print: Eine Zeitschrift ist ein optisches Vergnügen. Es gibt nichts Kostbareres als eine bedruckte Doppelseite.
Wie wird Social Media bei der "SI" integriert?
Die Integration von Social Media ist Teil des Redaktionsalltags bei SI online, dem People-Onlineportal der "Schweizer Illustrierten". Auf den eigenen Social-Media-Kanälen werden Inhalte verbreitet, Live-Events wie beispielsweise die Miss-Schweiz-Wahl wird via Twitter moderiert. So können User sich direkt an der Berichterstattung beteiligen. Ein weiterer Bestandteil der Social-Media-Strategie von SI online ist die Vernetzung mit anderen Ringier-Brands.
Die "SI" konzentriert sich mehrheitlich auf Schweizer Promis. Ist diese Szene nicht viel zu klein?
Nein. Sie beweist ja jede Woche, dass das Konzept "Schweiz schlägt Hollywood" funktioniert. Natürlich wäre es manchmal einfacher, Julia Roberts oder George Clooney mit ihren neuen Filmen aufs Cover zu hieven. Aber das wäre der sichere Untergang der SI. Davon bin ich fest überzeugt.
Welche Geschichten ziehen am besten? Welche Promis sind am beliebtesten?
Aktuelle Geschichten funktionieren besser als "out of the-blue-storys". Federer ist immer noch top und prominente Babys machen uns froh. Auch auf die Royals ist Verlass, unsere Hochzeitsnummer mit Kate & William generierte 80 Prozent mehr Verkäufe als eine durchschnittliche Nummer. Allgemein gilt das "Leistungsprinzip": Auf den "SI"-Titel schafft es nur, wer etwas geleistet hat. Und: Frauen laufen besser als Männer.
Wie wichtig sind die Mister und Missen?
Sie gehören nach wie vor zur "SI-Familie". Das Team muss sich heute aber deutlich mehr anstrengen, um mit Missen-Geschichten zu punkten. Eine Titelgeschichte mit der Schlagzeile "Miss Schweiz ganz privat" reicht längst nicht mehr.
Interview (gekürzte Fassung): Christine Schnyder

