02.10.2014

Tele Züri

No Zoom, No Schwänk

"If it's not on tape, it never happened", so die Devise beim Start von Tele Züri. Die legendären VJ-Trainings waren auch am Donnerstagabend das grosse Thema, als sich aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sowie Prominenz aus Politik an der grossen 20-Jahr-Jubliläumsparty an vergangene Zeiten erinnerten. Was war das unvergesslichste Tele-Züri-Erlebnis? Für persoenlich.com erinnern sich: Sandro Brotz, Michael Perricone, Christine Schnyder, Flavia Schlittler, Hugo Bigi, Eva Wannenmacher, Reto Brennwald, Gabriella Sontheim, Detlev Munz, Mario Aldrovandi, Nik Niethammer, Yvonne Eisenring, Peter Röthlisberger, Markus Gilli und Hanspeter Bürgin.
Tele Züri: No Zoom, No Schwänk

Sandro Brotz, Moderator "Rundschau"

"Ich war vermutlich der einzige VJ ohne Fahrausweis - weil mir Autofahren bis heute nie wirklich wichtig war. Roger Schawinski war zu Beginn skeptisch, ob ich in denn schnell genug an den Drehorten sein konnte. Doch ich habe die damals viel schwerere VJ-Ausrüstung einfach gebuckelt und bin in Zug, Tram oder Bus an die Schauplätze gereist. Bei der Retourfahrt habe ich mein Material bereits visioniert, um zumindest am Schnittplatz wieder Zeit zu gewinnen. Und notfalls konnte ich auf Freunde zurückgreifen, die mich an weiter entfernte Orte fuhren - das war dann mein persönlicher Taxi-VJ-Dienst"

 

Michael Perricone, stv. Redaktionsleiter "10vor10"

"Der Aufmarsch der Nato-Hilfstruppen an der Grenze zum Kosovo (vgl. Bild oben - mit Christoph Nufer), Kubilay Türkyilmaz auf der Massage-Liege liegend (er machte mich auf meine "Haare in die Ohren" aufmerksam), der mahnende Zeigefinger der frischgewählten Bundesrätin Metzler nach meiner Frage zum ersten Kuss, das guerilla-artige Arbeiten in der Wandelhalle (einem vermeintlichen SRG-Hoheitsgebiet) – es gibt Dutzende Erlebnisse, die meine vier Jahre als VJ, Produzent und Ausgabeleiter bei Tele Züri/Tele24 unvergesslich machen. Danke für die Möglichkeit!"

 

Christine Schnyder, freie Journalistin in Singapur

"Riesige Enttäuschung in der Schweiz nach dem Swissair Grounding. Wir schalteten zu unserem Chefredaktoren Markus Gilli an den Flughafen. Er sollte über die Stimmung vor Ort berichten. Doch noch während ich live meine erste Frage an ihn richtete, eskalierte ein Streit zwischen ihm und einem Sicherheitsbeauftragten. Markus Gilli sagte ihm alle Schande und das Fernsehpublikum hörte mit. Im Hintergrund brach die ganze Regie in Gelächter aus. Ich sollte weiter moderieren, konnte das Lachen aber nicht wirklich unterdrücken. Schrecklich - aber noch heute gern gesehen auf Youtube!"

 

Flavia Schlittler, Reporterin "Blick"

"Eines Tages hatte ich im Briefkasten einen Flyer eines neuen Restaurants im Zürcher Kreis 4. Es hiess "Casino Aussersihl", war tagsüber eine Pizzeria, abends ein libanesisches Restaurant mit Mezzes und Bauchtänzerin. Diese Kombination fand ich so schräg, dass ich da eine Kochsendung machen wollte. Der Dreh war spannend, das Essen fantastisch, Chef Maurice sehr charismatisch. Als wir mit den Dreharbeiten fertig waren, bot Maurice zwischen Granatäpfeln und Humus an, für mich im Kaffeesatz zu lesen. Er sagte mir dann, dass mich mein Freund betrügen würde. Puah! Maurice hatte recht. Der Mann ist zum Glück längst weg und das Restaurant läuft heute unter "Le Cèdre" sehr erfolgreich."

 

Hugo Bigi, Hochschuldozent und freischaffender Talker bei TeleZüri

"Herbst 1997, ein Donnerstagabend, 17 Uhr: das geplante 'Talktäglich' droht zum ersten Mal auszufallen. Der Gast – einer aus der Weltgeschichte – Michael Gorbatschow, letzter Präsident der Sowjetunion, kneift. Sein Management hat kurzfristig abgesagt. Aufregung pur, Verzweiflung, Chef Roger Schawinski in den Ferien. Ich greife zur Notlösung, zu einer verstaubten CD auf meinem Pult. Sie ist von einem Zürcher Jazzmusiker und Möchtegern-Talkgast namens Kurt Weil. Den rufe ich an: "Kurt, heute ist dein grosser Tag. Du bist endlich Live-Gast im TalkTäglich – sitting in for Gorbatschow". 45 Minuten später steht der Mann tatsächlich samt Vibraphon vor der Studiotür. Keine Weltgeschichte, aber in den 20 Jahren TalkTäglich eine Allerweltsgeschichte."

 

Eva Wannenmacher, Moderatorin SRF "Kulturplatz"

"Es war eine Stimmung wie im Klassenlager: Im heissen Sommer 1994 wurden wir - 15 junge Leute - eingefuchst in die Geheimnisse des Video Journalismus. Der strenge Meister Michael Rosenblum vom Sender "New York one" machte uns als erstes klar: "no zoom, no schwänk" - and if it's not on tape, it never happened". Das war unser Mantra - und das gemeinsame Ziel, neben Spass und Flirterei: Auf Sendung zu gehen, am 3. Oktober! Zuvorderst Roger Schawinski, der uns gefordert UND gefördert hat. Nie wieder war harte Plackerei so euphorsierend! Danke Roschheeee"

 

Reto Brennwald, Reporter bei SRF-Dok

"In six months, these guys from Leutschenbach will be nowhere!", schmetterte uns Michael Rosenblum, unser Coach für Video-Journalismus am ersten Ausbildungstag entgegen. Ich glaube, weil die Schnellbleiche an der Kamera so kurz war, mussten dafür starke Worte her. Aber Rosenblum gab uns tatsächlich das Gefühl, dass wir das Fernsehen neu erfinden, das elektrifizierte uns. Im Rückblick war diese Pionierzeit einmalig und ein klein wenig hatten wir das Fernsehen ja wirklich modernisiert."

 

Gabriella Sontheim, erste Produzentin Tele Züri

"Immer noch beeindruckt bin ich von dieser Wucht und der geballten Ladung Energie, die dazu geführt hat, dass das Produkt Tele-Züri innerhalb kurzer Frist aus dem Boden gestampft werden konnte. Das Zusammenspiel einer Gruppe Menschen, die unter persönlichem Höchsteinsatz alle zur selben Zeit am selben Strick gezogen haben, hat dazu geführt, dass Tele-Züri am 3. Oktober 1994 auf Sendung gegangen ist. Das hat uns damals so miteinander verbunden, dass einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Tele-Züri bis heute meine besten Freunde geblieben sind."

 

Detlev Munz, Produzent/Reporter Keystone

"Was mir am meisten in Erinnerungen bleibt, ist diese unglaubliche Energie. Wir VJs waren ja buchstäblich Tag und Nacht unterwegs. Wir wollten immer schneller sein und die besseren Bilder haben als das Schweizer Fernsehen. Ich kam damals meist wenig zum schlafen, aber sobald ich wieder "on the road" war, war die Müdigkeit wie weggeblasen. Ein besonders krasses Reporter-Erlebnis war das Hochwasser 1999, als wir tagelang in Fischerstiefeln von einem Schadensplatz zum nächsten eilten. Einmal fuhren wir sogar mit einem Gummiboot durch ein überflutetes Einfamilienhaus! Es sind solche Ereignisse, die uns als Team unglaublich stark zusammenschweissten. Wir berichten noch heute davon, wenn wir uns irgendwo treffen."

 

Mario Aldrovandi, Journalist MediaContext

"Ich kam im Jahr 2 von TeleZüri als Chefredaktor dazu. Der Sender hatte damals 60'000 Zuschauer pro Tag. Roger fragte mich nach ein paar Wochen: "Wieviele Zuschauer liegen drin?". Ich sagte ihm: "150'000 pro Tag". Er: "Du spinnst!". Zwei Jahre später hatten wir 160'000 erreicht."

 

Nik Niethammer, Freier Journalist

"VJ-Trainer Michael Rosenblum und seine, nun ja, spezielle Art der Motivation bleiben bis heute in respektvoller Erinnerung. Gefiel dem Meister ein Beitrag nicht, tönte es so: "It's really bad." Die Steigerung lautete: "It's a piece of shit." Und fand Rosenblum eine Geschichte richtig missglückt, baute er sich vor dem VJ-Schüler auf und sagte ganz langsam: "I would kill myself!". Das machte mächtig Eindruck, und wir versuchten auch deshalb gut zu sein, um von unserem Lehrmeister nicht vor dem ganzen Team zerpflückt zu werden."

 

Yvonne Eisenring,  Reporterin bei Tele Züri

"Es war im Januar 2011, ich arbeite seit zwei Jahren als VJ bei TeleZüri und war knapp 23 Jahre alt - da durfte/musste/konnte ich für eine Serie auf den Kilimandjaro. Ich begleitete Jan Bühlmann, den damaligen Mister Schweiz und seinen Vorgänger André Reithebuch auf der Expedition. Sieben Tage wandern, 6'000 Höhenmeter. Beim letzten Aufstieg waren die Kopfschmerzen höllisch, es war stockfinster und etwa minus 20 Grad kalt. Ich weiss nicht recht, ob ich es auch ohne Kamera geschafft hätte. Denn so war Umkehren keine Option."

 

Peter Röthlisberger, Chefredaktor "Blick am Abend"

"Meine Sternstunde kam mit dem Verkauf von TeleZüri und Tele24 an Tamedia 2001. Jürg Wildberger und Kurt W. Zimmermann überliessen mir die anspruchsvolle Aufgabe, als Programmleiter und Chefredaktor TeleZüri auf neue Beine zu stellen. Mit Studiodesign und Logos, die bis heute überlebt haben. Markus Gilli musste zu Hause warten, bis ich mit diesem Umbau fertig war. Im Frühling 2002 durfte er wieder übernehmen. Eine sehr lehrreiche und erfüllende Zeit. Ich habe viel gelernt."

 

Markus Gilli, Chefredaktor Tele Züri 

"Das Weihnachtsessen mit unserem gesamten Team 2013. Ich war eben zum "Journalist des Jahres 2013" gewählt worden. Meine Team rollte eine riesige Torte in den Saal und stand mit brennenden Wunderkerzen auf den Stühlen. Das hat mich tief bewegt und mir erneut die grosse Verbundenheit in der TeleZüri-Family gezeigt."

 

Hanspeter Bürgin, freischaffender Journalist

"Unvergessen wird mir bleiben, welche Widerstände in der Aufbau- und Anfangsphase von TeleZüri zu überwinden waren. Der vielleicht härteste Widersacher und Gegner kam aus den eigenen Reihen, was Roger Schawinski besonders zusetzte. Der damalige Radio-24-Chefredaktor bekämpfte alles, was mit dem neuen Projekt zu tun hatte. Sein Name: Markus Gilli, der sich heute als Mister TeleZüri feiern lässt. 20 Jahre sind halt eine lange Zeit…"

 

Wie sich Matthias Ackeret, Verleger und Chefredaktor von "persönlich", an seine Zeit bei Tele-Züri erinnert, lesen Sie in der nächsten "persönlich"-Printausgabe.

Umfrage: Edith Hollenstein, sw-Bilder: Keystone

 

 

 

 


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